50 Jahre Gemeindefusion 2025
2025 feiern wir 50 Jahre Zusammenschluss von Kirrlach, Waghäusel und Wiesental. Die Vereinbarung zur Neubildung der Gemeinde trat zum 1. Januar 1975 in Kraft.
Überblick

Am 20. Juni 1974 hatten alle drei Gemeinderäte in getrennten Sitzungen dem Vertrag zugestimmt, der am 24. Juni 1974 von den Bürgermeistern Ernst Oechsler, Viktor Glücker und Emil Groß unterschrieben und am 28. Juni 1974 vom Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt wurde.
Im Fusionsausschuss war nach einem neuen Gemeindenamen gesucht worden. Nicht berücksichtigt wurden Vorschläge wie „Rheintal“, „Bolanden“, „Wagbach“ und „Bruhrain“. Der zunächst beschlossene und im Vertrag vom Juni festgehaltene Name „Lusshardt“ wurde nach einer Bürgerbefragung durch Beschlüsse der drei Gemeinderäte im Oktober und November 1974 noch in „Waghäusel“ geändert.
Hier finden Sie die Fusionsvereinbarung vom 24. Juni 1974 mit Genehmigung durch das Regierungspräsidium (PDF-Dokument, 432,21 KB, 18.03.2025) sowie die Änderung der Fusionsvereinbarung bezüglich der Namensgebung vom Dezember 1974 (PDF-Dokument, 211,90 KB, 18.03.2025).
In der neuen Kommune lebten zum Start 16.999 Menschen, 8.340 davon im damals größter Ortsteil Kirrlach, 7.866 in Wiesental und 793 in Waghäusel.
Die Pro-Kopf-Verschuldung der drei Gemeinden zum 31.12.1974: Kirrlach 362,25 DM, Wiesental 458,32 DM und Waghäusel 710,00 DM.
Bis zur Wahl des neuen, gemeinsamen Gemeinderates bildeten die bisherigen jeweils 16 Kirrlacher und Wiesentaler und die 8 Waghäuseler Gemeinderatsmitglieder ein 40-köpfiges Gremium. In diesem hatten die CDU und die Freien Wähler jeweils 15 und die SPD 10 Sitze.
Für die künftigen Gemeinderatswahlen wurde durch die Fusionsvereinbarung die „unechte Teilortswahl“ eingeführt. Von den insgesamt 26 Gemeinderatssitzen sollten jeweils 12 an die Ortsteile Kirrlach und Wiesental gehen und 2 an den Ortsteil Waghäusel. Diese Regelung galt 47 Jahre, bis sie der Gemeinderat im Jahr 2022 abschaffte.
Zur ersten Gemeinderatswahl am 20. April 1975 traten insgesamt 9 Frauen und 100 Männer an. Von den 26 Mandaten gingen 13 an die CDU, 7 an die Freien Wähler und 6 an die SPD.
Gewählt wurden zwei Frauen, Rosa Ballreich und Maria Metzger (beide CDU). Vor der Fusion hatte es seit Einführung des Frauenwahlrechts 1919 überhaupt nur eine Gemeinderätin gegeben, dies war Anna Skarke (SPD) in Wiesental von 1949 bis 1951. Seit der Fusion gehörten dem Waghäuseler Gemeinderat bisher immer Frauen an.
Bereits zum 31. Dezember 1974 endete die Amtszeit der drei bisherigen Bürgermeister. Dies waren Ernst Oechsler (geboren 1912, gestorben 1997, Bürgermeister von Kirrlach von 1948 bis 1974), Emil Groß (geboren 1923, gestorben 2006, Bürgermeister von Wiesental von 1962 bis1974) und Viktor Glücker (geboren 1898, gestorben 1983, Bürgermeister von Waghäusel von 1958 bis 1974).
Die Wahl des neuen Bürgermeisters der Fusionsgemeinde durch die Wahlberechtigten war für Juni 1975 vorgesehen. Bis dahin sollte ein vom Gemeinderat gewählter „Amtsverweser“ die Bürgermeisteraufgaben übernehmen. Bei der ersten Gemeinderatssitzung am 2. Januar 1975 gab es drei Kandidaten: Emil Groß (Freie Wählervereinigung), Robert Straub (CDU) und Karl-Otto Gärtner (SPD). In zwei Wahlgängen erhielt keiner die Mehrheit der Stimmen. In der zweiten Sitzung am 13. Januar 1975 bekam Robert Straub im zweiten Wahlgang die erforderlichen 21 Stimmen und wurde Amtsverweser. Am 1. Juni 1975 wurde er mit 56,33 % der Wählerstimmen zum ersten Bürgermeister der Fusionsgemeinde gewählt und blieb es bis 1999. Für seine Verdienste wurde er im Jahr 2000 zum Ehrenbürger ernannt.
Im Fusionsjahr 1975 gegründet wurden u.a. die Musikschule Waghäusel (ab 1977 zusammen mit Hambrücken) sowie die Feuerwehrabteilung Waghäusel.
Die gemeinsame Gemeindeverwaltung blieb bis 1983 auf die drei Ortsteil-Rathäuser verteilt. In der Fusionsvereinbarung war als Hauptsitz der Verwaltung das Rathaus Kirrlach festgelegt worden, wobei ein gemeinsames Verwaltungsgebäude „im Ortsteil Waghäusel beim Bildungszentrum baldmöglichst errichtet“ werden sollte.
Der Weg zur Fusion



Der Fusionsvertrag mit dem Namen „Vereinbarung über die Neubildung der Gemeinde Lusshardt“ trat zum 1. Januar 1975 in Kraft.
Diesen hatten am 20. Juni 1974 die drei Gemeinderatsgremien in getrennten Sitzungen beschlossen und am 24. Juni die drei Bürgermeister Ernst Oechsler (Kirrlach), Viktor Glücker (Waghäusel) und Emil Groß (Wiesental) unterschrieben.
