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Waghäusel und seine Geschichte

Chronik der Stadt Waghäusel
mit ihren Stadtteilen Kirrlach, Wiesental und Waghäusel

von

Artur J. Hofmann und Katja Hoffmann

Spärlich sind die vorgeschichtlichen Siedlungsspuren auf dem Gebiet der heutigen Gemarkung der Stadt Waghäusel. Zwar gibt es vor allem in älteren archäologischen Berichten Hinweise auf Fundstellen aus der Stein-, der Bronzezeit und der vorrömischen Eisenzeit, doch weder lassen sie sich genau lokalisieren noch sind die Fundstücke heute noch greifbar. Nur aus der Bronzezeit liegt ein gesicherter Einzelfund vor: 1904 wurde bei Bauarbeiten beim Bahnhof Wiesental ein leicht geschweiftes, zweischneidiges Bronzemesser entdeckt, das heute im Reiß-Museum in Mannheim verwahrt wird.

Umso zahlreicher haben die Römer ihre Spuren hinterlassen. Das bedeutendste Denkmal ist das römische Kleinkastell in der Nähe des Wagbachs an der südöstlichen Gemarkungsgrenze. Entstanden ist es um 80 n. Chr., aufgegeben wurde die Anlage bereits um 120 n. Chr. Aus dem Wagbachkastell heraus entwickelte sich eine kleine zivile römische Siedlung, die das Kastell zumindest bis ins 3. Jahrhundert hinein überdauerte. Siedlungsspuren der Römer in Form einer kleinen "Villa rustica" wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts im Gewann "Ziegelwiesen" auch für Kirrlach nachgewiesen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Einzelfunde aus der römischen Zeit. Sicherlich gilt auch für Waghäusel, dass, wie im gesamten heutigen Baden-Württemberg, die römischen Siedlungsstellen spätestens um das Jahr 260 n. Chr. aufgegeben wurden, als die Zeit der Völkerwanderung einsetzte.

Aus der Völkerwanderungszeit konnten bisher noch keine Siedlungsspuren nachgewiesen werden. Erst für das 7. Jahrhundert n. Chr. kann man für Waghäusel auf handfeste Indizien einer Besiedlung verweisen. Schon 1836/37 hat Karl Wilhelmi aus Sinsheim merowingische Gräber im Gewann "Preußenlager" im unmittelbaren östlichen Anschluss an den heutigen Stadtteil Waghäusel entdeckt. 1903 wurden bei einer systematischen Nachuntersuchung 29 Reihengräber festgestellt, in denen teilweise schöne Grabbeigaben wie Riemenzungen, Schnallen, Schmuck aus Bernstein und Scheibenfibeln gefunden wurden. Da solche Reihengräber typisch für fränkische Hofstellen sind, kann man davon ausgehen, dass sich in unmittelbarer Nähe dieses Reihengräberfeldes, das im Übrigen noch nicht vollständig untersucht ist, eine fränkische Siedlung befand.

Die folgenden fünf Jahrhunderte bleiben bis heute ohne gesicherten Nachweis über eine Siedlungstätigkeit auf der heutigen Waghäuseler Gemarkung. Aus dem Jahr 1234 stammt die erste schriftliche Nachricht von der Existenz des Dorfes "Kirloch". Wiesental wird 1297 als "Wiesenten" zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Durch die Kirrlacher Urkunde wurden die Rechte des Stiftes St. German über die Kirrlacher Kirche festgelegt. Die Wiesentaler Urkunde dagegen steht im Zusammenhang mit der von Bischof Friedrich von Bolanden (1272-1302) systematisch geförderten Anlage von Siedlungsplätzen im rechtsrheinischen Teil des Bistums Speyer. Diese Urkunde hält den Gründungsakt für die Gemeinde fest und macht Aussagen über die Rechte und Pflichten der Bewohner. Auch die Größe der Siedlung, nämlich 80 Hofstellen, wird durch die Urkunde vorgeschrieben. Eine solche Gründungsurkunde ist für Kirrlach nicht nachzuweisen. Man kann aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass es bereits vor der Ersterwähnung eine Kirrlacher Siedlung gab. Denn die Kirche, auf die in der Ersterwähnung Bezug genommen wird, existierte bereits.

