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Igelschutz im Sommer – eure Gärten sind sein Lebensraum

Erstelldatum16.07.2026

Die Igel sind bis ca. Ende August in der Paarungszeit. Wie Sie die Gartenbewohner in dieser wichtigen Lebensphase unterstützen und wann Igel Hilfe brauchen...

Von Christiane Rebholz

Liebe Waghäusler,

in meinem 2. Artikel über unsere liebenswerten Gartenbewohner möchte ich Sie über die aktuelle Paarungszeit der Igel, ihr Verhalten in dieser wichtigen Lebensphase und Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Zudem möchte ich Ihnen zeigen, an welchen Merkmalen man einen kranken oder hilfsbedürftigen Igel erkennt und wie Sie diesen ggf. sichern können.

 

Love is in the Air - Sommer ist Paarungszeit

Die Igel sind bis ca. Ende August in der Paarungszeit. Wenn Sie abends oder nachts plötzlich lautes Schnaufen, Schmatzen oder gar Fauchen aus dem Garten hören - das sind vermutlich Igel bei der Partnersuche. 

Wichtig: Bitte die Igelpaare in Ruhe lassen und nicht stören!

Igelmännchen auf Brautschau legen in der Nacht große Strecken von bis zu 5 km zurück. Auch deshalb sind vernetzte und offene Gärten mit Igeldurchgängen sehr wichtig. Hat der Igel ein Weibchen gefunden, versucht er die Auserwählte von sich zu überzeugen, indem er sie immer wieder umkreist. Dabei gibt der Igelherr die verschiedensten Geräusche von sich. Diese Paarungszeremonie nennt man „Igelkarussell“ und zieht sich oft über Stunden hin. Nach der Paarung zieht sich das Weibchen allein zur Geburt und Aufzucht der Jungen zurück.

Die werdende Igelmutter baut sorgfältig ein Nest, in dem sie nach einer Tragezeit von etwa fünf Wochen 3 - 8 Jungen zur Welt bringt. Die meisten Igelbabys kommen zwischen Juni und September zur Welt. Sie werden blind, taub und mit weichen, zunächst unter der Haut verborgenen Stacheln geboren. In den ersten Wochen sind sie auf ein sicheres Nest angewiesen.

Bis zur 6. Lebenswoche werden die Jungigel gesäugt, aber bereits nach ca. 3 Wochen verlassen sie für erste Ausflüge zur Nahrungssuche das Nest. Wenn Igelbabys nach ihrer Mutter rufen, klingt das wie lautes Vogelgezwitscher.

Von der Geburt bis zur Selbstständigkeit der Jungen verstreichen nur ca. 8 Wochen. Danach werden Sie von der Mutter verlassen und müssen alleine klar kommen. In den kommenden Monaten werden deshalb auch besonders viele Jungigel in unseren Gärten und Parks auf Nahrungssuche unterwegs sein.

Igelnester nicht stören: Sollten Sie ein Nest auffinden, decken Sie es vorsichtig wieder zu und beobachten aus der Ferne, ob die Mutter zurückkehrt. Sollte sie nicht zurückkehren, wenden Sie sich bitte sofort bzgl. professioneller Hilfe an eine Igelpflegestelle. In den sozialen Netzwerken (Instagram, Facebook usw.) finden Sie entsprechende Ansprechpartner - auch in der näheren Umgebung.

 

 

Darüber freuen sich Igel immer:

  • Wasser in Schalen: Verdurstet eine Igelin, so sterben auch ihre Jungen. Wasser ist auch lebenswichtig für alle Wildtiere, z. B. Vögel, Eichhörnchen, Insekten,
  • Katzenfutter (Nass- oder Trockenfutter) mit einem Fleischanteil von mind.60 % (ohne Soße, Gelee, Getreide und Gemüse), denn Igelmütter benötigen viel Energie
  • Wilde und naturnahe Gartenecken mit Unterschlupfmöglichkeiten als Rückzugsorte

Irrglaube: Dass Igel sich von Schnecken ernähren, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Sie fressen Schnecken nur in der Not! Hauptnahrungsquelle der Igel sind Insekten, Käfer, Raupen, Ohrwürmern sowie Spinnen und Tausendfüßler. Schnecken sind hochgradig bedenklich, weil sie gefährliche Parasiten wie Lungen- und Bandwürmer sowie den Darmsaugwurm übertragen. Dadurch werden Igel krank und sterben daran.

 

Vorsicht bei Gartenarbeiten

Das Entfernen von Laubhaufen, das Umsetzen von Holz- oder Totholzhaufen und das Schneiden von Hecken können Igeln und ihren Nestern schaden. Sollte es unvermeidlich sein, schauen Sie bitte vorher vorsichtig nach, ob sich eventuell ein Nest darunter befindet.

Ebenfalls stellen Geräte wie Freischneider sowie der Einsatz von Mährobotern in den Abend- und Nachtstunden eine große Verletzungsgefahr dar. Tiefe Schnittverletzungen, Verstümmelungen usw. führen nach einer langen Leidenszeit immer zum Tod.

Kranker Igel - Hinweise zur Erstbeurteilung

Gesunde Igel sind ausnahmslos nachtaktiv, haben einen birnenförmiger Körper und runde, glänzende Augen.

Wichtig: Ein Igel, der sich tagsüber bewegt oder in der Sonne liegt, hat gesundheitliche Probleme. Bitte schauen Sie nicht weg – er leidet und benötigt dringend Ihre Hilfe.

An diesen Merkmalen erkennt man einen kranken Igel:

  • Tagaktiv
  • Atemgeräusche, Husten oder Röcheln
  • schwache Reflexe, rollt sich kaum ein, wirkt matt oder bewegungslos 
  • unsicheres Gangbild
  • länglicher, eingefallener Körper, hervorstehende Knochen 
  • schlotterndes, zu groß wirkendes Stachelkleid oder kahle Stellen
  • verletzt, z. B. blutend oder hinkend
  • starker Befall mit Außenparasiten

Bei Befall mit Fliegeneiern (ähnlich Reiskörnchen) oder Maden, die den Igel von innen auffressen können, zählt jede Minute => absoluter NOTFALL !!!.

Sofortmaßnahme

  • mit einem Handtuch oder Gartenhandschuhen vorsichtig von unten hochnehmen und in einen hohen Karton auf ein Handtuch setzen
  • Schachtel fliegensicher an einen ruhigen Ort im Haus unterbringen (z. B. Keller, Bad, Gäste-WC)
  • keine Zugluft oder Lärm
  • nur Wasser, aber kein Futter
  • nicht zurück in den Garten setzen
  • keine Spot-On-Präparate einsetzen => Krämpfe und akute Atemnot möglich
  • umgehende Kontaktaufnahme zur Igelstation oder Wildtierhilfe (über soziale Netzwerke kontaktierbar)

 

TIPP: App „SOS Wildtier“

Haben Sie ein verletztes Wildtier gefunden? Die neue kostenlose App „SOS Wildtier“ hilft und ist sehr zu empfehlen. Hier sind Igelpflegestellen hinterlegt und zu allen Wildtieren gibt es Erste-Hilfe-Tipps, teilweise auch mit Videoanleitungen.

Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Igelpopulation zu schützen und diesen nützlichen Gartenbewohnern ein sicheres Zuhause zu bieten. Wenn im Morgengrauen, ein kleines Stacheltier lautlos im Gras verschwindet, dann erinnert uns das daran: Der Garten gehört nicht nur uns. In seinem Schatten lebt eine Welt, die auf unsere Rücksicht angewiesen ist!