Damit gehört Waghäusel zu den Orten, die diese Entscheidung wenige Tage vor Ablauf der letzten Frist für einen freiwilligen Zusammenschluss trafen. Dies musste vor dem 30. Juni 1974 geschehen, danach, so hatte die Landesregierung klargemacht, würde zwangsweise zusammengelegt werden und die Gemeinde hätte keine Möglichkeiten mehr zur eigenständigen Ausgestaltung der Fusionsregelungen gehabt. Auch hätte es keine Fusionsprämie mehr gegeben. Im Falle Waghäusels waren das 800.000 DM, die nach der getroffenen Fusionsvereinbarung komplett in den Bau des Bildungszentrums im Ortsteil Waghäusel geflossen sind. Es sollte ursprünglich mehrere Schularten bis hin zum Gymnasium umfassen, verwirklicht werden konnte dann nur die 1977 eingeweihte Johann-Peter-Hebel-Realschule. 50 Jahre später wird der Standort nun durch den Neubau der Gemeinschaftsschule erweitert.
Der 1. Januar 1975 bildete damals für ganz Baden-Württemberg das Ende der Gemeindereform bis auf einige wenige Einzelfälle. Diese Reform reduzierte die Zahl der selbstständigen Gemeinden um zwei Drittel von 3.379 im Jahr 1968 auf 1.111 im Jahr 1975.
In der gesamten Bundesrepublik hat es in den 1960er Jahren Bestrebungen gegeben, die Verwaltung zu reformieren, um sie für die Aufgaben der Zukunft nach den grundlegenden Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft in der Nachkriegszeit fit zu machen und den gestiegenen Ansprüchen der Menschen gerecht zu werden.
Zu den Zielen der Landesregierung für die Verwaltungs- und Gemeindereform in Baden-Württemberg gehörten die Steigerung der Verwaltungs- und Leistungskraft der Kommunen, deren bessere Ausstattung mit Fachpersonal, Verlagerung von Kompetenzen nach unten, die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Land und die Überwindung des Stadt-Land-Gefälles.
In der Region Waghäusel wurde 4 Jahre lang gerungen, wie und in welcher Zusammensetzung dies am besten umzusetzen sei.
Anfang 1970 sahen die allerersten Pläne die Schaffung eines neuen Verwaltungsraums rund um Philippsburg mit Huttenheim, Rheinsheim, Oberhausen, Rheinhausen, Kirrlach, Waghäusel und Wiesental mit damals fast 35.000 Einwohnern vor. Dagegen wehrten sich die drei letztgenannten heftig. Das Modell wurde schnell verworfen wegen der Größe und da ein Hauptort und Mittelpunkt fehlte.
Ab September 1970 wurde in allen Planungen eine Verwaltungseinheit von Kirrlach, Waghäusel und Wiesental vorgeschlagen. Die drei Orte kooperierten da bereits vierfach, nämlich im 1958 gegründeten Zweckverband Wasserversorgung Lußhardt, im 1965 gegründeten Abwasserverband Wagbach (beides mit Hambrücken), im 1967 gegründeten Zweckverband Rheintal-Schwimmbad (Eröffnung 1971) sowie im 1971 gegründeten Zweckverband Großes Bildungszentrum (Einweihung der Realschule 1977).
Verhandlungen um eine Erweiterung der Fusionsgemeinde um Oberhausen und Rheinhausen oder Hambrücken gab es, sie kamen aber nicht weiter.
Am 20. Januar 1974 fand die Bürgeranhörung zum Abschluss der Gemeindereform in 32 der damals 55 noch selbstständigen Kommunen des Landkreises Karlsruhe statt. Die Beteiligung war im Schnitt gering, am geringsten mit 8,35 % in Philippsburg, am höchsten in Zaisenhausen mit 92,44 %.
Ergebnisse der drei Orte:
Kirrlach: Abstimmungs-Berechtigte: 5.580, abgegebene Stimmen: 1.744 = 31,25 %, ungültige: 31, Ja: 896 = 52,3 %, Nein: 817 = 47,7 %.
Wiesental: Abstimmungs-Berechtigte: 5.239, abgegebene Stimmen: 2.948 = 56,27 %, ungültige: 23, Ja: 317 = 10,84 %, Nein: 2.608 = 89,16 %.
Waghäusel: Abstimmungs-Berechtigte: 511, abgegebene Stimmen: 208 = 40,70 %, ungültige: 2, Ja: 120 = 58,25 %, Nein: 86 = 41,75 %.
Zwei Tage später, am 22. Januar 1974, wurde in den drei Gemeinderäten (Waghäusel 8 Gemeinderäte plus Bürgermeister = 9, Kirrlach und Wiesental jeweils 16 Gemeinderäte plus Bürgermeister = 17) über den Zusammenschluss abgestimmt:
Kirrlach: 9 Stimmen dafür, 8 Stimmen dagegen.
Waghäusel: einstimmiger Beschluss: Vereinigung mit Kirrlach und Wiesental zu einer neuen Gemeinde Ja, Eingliederung in eine der Gemeinden Nein.
Wiesental: 7 Stimmen dafür, 10 Stimmen dagegen.
Ende Mai 1974 fielen dann im Landtag von Baden-Württemberg die Entscheidungen, dass zum Abschluss der Gemeindereform eine Vereinigung von Kirrlach, Waghäusel und Wiesental zum 1. Januar 1975 auf alle Fälle erfolgen sollte, notfalls zwangsweise. Der Kirrlacher und der Waghäuseler Gemeinderat, die am 22. Januar 1974 mehrheitlich für eine freiwillige Fusion gestimmt hatten, boten Wiesental, das diese ablehnte, nun nochmals Gespräche an.
Am Montag, den 10. Juni 1974, stimmte der Wiesentaler Gemeinderat schließlich nach harter Diskussion mit 9 Stimmen dafür und 8 Stimmen dagegen dem Zusammenschluss zu.