Die salischen Kaiser Heinrich III. und Heinrich IV. hatten die gesamte Lußhardt 1056 und 1063 dem Bistum Speyer geschenkt. Bereits nach diesen Schenkungen ist mit großer Wahrscheinlichkeit durch Waldrodung das Kirrlacher Siedlungsgebiet entstanden.

Nach diesen Ersterwähnungen finden sich die Namen der beiden Dörfer immer wieder in Urkunden erwähnt, ohne dass man etwas Näheres über die Ortschaften oder ihre Bewohner erfährt. Drei Bevölkerungserhebungen, nämlich eine Volkszählung des Bischofs Matthias Rammung von 1469/70, das Register des Gemeinen Pfennigs von 1495 sowie das Leibeigenschaftsverzeichnis aus dem Jahre 1530, dokumentieren eine leicht ansteigende Bevölkerungszahl sowie eine typisch bäuerliche Gesellschaft mit unterschiedlichen Vermögensverhältnissen und Abgabenpflichten.

Eine genaue Angabe über die Zahl von Menschen, die in Kirrlach und Wiesental wohnten, macht die Zählung von 1530. Danach lebten von den insgesamt 26.702 Einwohnern des Hochstifts Speyer 245 Untertanen in 59 Haushalten in Kirrlach und 312 Personen in 72 Haushalten in Wiesental.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein verhinderten Seuchen und vor allem viele Kriege, dass die Zahl von 80 Familien in Wiesental und 60 in Kirrlach als Obergrenze für eine ausreichende Versorgung mit dem Lebensnotwendigen auf der vorhandenen Wald- und Ackerfläche überschritten wurde. Im 17. Jahrhundert dezimierten vor allem die großen europäischen Kriege, die die Wiesentaler und Kirrlacher im Einzugsgebiet der Reichsfestung Philippsburg erdulden mussten, die Bevölkerung. Die unmittelbare Nachbarschaft zur Reichsfestung Philippsburg, von Fürstbischof Christoph Philipp von Sötern (1610-1652) im Zeitraum von 1615 bis 1622 erbaut, wirkte wie ein Magnet auf die jeweils kriegführenden Parteien im 17. und 18. Jahrhundert, so dass die Menschen in Wiesental und Kirrlach immer wieder Gewalt, Plünderungen, die Vernichtung der Ernte und die Zerstörung der Häuser in ihrer ungeschützten Lage im größten militärischen Aufmarschgebiet jener Zeit hinnehmen mussten.

So lebten am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) in Kirrlach und Wiesental zusammen nur noch knapp über 20 Familien. 1652, vier Jahre nach dem Westfälischen Frieden, zählte man in Kirrlach 43 Menschen und in Wiesental 30. 1683 wohnten in Wiesental 33 und in Kirrlach 28 Familien, 1701 waren es nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) in Wiesental noch 26 Familien und in Kirrlach, das unter diesem Krieg etwas weniger zu leiden hatte, immerhin 30 Familien.

In den wirtschaftlich besseren und politisch ruhigeren Zeiten unter den Fürstbischöfen Schönborn (1719-1743), Hutten (1743-1770) und Limburg-Stirum (1770-1797) ging es mit den Dörfern wirtschaftlich aufwärts. Die Bevölkerungszahl wuchs so stark, dass Kirrlacher und Wiesentaler ab den 1720er Jahren vor allem in Richtung Ungarn auswanderten, weil die Hofstellen am Ort zur Ernährung nicht mehr ausreichten. Die Auswanderung nach Ungarn, vereinzelt auch nach Serbien und Cayenne (Französisch-Guayana in Mittelamerika), hielt bis in die 1790er Jahre an und erfolgte in Schüben.

Aber auch dieses Ventil konnte den Bevölkerungsüberschuss nicht wirklich dauerhaft abbauen. Im Jahre 1802, ein Jahr vor der endgültigen Auflösung der weltlichen Herrschaft des Hochstifts Speyer und dem Übergang der Region an Baden, lebten trotz der vorausgegangenen Auswanderungen in Wiesental bereits 745 Menschen in 173 Familien mit 145 Häusern. In Kirrlach waren es 633 Einwohner in 143 Familien mit 103 Häusern. Und immer noch lebten diese Menschen in erster Linie von der Landwirtschaft und in einem vorgegebenen Rahmen von der Nutzung des umliegenden Waldes. Auch die wenigen Handwerker, Wirte, Lehrer sowie die Pfarrer mussten im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft betreiben.

