Delegationsreise nach Szigetújfalu stärkt lebendige Städtepartnerschaft
Seit mehr als 35 Jahren verbindet Waghäusel und die ungarische Gemeinde Szigetújfalu eine enge Städtepartnerschaft. Nun stand erneut ein offizieller Besuch in der Partnergemeinde auf dem Programm. Die Waghäuseler Delegation bestand aus Vertreterinnen und Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr Waghäusel, des Gemeinderats sowie der Stadtverwaltung.
Schon bei der Ankunft wurde die Delegation herzlich empfangen. Schnell wurde deutlich, wie lebendig und freundschaftlich die Verbindung zwischen den beiden Gemeinden bis heute gelebt wird.
Entstanden ist die Städtepartnerschaft aus persönlichen Begegnungen heraus. Bereits 1985 knüpfte der damalige Vorsitzende des Akkordeonorchesters 1936 Wiesental, Karl Kramer, erste Kontakte zu einer ungarndeutschen Tanzgruppe in der Region. Aus musikalischen Begegnungen entwickelten sich Freundschaften und schließlich die offizielle Städtepartnerschaft, die 1989 besiegelt wurde. Gerade diese Wurzeln machen die Verbindung bis heute besonders. Sie entstand nicht auf politischer Ebene, sondern mitten aus der Bürgerschaft heraus.
Empfang im Rathaus und Besuch eines Weinguts
Am ersten Tag stand zunächst der offizielle Empfang im Rathaus von Szigetújfalu im Mittelpunkt. In Gesprächen blickten beide Seiten auf die lange Geschichte der Partnerschaft zurück und betonten den gemeinsamen Wunsch, diese auch künftig intensiv weiterzuführen. Besonders die Feuerwehren beider Gemeinden tragen seit vielen Jahren entscheidend dazu bei, die Verbindung lebendig zu halten.
Im Anschluss besuchte die Delegation ein Weingut auf der Csepel-Insel, auf der auch Szigetújfalu liegt. Die dort produzierten Weine werden regelmäßig international ausgezeichnet. Der Abend bot viele Gelegenheiten für persönliche Gespräche, gemeinsame Erinnerungen und neue Begegnungen.
Eindrucksvolle Einblicke in Budapest
Der zweite Tag führte die Gruppe zunächst mit der Fähre über die Donau und anschließend nach Budapest. Dort stand eine Führung durch das ungarische Parlament auf dem Programm. Die neugotische Architektur, die beeindruckenden Dimensionen des Gebäudes mit fast 700 Räumen und rund 20 Kilometern Treppen sowie der prunkvolle Innenausbau mit fast 40 Kilogramm verarbeitetem Blattgold hinterließen großen Eindruck.
Auch die aktuellen politischen Entwicklungen in Ungarn waren während des Besuchs immer wieder Gesprächsthema. Besonders die neue politische Aufbruchsstimmung nach der Wahl von Péter Magyar am 9. Mai zum Ministerpräsidenten wurde von vielen Teilnehmenden aufmerksam verfolgt. Oberbürgermeister Thomas Deuschle betonte später in seiner Rede, dass er sich persönlich sehr darüber freue, „dass die Europaflagge wieder am Parlamentsgebäude weht“ und damit ein sichtbares Zeichen für einen stärkeren europäischen Kurs setzt. Gleichzeitig seien es aber gerade in politisch bewegten Zeiten auch persönlichen Kontakten zwischen Menschen und Gemeinden, die gegenseitiges Verständnis und Zusammenhalt fördern.
Im Anschluss folgte eine Stadtrundfahrt durch Budapest, bei der weitere historische Gebäude und Plätze besichtigt wurden. Bestandteil dieser Tour war auch ein Besuch des Zwack Museums, in dem die Teilnehmenden nicht nur Einblicke in die Herstellung des bekannten Kräuterlikörs „Unicum“, sondern auch in ein Stück ungarischer Zeitgeschichte erhielten.