Der Fusionsvertrag wurde in nur 10 Tagen zwischen dem 10. und dem 20. Juni 1974 ausgearbeitet, da der freiwillige Zusammenschluss vor dem 30. Juni 1974 erfolgen musste.
Am Dienstag, 11. Juni, trafen sich die drei Bürgermeister, um einen Entwurf für die Fusionsvereinbarung zu besprechen.
Am Mittwoch, 12. Juni, kam im Bürgersaal des Rathauses Kirrlach die Verhandlungskommission zur Abfassung des Vereinbarungsentwurfs zusammen, der am 18. Juni dem Regierungspräsidium zur Prüfung vorgelegt werden sollte. Die 12 Mitglieder dieser Kommission hatten die Gemeinderäte bestimmt, sie entsandten aus ihren Reihen für Kirrlach Robert Straub, Egon Baader, Willi Heger und Julius Müller, für Waghäusel Bürgermeister Viktor Glücker, Hans-Joachim Hubert und Otto Leier sowie für Wiesental Bürgermeister Emil Groß, Paul Häußler, Karl Steinhilper, Theobald Käpplein und Werner Vogel.
Am Donnerstag, 20. Juni, wurden in getrennten öffentlichen Gemeinderatssitzungen in Kirrlach, Waghäusel und Wiesental die vereinbarten Bestimmungen des Fusionsvertrags einschließlich der Namenswahl beraten und beschlossen. In Kirrlach und Waghäusel war die Zustimmung einstimmig, in Wiesental gab es 12 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 4 Enthaltungen.
Auf die in den ursprünglichen Planungen vorgesehene feierliche Unterzeichnung in einer gemeinsamen Sitzung der drei Gemeinderatsgremien am 26. Juni um 9 Uhr in der Rheintalhalle in Kirrlach wurde verzichtet.
Am Montag, 24. Juni, setzten die drei Bürgermeister ihre Unterschrift unter die Vereinbarung, die dann am Freitag, 28. Juni 1974, vom Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt wurde.
Der Weg zum gemeinsamen Namen

Der Fusionsvertrag mit dem Namen „Vereinbarung über die Neubildung der Gemeinde Lusshardt“ trat zum 1. Januar 1975 in Kraft.
Und doch wohnt heute niemand im Ortsteil Lusshardt-Kirrlach oder Lusshardt-Wiesental. Wie verlief die Suche nach einem Namen für die Fusionsgemeinde und warum genehmigte das Regierungspräsidium am 10. Dezember 1974 – und damit nur drei Wochen vor der Fusion – die Namensänderung in Waghäusel?
Der Fusionsvertrag wurde in nur 10 Tagen zwischen dem 10. und dem 20. Juni 1974 ausgearbeitet, dabei fiel am 12. Juni die Entscheidung über den neuen gemeinsamen Namen, als im Bürgersaal des Rathauses Kirrlach die Verhandlungskommission zur Abfassung des Vereinbarungsentwurfs zusammenkam. Die 12 Mitglieder dieser Kommission hatten die Gemeinderäte bestimmt, sie entsandten aus ihren Reihen für Kirrlach Robert Straub, Egon Baader, Willi Heger und Julius Müller, für Waghäusel Bürgermeister Viktor Glücker, Hans-Joachim Hubert und Otto Leier sowie für Wiesental Bürgermeister Emil Groß, Paul Häußler, Karl Steinhilper, Theobald Käpplein und Werner Vogel.
Zu den Aufgaben der Verhandlungskommission gehörte auch die Namensfindung für die neue Gemeinde bzw. einen einheitlichen Vorschlag dazu zu machen. Man einigte sich, dass es besser sei, einen neuen Namen zu finden, als einen der drei bisherigen Gemeindenamen zu verwenden. Aus den Vorschlägen kamen in die engere Wahl: Bolanden, Bruhrain, Lusshardt, Rheintal, Wagbach und auch Waghäusel. Einstimmig entschied sich die Kommission für „Lusshardt“, ausdrücklich in der Schreibweise mit „dt“ und „Doppel-s“ statt „ß“ - und zwar aus Rücksicht auf das Ausland und die EDV-Technik, wie es hieß. Vielfach wurde in der Folgezeit trotzdem auch die Schreibweise mit „ß“ benutzt.
Als Gründe für die Namensentscheidung wurden angeführt, dass der Lußhardtwald das gesamte Gebiet aller drei Gemeinden bedeckt hatte, die Siedlungen Kirrlach und Wiesental aus Rodungen dieses Waldes hervorgegangen waren sowie zwei der bestehenden gemeinsamen Zweckverbände (Wasserversorgung und Großes Bildungszentrum) den Namen bereits verwendeten.
Am 20. Juni wurden die vereinbarten Bestimmungen des Fusionsvertrags einschließlich der Namenswahl in getrennten öffentlichen Gemeinderatssitzungen in Kirrlach, Waghäusel und Wiesental beraten und beschlossen. Am 24. Juni unterschrieben die drei Bürgermeister und am 28. Juni erfolgte die Genehmigung der „Vereinbarung über die Neubildung der Gemeinde Lusshardt“ durch das Regierungspräsidium Karlsruhe.
Doch direkt nach Bekanntwerden setzte Kritik am gewählten Namen ein. "Akzeptieren auch viele der vormaligen Fusionsgegner den Vollzug der „freiwilligen Muß-Ehe“, so hört man um so mehr und zwar in allen drei Gemeinden Mißfallen über den Namen“, so der Kommentar in den Wiesentaler Gemeindenachrichten vom 27. Juni. Im Kirrlacher Mitteilungsblatt war am 6. Juli zu lesen, dass Lusshardt „Sumpfwald“ oder „Wald im Sumpf“ bedeute, dass der Name Waghäusel einen deutlich besseren Klang und Originalität habe und es wurde gefragt, warum man nicht die Bürgerschaft um Namensvorschlägen gebeten habe. Immer wieder wurde in der Diskussion auf den Bekanntheitsgrad des Namens Waghäusel als Marienwallfahrtsort, Zuckerfabrikstandort und Bahnknotenpunkt verwiesen.
