Neuer Atemschutzkompressor bei der Freiwilligen Feuerwehr Waghäusel
So viel mehr als Blaulicht


Die Freiwillige Feuerwehr Waghäusel nutzt seit Kurzem einen neuen Atemschutzkompressor. Die Vorstellung des Geräts ist zugleich Anlass, einen Blick auf die Abläufe im Hintergrund der Feuerwehrarbeit zu werfen.
„Viele denken beim Thema Feuerwehr zuerst an die roten Autos und Blaulichteinsätze“, sagt Klaus Steinle. „Was alles dahinter steckt, ist vielen nicht bewusst.“ Steinle ist einer von drei hauptamtlichen Gerätewarten in Waghäusel. Gemeinsam sind sie zuständig für die Technik, die Abläufe im Hintergrund und eine jederzeit funktionsfähige Ausrüstung.
Nach jedem Einsatz beginnt für die Gerätewarte die eigentliche Arbeit. Die verwendeten Schläuche müssen gereinigt, geprüft und wieder einsatzbereit gemacht werden. Schutzkleidung wird gewaschen und gepflegt, Fahrzeuge und Geräte kontrolliert und instand gehalten. Alle Ausrüstungsgegenstände sind dabei mit Strichcodes erfasst, sodass Nutzung, Reinigung und Prüfungen jederzeit nachvollzogen werden können. Das reicht von der Drehleiter bis zum kleinsten Ausrüstungsgegenstand. Unterstützt werden die drei Hauptamtlichen dabei von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. „Allein würden wir das gar nicht schaffen“, sagt Thilo Schreiber, ebenfalls Gerätewart in Waghäusel.
Auch aus Sicht der Stadt ist dieses Zusammenspiel aus Ehrenamt und Technik von großer Bedeutung. Oberbürgermeister Thomas Deuschle betont: „Die Feuerwehr in Waghäusel lebt vom großen Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Einsatzkräfte. Dieses Engagement verdient hohe Anerkennung. Eine verlässliche technische Ausstattung ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Feuerwehr ihren Aufgaben jederzeit nachkommen kann.“
Besonders sensibel ist dabei der Bereich Atemschutz. Atemschutzgeräte ermöglichen es Feuerwehrleuten, unter extremen Bedingungen zu arbeiten. Das gilt vor allem dort, wo Rauch, Hitze oder Schadstoffe die Umgebung lebensgefährlich machen. Die Einsatzkräfte atmen dabei über ihre Masken die Atemluft aus speziellen Atemluftflaschen. Diese sind mit einem Druck von 300 Bar gefüllt, sodass den Einsatzkräften bei kompakter Bauweise ein größerer Luftvorrat zur Verfügung steht. Das Befüllen der Atemluftflaschen erfolgt über die neue Anlage, deren zentrale Komponente der Atemschutzkompressor ist.
Rund 35.000 Euro hat das System gekostet. Bei der Auswahl wurde auch auf Wirtschaftlichkeit geachtet. Erste Angebote lagen deutlich höher und boten zugleich weniger Leistung. Der dritte hauptamtliche Gerätewart, Marcus Rodi, kümmerte sich um die Auswahl und Umsetzung.
Auf den ersten Blick wirkt die neue Atemschutzanlage beinahe unscheinbar: Im Erdgeschoss des Feuerwehrhauses in Kirrlach ist lediglich ein Teil der Technik sichtbar; das eigentliche Herzstück steht im Keller darunter. Dort saugt der Kompressor die Raumluft an, reinigt sie in mehreren Filterstufen und verdichtet sie. Über eine Leitung gelangt die aufbereitete Atemluft nach oben, wo sie über die Abfüllanlage in die Flaschen gefüllt wird. Auch Prüfungen der Atemschutzmasken werden hier durchgeführt.
Bereits seit über zwei Jahrzehnten verfügt die Freiwillige Feuerwehr Waghäusel über einen eigenen Atemschutzkompressor. Einige der Kameraden erinnern sich noch gut daran, wie zuvor die Atemluftflaschen zum Befüllen regelmäßig weggefahren werden mussten. Durch eine Spende kam schließlich der erste Kompressor nach Waghäusel.
Das Gerät war zu diesem Zeitpunkt bereits rund 20 Jahre alt, hatte jedoch nur wenige Betriebsstunden und leistete in Kirrlach noch über lange Zeit wertvolle Dienste. Zuletzt war der Kompressor jedoch deutlich in die Jahre gekommen. Ersatzteile waren kaum noch erhältlich und die Leistung ließ spürbar nach.
Mit der neuen Anlage ist die Atemluftversorgung der Freiwilligen Feuerwehr Waghäusel nun wieder auf dem aktuellen Stand der Technik. Für Klaus Steinle und seine Kollegen ist sie dabei mehr als eine reine technische Neuanschaffung. Sie ist Teil eines Systems, das die Gerätewarte täglich überwachen, pflegen und dokumentieren – meist fernab der Öffentlichkeit, aber unverzichtbar für jeden Einsatz. Oder wie Klaus Steinle es auf den Punkt bringt: „Feuerwehr ist so viel mehr als Blaulicht.“


