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Igelschutz in Waghäusel – eure Gärten sind sein Lebensraum

Erstelldatum08.05.2026

Informationen und Tipps zum Igel. Das unter Naturschutz stehende Tier braucht jetzt unsere Unterstützung und besondere Aufmerksamkeit...

Von Christiane Rebholz

Der Igel wurde durch die Deutsche Wildtierstiftung zum Wildtier des Jahres 2024 ernannt. Er steht unter Naturschutz und wird mittlerweile als gefährdet geführt. Igel sind nützliche und liebenswerte Gartenbewohner, die unsere Unterstützung bedürfen. 

Seit ich vor einigen Jahren den ersten verletzten Igel gefunden habe, schlägt mein Herz für diese Stacheltiere und daher setzte ich mich für Sie ein. 

Aus diesem Grund möchte ich gerne die Gelegenheit nutzen um Sie, liebe Waghäusler, auf die Notlage dieser geschützten Wildtiere aufmerksam zu machen. Ich werde Ihnen - den Jahreszeiten entsprechend - Informationen und Tipps zu unserem stachligen Nachbarn geben. Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam den Igeln das Leben etwas erleichtern könnten.

Der Lebensraum des Igels ist in Gefahr 

Was viele nicht wissen: Der Igel lebt nicht im Wald, sondern mitten unter uns in offenen Landschaften mit Büschen und Hecken. Er kommt ausschließlich in der Nähe der Menschen vor. Durch immer weniger Naturgärten fehlen dem Igel allerdings Verstecke, Nahrung und Lebensraum. Eigentlich ist der Igel ein Überlebenskünstler. Doch aufgeräumte Gärten sind leider modern geworden. Der Rasen wird kurz gehalten, Laub – wenn überhaupt vorhanden – sofort weggeräumt, statt Hecken werden Zäune oder Steinmauern errichtet und jedes bisschen Unkraut wird sofort entfernt. Anstelle von heimischen Gewächsen werden oftmals exotische Pflanzen und Palmen gesetzt. Die meisten davon bieten heimischen Insekten keine Nahrung. Deshalb ist das Hauptproblem des Igels das fehlende Futterangebot.

Frühling: Die ersten Igel sind wieder wach! 

Nach dem langen Winterschlaf sind ihre Energiereserven erschöpft. Sie haben bis zu 40 Prozent ihres Gewichts verloren. Jetzt brauchen sie vor allem Nahrung. Leider sind Insekten, die natürliche Hauptnahrungsquell des Igels, nicht mehr ausreichend vorhanden. Daher benötigen Igel unsere Unterstützung. 

Darüber freut sich der Igel 

  • täglich frisches Wasser in einer flachen Schale (z. B. Blumentopfuntersetzer) bereitstellen 
  • Katzenfutter (Nass- o. Trockenfutter) mit einen Fleischanteil von mind. 60 %, (ohne Zucker, Getreide, Gemüse, Soße oder Gelee) 
  • frische oder getrocknete Insekten (z. B. Soldatenfliegenlarven, Mehlwürmer, Grillen, …) 
  • ungewürztes schlabberiges Rührei

Das macht Igel krank 

Die Produkte Milch, Obst und Gemüse, Nüsse, Getreide, Vogel- oder Igelfutter aus dem Zoohandel dürfen nicht gefüttert werden.

Optimale Futterstelle 

Hier empfiehlt sich ein Futterhaus mit zwei Eingängen, die mit Klappen versehen sind, um das Eindringen von anderen Tieren zu verhindern. Häuser ohne Boden erleichtern die Reinigung. Das Haus wird am einfachsten auf Steinplatten oder Fliesen gestellt und mit Zeitungspapier ausgelegt. Die Wasser- und Futterschälchen sollen täglich gereinigt und das Zeitungspapier entsorgt werden. So bleibt das Igelhaus sauber. 

Igel bevorzugen immer natürliche Nahrung. Die Zufütterung dient lediglich zur Unter-stützung und kann Leben retten.