Aus einer Erhebung aus dem Jahr 1787/88 geht hervor, dass die Wiesentaler Gemarkung mit 4.603 Morgen dreimal so groß war als die Kirrlacher Gemarkung mit 1.540 Morgen. Als Ackerland bewirtschaften konnten die Wiesentaler 2.749 Morgen, die Kirrlacher nur 1.050, wovon rund 200 noch der Herrschaft gehörten. Hinzu kam, dass die Wiesentaler über 1.698 Morgen gemeindeeigenen Wald verfügten und die Kirrlacher keinen eigenen Wald hatten. Die unterschiedliche Größe der Gemarkung bewirkte, dass in Wiesental im Schnitt 20% bis 30% mehr Menschen als in Kirrlach lebten. Im Schnitt war man in Wiesental etwas weniger arm als in Kirrlach. Von einem Wohlstandsgefälle zu sprechen, das wäre allerdings sicherlich unangemessen.

Während Kirrlach und Wiesental bis weit in die Neuzeit hinein zwei Bauerndörfer waren, wie es sie im deutschen Südwesten häufig gab, stellt Waghäusel einen Sonderfall dar. Seine Entstehung verdankt dieser Ort der Volksreligiosität und seinen weiteren Ausbau den Repräsentationsbedürfnissen des fürstbischöflichen Absolutismus.

Die älteste Überlieferung über den Ursprung Waghäusels enthält der "Gründliche Bericht über den Ursprung Waghäuseleins" aus dem Jahre 1710. Die Entstehung der Waghäuseler Marienwallfahrt geht demnach auf eine Legende zurück, nach der im Jahre 1435 ein Schäfer die Marienstatue, eine einfach gestaltete Maria mit dem Jesuskind, gefunden habe, die wunderbare Kräfte offenbarte. 1472/73 ließ Bischof Matthias Rammung für die Pilger eine Kapelle bauen. 1616 kamen auf Einladung von Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern die ersten Kapuziner zur Betreuung der Pilger nach Waghäusel. In der Folgezeit bauten die Patres eine Klosteranlage und erweiterten immer wieder die Wallfahrtskirche, bis sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts wie alle Männerorden Baden verlassen mussten. Erst 1920 kehrten die Kapuziner nach Waghäusel zurück.

Eine neue Epoche für Waghäusel begann mit Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn. Dieser ließ hier als Jagdschloss und Rückzugsort die Eremitage erbauen, deren erste Anlage zwischen 1724 und 1729 entstand. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrere Male umgebaut und erweitert, u.a. durch den berühmten Barockbaumeister Balthasar Neumann. Zu den Kapuzinern und den Familien des Posthalters und des Gastwirtes kamen nun noch die Bediensteten der Eremitage als ständige Einwohner von Waghäusel hinzu. Bis zur Ansiedlung der Zuckerfabrik im Jahr 1837 lebten in Waghäusel trotzdem im Schnitt nur zwischen 40 und 60 Personen. Das genügte nicht, um aus Waghäusel eine bürgerliche Gemeinde wie Kirrlach und Wiesental zu machen. Waghäusel bildete politisch auch keine eigene Gemeinde, sondern gehörte zu Oberhausen und wurde ab 1847 im Status einer "abgesonderten Gemarkung" geführt. Erst im Jahre 1930 wurde Waghäusel mit gerade einmal 154 Einwohnern selbstständige Gemeinde.

Zum letzten Mal waren die Dörfer in den 1790er Jahren während der Koalitionskriege gegen Frankreich Leidtragende ihrer Nähe zur Festung Philippsburg. 1801 wurde auf Befehl Napoleons damit begonnen, die Festung zu schleifen. Unter Napoleons Regie wurde im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 Baden, das 1806 Großherzogtum wurde, unter anderem die rechtsrheinischen Gebiete des Hochstiftes Speyer zugesprochen.