Die Waghäuseler mit ihrem Bürgermeister Viktor Glücker griffen die Stimmung auf und beantragten bei der nächsten Sitzung des Fusionsausschusses am 26. September die Namensänderung. Der Waghäuseler Gemeinderat Otto Leier erklärte: „Vielmehr gebe es in allen drei Gemeinden zahlreiche Bürger, welche zu dem Namen „Waghäusel“ tendieren, da dieser Name weitaus bekannter sei und auch die größere geschichtliche Bedeutung hätte. Noch könnte man den Namen für die neue Gemeinde ändern, doch müßte dies so schnell wie möglich geschehen.“
Man verwies die Frage an die Gemeinderatsgremien. Der Waghäuseler Rat stimmte am 30. Oktober und der Wiesentaler am 4. November jeweils einstimmig für den Namen Waghäusel.
Dagegen beschloss der Kirrlacher Gemeinderat am 23. Oktober eine Bevölkerungsbefragung, um „der Mehrheit der Einwohnerschaft Gelegenheit zu geben, den Namen der künftigen Großgemeinde zu bestimmen“ mit der Begründung: „Die seit dem Beschluß des Namens „Lußhardt“ aufgetretene Polemik müßte diese Maßnahme wert sein und das aus der Befragung hervorgehende Ergebnis von jedermann akzeptiert werden.“ Die Kirrlacher wollten, dass Text und Einzelheiten der Befragung in der nächsten Sitzung des Fusionsausschusses gemeinsam festgelegt werden sollten. Diese war am 7. November. Wiesental und Waghäusel schlossen sich dem Kirrlacher Vorschlag an und der Fusionsausschuss entwarf einen Fragebogen in Flugblattform zur Entscheidung zwischen den beiden Namensvorschlägen Lusshardt und Waghäusel. Dieser wurde ab dem 8. November verteilt und konnte bis Mittwoch, 13. November, 20 Uhr in den drei Rathäusern in eine Wahlurne eingeworfen werden.
Das Ergebnis der Bürgerbefragung war eindeutig: 90,8 Prozent der Stimmen waren für den Namen Waghäusel.
Insgesamt wurden 3.356 Stimmen abgegeben, davon 3.048 für Waghäusel, 254 für Lusshardt und 54 für sonstige Vorschläge.
In Kirrlach waren von 1.762 abgegebenen Stimmen 1.575 für Waghäusel, 147 für Lusshardt und 40 sonstige.
In Wiesental waren von 1.131 abgegebenen Stimmen 1.013 für Waghäusel, 106 für Lusshardt und 12 sonstige.
Die höchste Beteiligung gab es im Ortsteil Waghäusel: Von den insgesamt knapp unter 800 Einwohnerinnen und Einwohnern gaben 463 ihre Stimmen ab, davon waren 460 für Waghäusel, 1 für Lusshardt und 2 sonstige.
Am 18. November folgte die Abstimmung im Kirrlacher Rat: Für die Änderung des Namens der Fusionsgemeinde von Lusshardt in Waghäusel stimmten 11 Gemeinderäte, drei enthielten sich.
Nun wurden die drei Gemeinderatsbeschlüsse an das Regierungspräsidium Karlsruhe geschickt, das die Namensänderung am 10. Dezember 1974 genehmigte. Erst am 3. Januar 1975 - und damit drei Tage nach der Fusion - erfolgte die öffentliche Bekanntmachung des Innenministeriums über die Änderung des Gemeindenamens.
Die Amtsverweserwahl




Zum 31. Dezember 1974 war die Amtszeit der drei Bürgermeister Ernst Oechsler (Kirrlach ab 1948), Viktor Glücker (Waghäusel ab 1958), und Emil Groß (Wiesental ab 1962) zu Ende gegangen. Der damals 51-jährige Emil Groß wollte im Gegensatz zum 62-jährigen Ernst Oechsler und dem 76-jährigen Viktor Glücker nicht in den Ruhestand gehen, sondern wieder als Ortsoberhaupt kandidieren.
Ab Januar 1975 sollte ein sogenannter „Amtsverweser“ die Leitung der Gemeindeverwaltung bis zur späteren Wahl des ersten Fusionsbürgermeisters durch die Wahlberechtigten übernehmen. Gewählt wurde der Amtsverweser durch den Gemeinderat, notwendig war das Erreichen der absoluten Mehrheit von 21 Stimmen. Von Januar bis Mai 1975 bildeten die bisherigen 16 Kirrlacher, 16 Wiesentaler und 8 Waghäuseler Gemeinderatsmitglieder (alle Männer) zusammen ein 40-köpfiges Gremium. In diesem hatte die CDU 15 Sitze (8 Kirrlacher, 7 Wiesentaler), die Freien Wähler 15 Sitze (2 Kirrlacher, 5 Wiesentaler, 8 Waghäuseler) und die SPD 10 Sitze (6 Kirrlacher, 4 Wiesentaler).
Die Amtsverweserwahl war Tagesordnungspunkt 1 der ersten gemeinsamen Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 2. Januar 1975, ab 18 Uhr in der Rheintalhalle in Kirrlach. Die Sitzungsleitung hatte Paul Häußler (CDU), bisher Bürgermeister-Stellvertreter und Gemeinderat in Wiesental. Er konnte über 500 Interessierte auf den Tribünen begrüßen. Laut „Wahl-Nachlese“ der Bruchsaler Rundschau vom 8. Januar 1975 seien „auffallend viele Jugendliche“ und „enttäuschend wenig Frauen“ gekommen.