Igelfreundliche Gestaltung von Gärten 

  • Laub-, Holz- und Reisighaufen in ruhigen und unaufgeräumten Gartenecken schaffen Quartiere zum Ausruhen und Schlafen. 
  • Naturnahe Gärten mit heimischen Hecken und Stauden, dichte Sträucher sowie ungemähte wilde Ecken helfen ein insektenfreundliches Umfeld zu schaffen und damit die Nahrung des Igels zu sichern. 
  • Das Schaffen von Verbindungsmöglichkeiten zwischen Gärten und durch kleine Öffnungen im Zaun (mindestens 13 cm x 13 cm) ermöglicht den Igeln auf Nahrungssuche zu gehen und ihre Streifgebiete zu erweitern. Dies unterstützt sie bei ihren nächtlichen Wanderungen. 

Jeder Garten kann ein sicherer Ort für Igel sein. Kleine Veränderungen machen einen großen Unterschied.

Gartenarbeiten können für Igel riskant sein 

Mit den ersten warmen Tagen zieht es uns Menschen wieder in die Gärten um sie fit für die neue Saison zu machen. Leider kann dies für Igel zur tödlichen Gefahr werden. Hecken werden geschnitten, Rasen gemäht, Laub- und Reisighaufen entfernt.

Igel sind keine Fluchttiere. Statt wegzulaufen rollen sie sich instinktiv zu einer Kugel zusammen. Dieses Verhalten schützt sie vor natürlichen Feinden – jedoch nicht vor Gartengeräten. Täglich werden schwer verletzte Igel in Auffangstationen eingeliefert, oft mit Stich- und Schnittwunden. 

  • Rasentrimmer und Motorsensen: Igel schlafen tagsüber gerne im hohen Gras, unter Hecken und Büschen. Bevor mit der Gartenarbeit begonnen wird, ist ein vorsichtiges Absuchen des Bereichs z. B. mit einem Grasrechen empfehlenswert. 
  • Mähroboter: Zum Wohl des Igels sollte der Mähroboter ausschließlich tagsüber eingesetzt werden. Ab der Dämmerung und in der Nacht sind Igel aktiv und die scharfen Messer können die Tiere schwer verletzen, in den meisten Fällen sogar tödlich. 
  • Grabgabel: Vor dem Umgraben oder Umsetzen von Laub-, Kompost oder Reisighaufen sowie unter dichtem Bewuchs ist vorab immer eine vorsichtige Kontrolle wichtig. Wird mit der Gabel in solche Bereiche gestochen, können sich dort ruhende Igel tödliche Verletzungen zuziehen. 
  • Laub- und Reisighaufen: Schlafplätze der Igel werden oft unbeabsichtigt zerstört. Vor dem Entfernen von Laub und Reisig ist auch hier immer eine vorsichtige Kontrolle notwendig. Mit etwas Rücksicht lassen sich die Schlafplätze erhalten, und die Igel können ihren wichtigen Tages- und Rückzugsort weiterhin nutzen. 

Weitere Gefahren für Igel 

  • Müllsäcke: Der Geruch lockt Igel an. Der Igel klettert oftmals auf der Suche nach Nahrung hinein und wird dann mit entsorgt. Daher sollte der Müllsack nicht auf den Boden gestellt werden. 
  • Teiche und Pools: Mit einer Ausstiegshilfe (Brett oder Matte) kann der Igel das Gewässer sicher verlassen. 
  • Kellertreppen und Lichtschächte: Mit Backsteinen können Zwischenstufen geschaffen werden. 
  • Hundebisse: Sie verursachen innere Verletzungen oder Infektionen, die lebensgefährlich sind, auch wenn äußerlich wenig zu erkennen ist. 
  • Pestizide und Insektizide: Durch diese Mittel werden Insekten, die wichtigste Nahrungsquelle der Igel, vernichtet. 
  • Straßenverkehr: Durch langsames und aufmerksames Fahren kann das Überfahren von Igeln insbesondere in der Nähe von Wohngebieten vermieden werden. 

Wenn wir alle ein wenig Rücksicht nehmen, können wir gemeinsam dazu beitragen, dass sich Igel auch in Zukunft in Waghäusel wohlfühlen werden!