Damit endete die jahrhundertelange Herrschaft der Speyerer Bischöfe über die Dörfer im Bruhrain. Unmittelbar vor dem drohenden Niedergang des Hochstiftes hatte der letzte Speyerer Fürstbischof Wilderich von Walderdorf 1798 die Leibeigenschaft aufgehoben. Die systematischen Erhebungen über die neu an Baden gefallenen Dörfer ergaben, dass sich Wiesental in einer etwas günstigeren wirtschaftlichen Situation befand als Kirrlach. Aber das alte Problem wurde auch bei dieser Untersuchung und späteren Stellungnahmen der Behörden deutlich angesprochen und verstärkte sich in den folgenden Jahrzehnten immer mehr: Der rapide anwachsenden Bevölkerung konnte keine entsprechend vergrößerte landwirtschaftlich nutzbare Fläche angeboten werden. Hinzu kam, dass die verarmten Dörfer noch Kriegsschulden abzutragen hatten und für die Aufhebung der Fronden und die Zehntablösung stattliche Summen zahlen mussten.

Für Wiesental, Kirrlach und Waghäusel war es deshalb ein Glücksfall, dass die "Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation" 1837 auf dem nach der Säkularisation ungenutzten Gelände der Eremitage eine Zuckerfabrik ansiedelte, bei der über mehrere Generationen hinweg Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung Arbeit fanden. Immerhin beschäftigte diese Fabrik in guten Jahren rund 1.000 Menschen. Zum ersten Mal gab es Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Land- und Forstwirtschaft und der kleinen Handwerksbetriebe vor Ort.

Ein Ventil für die stetig wachsende Bevölkerung war dann die von den 1850er bis in die 1880er Jahre andauernde Auswanderungswelle in die USA und nach Brasilien. Ein Auslöser dieser Wanderungsbewegung war auch die gescheiterte Revolution von 1848/49. Am 20. und 21. Juni 1849 fanden bei Wiesental und Waghäusel entscheidende Gefechte zwischen badischen Revolutionstruppen und preußischen Soldaten statt. Die Niederlage der Revolutionäre bildete den Anfang vom Ende der Freiheitsbewegung. Zum 150. Jahrestag der Schlacht wurde 1999 das Freiheitsdenkmal bei der Eremitage aufgestellt.

Zum Wandel von der traditionellen Bauern- zur Fabrikarbeitergemeinde trug in Kirrlach und Wiesental die ab den 1880er Jahren einsetzende Ansiedlung von Zigarrenfabriken bei. In Kirrlach waren im Jahr 1907 in 18 Zigarrenfabriken 572 Frauen und 383 Männer beschäftigt. In Wiesental verdienten im Jahr 1908 insgesamt 680 Männer und Frauen einen bescheidenen Fabrikarbeiterlohn. Die Zigarrenfabriken behielten ihre dominierende Rolle vor allem für Frauenarbeitsplätze bis in die 1950er Jahre. In den 1970er Jahren schloss dann die letzte Zigarrenfabrik.

Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit vor allem für Männer bot die expandierende Mannheimer Industrie und die Eisenbahn. 1870 erfolgte die Eröffnung der Eisenbahnlinie Mannheim-Schwetzingen-Waghäusel-Graben, 1874 war die Streckeneröffnung von Graben nach Bruchsal. 1895 wurde die letzte Teilstrecke Graben-Karlsruhe in Betrieb genommen. Aber nur zögernd setzte die Pendlerbewegung vor allem nach Mannheim und Karlsruhe ein. So arbeiteten 1913 zwar rund 1.000 Kirrlacher in den örtlichen Zigarrenfabriken, aber nur rund 110 in auswärtigen Betrieben. In Wiesental war es ähnlich: 1914 arbeiteten ca. 1.200 Menschen in der Zigarrenindustrie und ca. 350 Männer fanden Arbeit in auswärtigen Betrieben oder bei der Bahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen die Zahlen ganz anders aus. 1952 waren in den Kirrlacher Zigarrenbetrieben noch 795 Menschen beschäftigt, dagegen 1.450 auswärts. Und auch Wiesental verließen täglich 1.228 Berufspendler meist mit der Bahn.

