Waghäusel nimmt Klimaschutz noch enger in den Blick

2. Klimaschutzwerkstatt befasste sich mit Chancen der Energiewende

 Den hohen Temperaturen um die 40 °C zum Trotz ließ es sich fast die Hälfte der Waghäuseler Gemeinderatsmitglieder nicht nehmen, in ihrer zweiten Klimaschutzwerkstatt die nächsten sinnvollen Schritte für eine funktionierende Energiewende zu erörtern.

Oberbürgermeister Thomas Deuschle hatte das Gremium für Dienstag, den 19. Juli 2022 zu der Veranstaltung ins Rathaus eingeladen; Unterstützung gab es von der Umwelt- und Energieagentur Landkreis Karlsruhe (UEA), die der Verwaltung bei der inhaltlichen Gestaltung beratend zur Seite stand.
Zum Einstieg der Werkstatt warf UEA-Projektleiter Armin Holdschick einen Blick auf den Energieplan, den die Stadt Waghäusel derzeit erarbeitet. Dabei wies er auch auf einige Maßnahmenvorschläge aus der ersten Klimaschutzwerkstatt vor knapp zwei Jahren hin, die im Energieplan aufgegriffen werden.
Anschließend stellte UEA-Geschäftsführerin Birgit Schwegle den aktuellen Stand der regionalen Wärmeausbaustrategie vor, den der Landkreis aktuell mit Hochdruck erarbeitet. Interessiert nahmen die Anwesenden zur Kenntnis, dass Waghäusel dabei nicht nur eine tragende Rolle als möglicher Standort für die Wärmeerzeugung aus Tiefengeothermie spielen dürfte, sondern auch ein Betreibermodell vorgesehen ist, mit dem die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger davon profitieren können.
Begünstigt werde das durch den Aufbau eines kommunalen Wärmenetzes, das dann an das regionale „Backbone“ angeschlossen werden könne: Damit hätten die angeschlossenen Haushalte, Unternehmen und kommunalen Gebäude Zugriff auf klimaneutral erzeugte Wärme zu einem langfristig stabilen Preis. Durch die Einbindung unterschiedlichster Wärmequellen im Landkreis, also neben Tiefengeothermie auch Solarwärme, Abwärme aus Industrie und Kläranlagen, Biomasse oder Seewärme, hätte Waghäusel ebenso wie alle anderen angeschlossenen Kommunen zusätzliche Versorgungssicherheit.
Holdschick und seine Kollegin Melanie Meyer zeigten dann noch, wie solch ein Nahwärmenetz in Waghäusel aussehen könnte und, für die Gemeinderatsmitglieder ebenso wichtig, wie Finanzierung und Betrieb des Netzes so gestaltet werden können, dass die Gemeindekasse möglichst wenig belastet wird, z.B. in Kooperation mit einer Bürgerenergiegenossenschaft.
In der anschließenden Arbeitsrunde beratschlagten die Teilnehmenden, welche möglichen Schlüsselakteure auf welchem Weg angesprochen und eingebunden werden könnten, um das Projekt „Klimaneutrale Wärme für Waghäusel“ voranzubringen und die Wertschöpfung so weit wie möglich in der Kommune zu behalten. Dabei trugen sie zahlreiche Akteure aus Wirtschaft und bürgerschaftlichem Engagement zusammen, die es anzusprechen gelte – über ein Kommunikationskonzept, Veranstaltungen, Infostände und vieles mehr.
Die große Fülle an konkreten Vorschlägen spiegelte ganz offensichtlich die Einsicht wider, dass der Umstieg auf Wärme aus Erneuerbaren Energien eine große Chance für Waghäusel sei, die man nicht verschenken dürfe. Das Feedback aus dem Gremium zum Ende der Werkstatt war dann auch deutlich: Es sei nicht die Frage, ob Waghäusel sich am regionalen Wärmeausbau beteiligen sollte, sondern nur noch, wie das am besten gelingen könne. Mit diesem abschließenden Eindruck verabschiedete Oberbürgermeister Thomas Deuschle die Anwesenden und bedankte sich für deren engagierte Mitarbeit.