Ein besonderer Höhepunkt war am Abend der Besuch bei der Deutschen Selbstverwaltung in Szigetújfalu. Diese setzt sich für die Interessen der ungarndeutschen Minderheit sowie die Pflege donauschwäbischer Traditionen ein. Bei Akkordeonmusik, deutschen Liedern und regionalen Spezialitäten klang der Abend in geselliger Atmosphäre aus.
Unterwegs auf der Csepel-Insel
Am dritten Tag erkundete die Delegation die Csepel-Insel in historischen UAZ-Geländewagen des örtlichen Oldtimerclubs. Die Fahrt führte über Feldwege, durch große Pfützen und vorbei an beeindruckender Natur bis an die Südspitze der Insel.
Ein erster Halt erfolgte an der Zichy-Kapelle in Lórév. Die kleine Kapelle liegt nur wenige Meter vom Donau-Damm entfernt auf einem Hügel und verwandelt sich bei Hochwasser zeitweise in eine kleine Insel. Anschließend ging es weiter zur Schleuse Tass, die den Wasserstand auf der Ráckeve-Donau reguliert. Von dort führte ein Spaziergang zu einem traditionellen Restaurant, in dem typische ungarische Spezialitäten wie die Fischsuppe Halászlé und ungarische Palatschinken serviert wurden.
Der an diesem Tag immer wieder einsetzende Regen tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Gastgeber hatten sogar Regenmäntel für alle Teilnehmenden organisiert, sodass das Programm ohne größere Einschränkungen fortgesetzt werden konnte.
Am Abend lud Feuerwehrmann István Nagy die gesamte Delegation zu sich nach Hause ein und bewirtete die Gäste mit großer Gastfreundschaft. Anschließend besuchte die Gruppe den Feuerwehrball im Kulturzentrum von Szigetújfalu. Dort begeisterte eine donauschwäbische Tanzgruppe mit traditionellen Tänzen, bevor bei Live-Musik gemeinsam gefeiert wurde.
Besuche direkt in Szigetújfalu
Zum Abschluss der Reise standen noch mehrere Besuche direkt in Szigetújfalu auf dem Programm. Die Teilnehmenden erhielten spannende Einblicke in die Geschichte der über 250 Jahre alten katholischen Kirche. Besonders beeindruckend war die kunstvoll gestaltete Kanzel, die der Gemeinde 1773 von Königin Maria Theresia geschenkt wurde und bis heute als bedeutendstes Schmuckstück der Kirche gilt.
Große Freude bereitete zudem der Besuch im deutsch-ungarischen Kindergarten der Gemeinde. Dort werden aktuell 77 Kinder in drei Gruppen betreut. Spielerisch lernen die Kinder bereits früh erste deutsche Wörter und Lieder kennen. Über die mitgebrachten kleinen Geschenke aus Waghäusel freuten sich die Kinder besonders.
Zum letzten gemeinsamen Abend lud die Feuerwehr von Szigetújfalu in ihr Feuerwehrhaus ein. Szigetújfalus Bürgermeister Zsolt Berczi, Oberbürgermeister Thomas Deuschle sowie Vertreter der Feuerwehren tauschten Gastgeschenke aus und blickten auf die gemeinsamen Tage zurück. Dabei betonten beide Seiten, wie wertvoll und bereichernd die Städtepartnerschaft sei. Gleichzeitig wurde der gemeinsame Wunsch deutlich, die freundschaftlichen Beziehungen auch künftig lebendig zu halten und den Austausch zwischen Waghäusel und Szigetújfalu wieder weiter zu intensivieren.
Die außergewöhnliche Gastfreundschaft, mit der die Waghäuseler Delegation während der gesamten Reise empfangen und begleitet wurde, machte dabei einmal mehr deutlich, wie eng und herzlich die Verbindung zwischen den beiden Gemeinden schon heute ist.