Eine Sonderrolle spielte wiederum Waghäusel. 1925 lebten in 44 Haushaltungen insgesamt 149 Personen, die fast alle direkt oder indirekt von der Zuckerfabrik lebten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl durch Zuzug von außen allmählich an.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren in Kirrlach 166 und in Wiesental 143 gefallene Soldaten zu beklagen. Schlimmer noch waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Wiesental wurde zweimal durch Bombenangriffe heimgesucht. In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1942 fiel eine schwere Luftmine auf das untere Ende der Lußhardtstraße. Wohnhäuser und Scheunen stürzten zusammen, vier Menschen starben. Bei einem zweiten Luftangriff auf Wiesental am 21. Januar 1945 waren die Schäden wesentlich größer. 37 Menschen kamen ums Leben, die Kirche brannte aus, weit über 100 Gebäude wurden zum Teil stark beschädigt. Rund 1.200 Wiesentaler wurden zur Wehrmacht eingezogen, davon fielen 336 Männer oder wurden vermisst.

Weniger einschneidend waren die Verluste unter der Zivilbevölkerung von Kirrlach. Obgleich sich westlich der Gemeinde im Gewann "Löcherjagen" ein Militärflughafen befand, blieb der Ort bis auf einen Artilleriebeschuss am 27. März 1945, bei dem drei Menschen starben, von Angriffen verschont. Zwei Kirrlacher fanden am 1. April 1945 bei der Reparatur eines Geschützes den Tod. 231 Männer hatte Kirrlach als Gefallene oder Vermisste zu beklagen. Auf Waghäusel fielen am 25. April 1944 Bomben. Die Zuckerfabrik und das Postamt wurden schwer getroffen, das Kloster trug leichtere Schäden davon. Sechs Soldaten aus Waghäusel sind an der Front gefallen.

1945 zählte Kirrlach 4.649 Einwohner, Wiesental 4.809 und Waghäusel 298. Bei der Zählung von 1950 waren in Kirrlach bereits 6.134, in Wiesental 5.977 und in Waghäusel 329 Einwohner registriert. Diese Bevölkerungszunahme ging vor allem auf die Aufnahme von Heimatvertriebenen im Zeitraum von 1945 bis 1952 zurück, wobei der größte Teil in den ersten vier Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eingewiesen wurde. Insgesamt fanden 1.428 Vertriebene in den drei Ortschaften Aufnahme, 750 in Kirrlach, 615 in Wiesental und 63 in Waghäusel. Den unerhofften Aufschwung, den die drei Dörfer nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen, verdanken sie auch der Schaffenskraft und dem Engagement dieser neuen Bürger.

Große Anstrengungen unternahmen alle drei Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg, um die notwendige Infrastruktur bereitzustellen: Bis zum Ende der Selbstständigkeit gehörten die Erschließung von Wohnbau- und Gewerbegelände, der Bau der neuen Bolandenschule in Wiesental, der Schillerschule und der Rheintalhalle in Kirrlach sowie in Zweckverbänden der Aufbau der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung und der Bau des Rheintalschwimmbades zu den größten Investitionen.

Schon in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg und verstärkt nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden auch in Wiesental und in Kirrlach vermehrt Arbeitsplätze zunächst im Bauhaupt- und Bauausbaugewerbe, dann in der Textilindustrie, im Metallbau und der Elektrotechnik. Im Jahr 1970 konnten deshalb rund 60% der Erwerbstätigen eine Beschäftigung in den drei Ortschaften finden, rund 40% mussten zu ihren Arbeitsstätten pendeln. In den letzten Jahren hat die Stadt Waghäusel allerdings wichtige Arbeitsplätze verloren. Die einmal bedeutende Textilindustrie (z. B. "Joba") gibt es nicht mehr, bekannte Baufirmen wie etwa Wagenhan haben geschlossen, E.G.O. Elektro-Gerätebau hat seinen Betrieb in Wiesental aufgegeben und schließlich hat mit der Kampagne 1995 auch die traditionsreiche Zuckerfabrik dichtgemacht. Neue Arbeitsplätze entstanden aber vor allem durch einen großen Einzelhandelsbetrieb und die Ansiedlung von kleinen und mittleren Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben. Auf diese Weise konnten die Umstrukturierungsprobleme gemeistert werden.