An der Wahl nahmen 37 der 40 Gemeinderäte teil. Es fehlten Theodor Theurer aus Wiesental (CDU) wegen Krankheit und Günther Nagel aus Waghäusel (Freie Wählervereinigung) wegen einer Reise. Als dritter nicht wählen durfte Robert Straub (CDU), bis dahin Bürgermeister-Stellvertreter und Gemeinderat in Kirrlach, denn er bewarb sich um das Amt.
Die drei Kandidaten hatten jeweils 5 Minuten Redezeit, um sich vorzustellen. Die Reihenfolge wurde ausgelost: Als erster sprach Emil Groß (Freie Wählervereinigung), ausgebildeter Finanzbeamter und bisheriger Wiesentaler Bürgermeister, dann Robert Straub (CDU), Studiendirektor am Gymnasium Philippsburg und Kirrlacher Kommunalpolitiker, und zuletzt Karl-Otto Gärtner (SPD), Fachbeamter für Finanzwesen in Ziegelhausen bei Heidelberg.
Mit der Auszählung der Stimmen wurden die Gemeinderäte Hugo Stork (CDU), Theo Käpplein (Freie Wählervereinigung) und Manfred Schuhmacher (SPD) beauftragt. Als erster zur Stimmabgabe musste Hans Haag (CDU) aus Kirrlach, der erst seit wenigen Tagen Gemeinderat war, nämlich seit dem 23. Dezember 1974 als Nachrücker für Theo Heiler.
Das Ergebnis des Wahlgangs war: Robert Straub 16 Stimmen, Karl-Otto Gärtner 11 Stimmen, Emil Groß 10 Stimmen.
Da keiner die erforderlichen 21 Stimmen erhalten hatte, war nun eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen vorgeschrieben, für deren Gewinn ebenfalls 21 Stimmen notwendig waren.
Im zweiten Wahlgang erhielten die Bewerber Straub und Gärtner je 18 Stimmen, eine Stimme war ungültig.
Da wieder keine Entscheidung gefallen war, erfolgte eine offene Abstimmung über eine erneute Wahl an diesem Abend oder eine Vertagung. Alle 37 Gemeinderäte stimmten für eine Vertagung.
Am Montag, den 13. Januar 1975, begann um 19 Uhr die zweite öffentliche Gemeinderatssitzung wiederum in der Rheintalhalle Kirrlach, die diesmal mit über 1.200 Zuschauern voll besetzt war. Wieder war Tagesordnungspunkt 1 die Amtsverweserwahl.
Die Bruchsaler Rundschau schrieb am 15. Januar 1975: „Das Ringen um einen Amtsverweser war voll Spannung und brachte gleich mehrere Überraschungen“. Eine davon war, dass Emil Groß nochmals antrat. Alle drei Bewerber stellten sich wieder zur Wahl, weitere Kandidaten hatten sich nicht gemeldet.
Diesmal wählten alle 39 stimmberechtigten Gemeinderäte. Die Auszählungen übernahmen wieder Hugo Stork, Theo Käpplein und Manfred Schuhmacher.
Bei der Abstimmung erhielt Robert Straub 16 Stimmen, Emil Groß 12 Stimmen und Karl-Otto Gärtner 11 Stimmen.
Da wieder keiner die absolute Mehrheit erreicht hatte, wurde erneut eine Stichwahl notwendig.
Das Ergebnis des folgenden zweiten Wahlgangs lautete: Robert Straub 21 Stimmen, Emil Groß 14 Stimmen sowie 4 leere Stimmzettel.
Sowohl dass Groß mehr Stimmen als Gärtner erhielt wie dass Straub im 2. Wahlgang die notwendigen 21 Stimmen erzielen konnte, werteten Beobachter als Überraschung.
Robert Straub wurde als Amtsverweser verpflichtet und erhielt die Ernennungsurkunde. Als Tagesordnungspunkt 4 erfolgte die Festlegung des Termins für die Bürgermeisterwahl auf den 1. Juni 1975.
40 Gemeinderäte von Januar bis Mai 1975



Von Januar bis Mai 1975 bildeten die bisherigen Gemeinderatsmitglieder aus Kirrlach (16, davon CDU 8, SPD 6, Freie Wähler 2), Wiesental (16, davon CDU 7, SPD 4, Freie Wähler 5), und Waghäusel (8 Freie Wähler) zusammen ein 40-köpfiges Gremium.
In diesem hatte die CDU 15 Sitze (8 Kirrlacher, 7 Wiesentaler), die Freien Wähler 15 Sitze (2 Kirrlacher, 5 Wiesentaler, 8 Waghäuseler) und die SPD 10 Sitze (6 Kirrlacher, 4 Wiesentaler).
Die Bruchsaler Rundschau kommentierte am 31. Januar 1975: „Es läuft noch nicht rund im Gremium. Vieles wirkt hölzern. Abtasten ist Trumpf!“. Weiter hieß es, die Gemeinderäte - nun aufgeteilt in „drei große Machtblöcke CDU, Freie Wählervereinigung und SPD“ - saßen „getrennt an herbeigebrachten Schulbänken, peinlichst bedacht… in fairer Weise ja dem Nachbarn nicht weh zu tun. Das war richtig rührend. Vielen Ratsherren sah man an, daß sie durchaus nicht glücklich dabei waren.“
Gewählt worden waren diese 40 eigentlich für eine Amtszeit von jeweils 6 Jahren nach einem rollierenden System, nach dem alle drei Jahre die Hälfte des Gemeinderats neu besetzt wurde. Jeweils 20 von ihnen hatten bei den Wahlen am 20. Oktober 1968 sowie am 24. Oktober 1971 kandidiert.
Als letztes neues Mitglied in eines der drei Gemeinderatsgremien kam kurz vor der Fusion noch Hans Haag (CDU), der in Kirrlach am 23. Dezember 1974 für Theo Heiler nachrückte.