Am 1.1.1975 schlossen sich Kirrlach, Waghäusel und Wiesental zur neuen Gemeinde Waghäusel mit insgesamt 16.999 Einwohnern (Kirrlach 8.340, Wiesental 7.866, Waghäusel 793) zusammen. Erster Bürgermeister war von 1975 bis 1999 der Lehrer Robert Straub. Sein Nachfolger ist der Rechtsanwalt und Landtagsabgeordnete Walter Heiler.

1980 verlieh die Fusionsgemeinde erstmals die Ehrenbürgerwürde und den neu geschaffenen Ehrenring. Fünf Ehrenbürger gab es bisher: Pfarrer i.R. Valentin Brenzinger (1980), Landrat a.D. Dr. Friedrich Müller (1996), die früheren Bürgermeister Ernst Oechsler und Emil Groß (1997) sowie Robert Straub (2000). Drei Mal vergab man den Ehrenring: Dr. Fritz Osswald (1980), Roy Nancekievill (1988), Staatssekretär a.D. Heinz Heckmann (1999).

Städtepartnerschaften bestehen seit 1966 mit Flattach in Kärnten (geschlossen durch die Gemeinde Kirrlach), seit 1974 mit Caldicot in Wales (geschlossen durch die Gemeinde Wiesental) und seit 1989 zunächst mit dem ungarischen Szigetszentmàrton, dann seit 1991 mit der Nachfolgegemeinde Szigetùjfalu.

Die Stadtrechte erhielt Waghäusel knapp ein Jahr nach dem Bezug des neuen Verwaltungszentrums am 1. Mai 1984. Seit 2003 ist die Stadt als Unterzentrum ausgewiesen. 2005 wurde erstmals die Marke von 20.000 Einwohnern überschritten.

Nach der Fusion wurde die Erschließung von Baugelände weiter vorangetrieben. Die größten Bauprojekte nach 1975 waren die Wagbachhalle in Wiesental, die Johann-Peter-Hebel-Realschule und das Rathaus mit Bibliothek in Waghäusel, vier Kindergärten verteilt auf alle drei Stadtteile und die Modernisierung der Abwasserbeseitigung. Ferner wurde eine Reihe von öffentlichen Straßen und Plätzen mit großem finanziellem Aufwand neu gestaltet. Schließlich wurden an allen Schulen Um- und Erweiterungsbauten vorgenommen. Kirrlach und Wiesental wurden durch Umgehungsstraßen vom Autoverkehr entlastet. 1988 wurde auf Wiesentaler Gemarkung das Naturschutzgebiet "Frankreich" ausgewiesen.

1997 erwarb die Stadt Waghäusel das gesamte Areal der 1995 stillgelegten Zuckerfabrik mit der denkmalgeschützten Eremitage für 1 DM. Seither bemüht sich die Stadt mit Zuschüssen des Landes darum, zum einen die Eremitage-Anlage mit teilweise wiederhergestellten Grünanlagen für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen und zum anderen auf dem Fabrikgelände Altlasten zu entsorgen und neues Gewerbe anzusiedeln. Seit 1975 besteht die Musikschule Waghäusel-Hambrücken, die 2006 ihr neues Domizil auf dem ehemaligen Zuckerfabrikgelände bezog.

1999 mussten die Kapuziner ihr Waghäuseler Kloster aufgeben, die Wallfahrt wird seither von den "Brüdern vom Gemeinsamen Leben" betreut. Seit 2005 besteht die Seelsorgeeinheit Waghäusel der katholischen Kirchengemeinden Kirrlach, Waghäusel und Wiesental.

2002 war Waghäusel Festivalstadt der "Aktion Mensch" mit der höchsten je erzielten Spendensumme von rund 250.000 Euro.

Seit 2007 ist Waghäusel auch Sitz des Polizeipostens Bruhrain.

Am 1. September 2013 wurde Waghäusel zur Großen Kreisstadt ernannt.


Große Kreisstadt Waghäusel Zeittafel

Wappen der Stadt Waghäusel



 
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