Die Freien Wähler traten nach 1975 gemeinsam auf. Ihre Gemeinderäte kamen allerdings aus unterschiedlichen Wählervereinigungen, da es in Kirrlach, Waghäusel und Wiesental mehrere, getrennt antretende Gruppierungen gegeben hatte.
In Kirrlach kandidierte 1968 neben CDU und SPD die „Wählergemeinschaft der Heimatvertriebenen“, für die Wenzel Kern einen Sitz erringen konnte. 1971 trat dann zusätzlich wieder die „Freie Wählervereinigung“ an, ohne in den Gemeinderat einzuziehen. Raimund Martus, der 15 Jahre der Kirrlacher SPD-Gemeinderatsfraktion angehört hatte, trat im Januar 1972 aus der SPD aus und schloss sich später den Freien Wählern an.
Im Wiesentaler Gemeinderat vertraten zuletzt Rupert Baumann und Werner Vogel die Wählervereinigung „Wiesentaler Vereine“ sowie Hubert Gehweiler, Emil Sälzler und Theobald Käpplein die „Unabhängige Bürgergemeinschaft“, die 1968 aus dem Zusammenschluss der Liste der „Jung- und Altbürger“ (zu denen auch Bürgermeister Emil Groß gehört hatte) sowie des „Blocks der Heimatvertriebenen“ hervorgegangen war. Am 2. Dezember 1974 schlossen sich die „Unabhängige Bürgergemeinschaft“ und die „Wiesentaler Vereine“ zur „Freien Wählervereinigung“ zusammen.
In Waghäusel kandidierten bis zur Fusion keine Parteien für den Gemeinderat. Bei der Wahl am 20. Oktober 1968 hatte es nur eine Liste mit 21 Namen gegeben, darunter 2 Frauen. Gewählt wurden: Hans-Joachim Hubert, Otto Leier, Friedrich Reinelt und Johann Schwarzinger. Bei der letzten Wahl am 24. Oktober 1971 traten dann zwei getrennte Gruppierungen an: die „Wählervereinigung Jungbürger“ (3 Sitze: Günter Nagel, Egon Rotter und Klaus Schuppler) und die „Freie Wählervereinigung“ (1 Sitz: Harald Geiß).
Der Gesamtgemeinderat Waghäusel zum 1. Januar 1975 bestand aus:
CDU (15): Hans Haag, Willi Heger, Edmund Heiler, Emil Kremer, Robert Kremer, Emil Müller, Norbert Schuhmacher, Robert Straub (8 Kirrlacher) sowie Fridolin Gentner, Paul Häußler, Johann Schnabel, Hugo Stork, Theodor Theurer, Vinzenz Trunk und Hans Weisbarth (7 Wiesentaler).
SPD (10): Egon Baader, Ludwig Haag, Julius Müller, Konrad Schuhmacher, Manfred Schuhmacher, Simon Wirth (6 Kirrlacher) sowie Anton Herberger, Siegfried Sauer, Karl Steinhilper und Erich Stöckel (4 Wiesentaler).
Freie Wähler (15): Raimund Martus, Wenzel Kern (2 Kirrlacher) sowie Harald Geiß, Hans-Joachim Hubert, Otto Leier, Günter Nagel, Johann Schwarzinger, Friedrich Reinelt, Egon Rotter, Klaus Schuppler (8 Waghäuseler) sowie Rupert Baumann, Hubert Gehweiler, Theobald Käpplein, Emil Sälzler und Werner Vogel (5 Wiesentaler).
Von Januar bis Mai 1975 gab es im Übergangsgemeinderat nur zwei Veränderungen, beides betraf Kirrlacher Mandatsträger: Am 13. Januar 1975 schied Robert Straub (CDU) wegen seiner Wahl zum Amtsverweser als Gemeinderat aus. Für ihn rückte am 27. Januar 1975 Josef Haag nach. Der erste Ersatzkandidat Josef Kremer durfte nicht nachrücken, weil bereits sein Sohn Gemeinderat war. Am 20. Februar 1975 legte Manfred Schuhmacher (SPD) sein Amt nieder. Für ihn rückte am 24. März 1975 Albert Sand (SPD) nach, nachdem der eigentliche Ersatzmann Herbert Lehn abgelehnt hatte.
Die Voraussetzungen der ersten Gemeinderatswahl

In § 4 Absatz 1 der Fusionsvereinbarung vom 24. Juni 1974 heißt es: „Die Gemeinderäte … werden bei den allgemeinen Gemeinderatswahlen vom 20.04.1975 gewählt.“ An diesem Tag wurde in 31 Kommunen des Landkreises Karlsruhe gewählt, einzige Ausnahme war Pfinztal.
Mit dieser Wahl endete das sogenannte „rollierende System“, nach dem alle drei Jahre die Hälfte der Gemeinderäte neu für eine Amtszeit von 6 Jahren gewählt worden war.
Der § 5 Absatz 1 der Fusionsvereinbarung legte fest: „Für die erste Gemeinderatswahl und die folgenden regelmäßigen Gemeinderatswahlen … wird nach § 27 Abs. 2 GO durch die Hauptsatzung … die unechte Teilortswahl … eingeführt.“
Von den insgesamt 26 Gemeinderatssitzen sollten jeweils 12 an die Ortsteile Kirrlach und Wiesental gehen und 2 an den Ortsteil Waghäusel. Diese Regelung galt 47 Jahre, bis sie der Gemeinderat im Jahr 2022 abschaffte.
Die „Unechte Teilortswahl“ wurde in Baden-Württemberg eingeführt, um die Interessenvertretung einzelner Ortsteile zu garantieren, in dem diese eine feste, nach ihrer Einwohnerzahl bemessene Anzahl von Gemeinderatssitzen bekommen. Die Wahllisten bei Gemeinderatswahlen werden nach Ortsteilen getrennt aufgestellt. Die Wahl wird als „unecht“ bezeichnet, weil die Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen an Bewerberinnen und Bewerber aller Ortsteile vergeben können. Das Gegenteil wäre eine „echte Teilortswahl“, bei der nur Kandidierende eines Ortsteils gewählt werden können. Bei der Wahl muss darauf geachtet werden, in den einzelnen Ortsteilen nicht für mehr Kandidaten abzustimmen, als in diesem Ortsteil Sitze zu vergeben sind sowie die mögliche Gesamtstimmenzahl nicht zu überschreiten.
Als Instrument der Berücksichtigung der Ortsteile war die „Unechte Teilortswahl“ zunächst sehr verbreitet. Bei den Kommunalwahlen 1975 gab es sie in 64,6 Prozent der baden-württembergischen Gemeinden. Da das Verfahren kompliziert und aufwendig ist, entschieden sich im Lauf der Jahre viele Gemeinden für die Abschaffung. 2019 wurde nur noch in 34,9 Prozent der Gemeinden nach der „Unechten Teilortswahl“ gewählt.
Die Tücken dieses Verfahrens zeigten sich von der ersten Wahl an, obwohl im Vorfeld Verwaltung wie Parteien informiert und aufgeklärt hatten.
Die Bruchsaler Rundschau schrieb am 22. April 1975: „Schon in Wahlnacht erwies sich in den meisten Gemeinden, daß die guten Vorsätze der Wahlausschüsse nicht zu realisieren waren. Die Tücken der Auswertung der unechten Teilortswahlen mit Kumulieren und Panaschieren wurden vielfach unterschätzt. Von den ursprünglich 20 Gemeinden, die noch am Sonntag das Ergebnis ermitteln wollten, kamen nur zehn ans Ziel. Um 3.30 Uhr brachen die Mitarbeiter des Wahlsachbearbeiters im Karlsruher Landratsamt dann die Zelte ab, nachdem den Wahlausschüssen die „Luft“ ausgegangen war und das Weiterzählen auf Montagnachmittag bzw. –abend verschoben werden mußte.“ Bei den 10 Gemeinden, die sonntags ein Wahlergebnis ermitteln konnten, „handelt es sich um die kleineren im Landkreis bzw. um solche ohne unechte Teilortswahl.“ Das vorläufige Endergebnis der Gemeinderatswahlen im Landkreis wurde nicht vor Mittwoch erwartet. Die reinen Ortschaftswahlen waren dabei noch nicht berücksichtigt.
Für die Wahl des ersten gemeinsamen Waghäuseler Gemeinderates waren die Wahlvorschläge frühestens ab 3. März 1975, 7 Uhr, und bis spätestens 20. März 1975, 18 Uhr, beim Amtsverweser im Rathaus Kirrlach einzureichen.
Für diese Wahl wählbar war, wer das 21. Lebensjahr vollendet hatte. In der Bundesrepublik Deutschland war das Volljährigkeitsalter zum 1. Januar 1975 von 18 auf 21 Jahre gesenkt worden und damit wurden zum Stichtag die Jahrgänge 1954, 1955 und 1956 gemeinsam volljährig geworden. Doch der baden-württembergische Landtag hatte diese Änderung zu den Kommunalwahlen am 20. April 1975 noch nicht in Kraft treten lassen. Aus diesem Grund musste der damalige Kirrlacher SPD-Ortsvereinsvorsitzende Klaus Müller auf eine Kandidatur verzichten.
Von den insgesamt 9 Frauen und 100 Männern auf drei Listen, die 1975 kandidierten, war dann der 22-jährige Student Peter Wagner, der für die CDU in Kirrlach antrat, der jüngste. Im ersten Gemeinderat war Diplom-Volkswirt Heinrich Wagenhan von der SPD in Wiesental der jüngste der Gewählten. Er war ebenso 31 Jahre alt wie Robert Hirschinger von der CDU in Wiesental, allerdings war Heinrich Wagenhan 4 Monate jünger.
Die Liste aller, die 1975 kandidiert haben, finden Sie hier: Bekanntmachung der für die Wahl der Gemeinderäte am 20. April 1975 zugelassenen Wahlvorschläge (PDF-Dokument, 291,60 KB, 17.04.2025)
Der erste Gemeinderatswahlkampf



Die Wahl des ersten gemeinsamen Gemeinderats sollte am 20. April 1975 stattfinden. CDU, SPD und Freie Wählervereinigung (FWV) traten an.
Zum Wahlkampfendspurt füllten die Slogans der Parteien das Mitteilungsblatt wie: „Die neue Gemeinde – eine Chance für den Bürger - deshalb CDU“, „Gemeindepolitik realitäts- und sachbezogen - deshalb CDU“, „10 % Partei – 90 % frei – deshalb FWV“, „Statt Parteidenken – Bürgerwille – deshalb FWV“, „Fortschritt durch Taten – Sozialdemokraten – SPD“ und „Die besseren Ideen. Die besseren Kandidaten. SPD“.
Bei CDU wie SPD zogen die jeweiligen Ortsvereine Kirrlach und Wiesental erstmals gemeinsam in den Wahlkampf. Ortsvereinsvorsitzende waren für die SPD in Kirrlach Klaus Müller und in Wiesental Karl Steinhilper sowie für die CDU in Wiesental Paul Häußler und in Kirrlach bis Ende März 1975 noch Robert Straub und dann Norbert Schuhmacher. CDU und Junge Union bildeten für die Wahl eine gemeinsame Liste. Sowohl CDU wie SPD stellten jeweils insgesamt 39 Gemeinderatskandidaten auf, davon je 18 (höchstzulässige Zahl) für Kirrlach und Wiesental sowie 3 für Waghäusel.
Für die FWV war die Neuaufstellung nach der Fusion schwieriger, da die Konstellation in den drei Ortsteilen sehr unterschiedlich war: In Waghäusel waren vor 1975 alle Gemeinderäte parteiungebunden gewesen. Es hatten bis zur Fusion nur freie Wählerlisten und keine Parteien für den Gemeinderat kandidiert. In Wiesental hatten sich kurz vor der Fusion, am 2. Dezember 1974, die „Unabhängige Bürgergemeinschaft“ und die „Wiesentaler Vereine“ zur „Freien Wählervereinigung“ zusammengeschlossen. In Kirrlach hatte zuletzt die „Wählergemeinschaft der Heimatvertriebenen“ noch einen 1968 direkt gewählten Sitz, die „Freie Wählervereinigung“ dagegen keinen mehr. Allerdings schloss sich der für die SPD in den Gemeinderat gewählte Raimund Martus nach seinem Parteiaustritt im Januar 1972 später den Freien Wählern an. 1975 trat die FWV dann mit insgesamt 31 Gemeinderatskandidaten an, 18 für Wiesental, 3 für Waghäusel, aber nur 10 für Kirrlach, da dort unter Führung von Raimund Martus erst ein Neuaufbau erfolgen musste.
Alle Parteien und Gruppierungen sprachen sich im Wahlkampf für das geplante Große Bildungszentrum mit allen Schularten aus, dessen Bau von der Landesregierung in Frage gestellt wurde, ebenso für den Ausbau der Infrastruktur und der ärztlichen Versorgung. Die SPD setzte einen Schwerpunkt auf Verbesserungen in der Jugendarbeit und der Spielplatzsituation.
In Wiesental, das sich am längsten gegen das Ende der Selbstständigkeit gewehrt hatte, wurde die Gemeindefusion heftiger und kontroverser thematisiert als in den anderen Ortsteilen. CDU und FWV griffen sich hier gegenseitig scharf an. Die FWV warf der CDU vor, die Fusion gegen die Mehrheit der Wiesentaler durchgesetzt zu haben und dass „der Bürgerwille einzig und allein wegen parteipolitischer Ziele mißachtet und verhöhnt wurde“ (dieses und alle folgenden Zitat stammen aus dem Mitteilungsblatt vom 18. April 1975).
Die FWV konnte als einzige mit einem ehemaligen Bürgermeister Wahlkampf machen: „Versammlungsleiter und Amtsverweser-Stellvertreter Rupert Baumann steckte dabei das Grundsatzprogramm der Freien Wählervereinigungen ab, während Bürgermeister i.R. Emil Groß über die aktuellsten Themen referierte.“ Weiter heißt es: „Daß alle drei ehemaligen Bürgermeister aus den Reihen der Freien Wählervereinigung hervorgegangen sind, erfülle die FWV mit besonderem Stolz und widerlege recht deutlich die unsinnige These der CDU, daß nur ein Bürgermeister mit dem entsprechenden Parteibuch in der Tasche sich an höherer Stelle durchzusetzen vermag.“
Die CDU erhob dagegen den Vorwurf, dass man durch die lange Ablehnung und Verzögerung der Fusion „weitaus weniger planen und realisieren könne, so sei dies darauf zurückzuführen, daß Wiesentaler Gemeinderäte leichtfertig 9 Millionen DM Fusionsprämie auf dem Rücken des einzelnen Steuerzahlers verpokerten“. Die CDU betonte: „Wichtigste Aufgabe für die Zukunft sei das Zusammenwachsen der drei Ortsteile auf der Basis fairer Zusammenarbeit, frei von jeglichen Ressentiments und von dem Willen getragen, tatsächlich das Beste für die Gesamtgemeinde zu tun“.
Die erste Gemeinderatswahl



Die erste Gemeinderatswahl der Fusionsgemeinde fand am 20. April 1975 statt. Hier finden Sie die Bekanntmachung des Ergebnisses (PDF-Dokument, 618,16 KB, 17.04.2025).
Damals regierte in der Bundesrepublik Deutschland Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) mit einer Koalition aus SPD und FDP (von 1974 bis 1982). In Baden-Württemberg war von 1966 bis 1978 Hans Filbinger (CDU) Ministerpräsident und stand ab 1972 an der Spitze einer CDU-Alleinregierung. Die CDU stellte im Landkreis Karlsruhe alle Direktmandate für Land und Bund und hatte zusammen mit der Jungen Union die absolute Mehrheit im Kreistag. Erster Landrat des neuen Landkreises Karlsruhe war von 1973 bis 1997 Dr. Bernhard Ditteney (CDU).
Im Landkreis wurde bei den Gemeinderatswahlen 1975 die CDU in den meisten Kommunen zur stärksten Kraft. Das höchste Ergebnis erzielte sie in Kronau mit 66,54 %. Die Bruchsaler Rundschau kommentierte am 22. April 1975: „Deutlich unterstreicht schon ein erster Überblick, daß im Landkreis hauptsächlich die Freien Wähler und andere Listenverbindungen durch die Gemeindereform an Bedeutung verloren haben“.
In Waghäusel gaben von den 11.462 Wahlberechtigten 8.367 ihre Stimme ab, davon waren 613 Stimmzettel ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 72,99 Prozent. Auf CDU/JU entfielen 49,29 %, auf die SPD 25,45 % und auf die FWV 25,26 % der abgegebenen Stimmen.
Von den 26 zu vergebenden Gemeinderatssitzen gingen 13 an die CDU/JU (6 für Kirrlach, 6 für Wiesental und 1 für Waghäusel), 7 an die Freien Wähler (3 für Kirrlach, 3 für Wiesental und 1 für Waghäusel) und 6 an die SPD (3 für Kirrlach und 3 für Wiesental).
Dem ersten Gemeinderat gehörten an (Hinweis zu den Angaben: zuerst Alter und Beruf zum Zeitpunkt der Wahl am 20. April 1975, dann Lebensdaten und gesamte Amtszeit im Gemeinderat):
1.) für CDU/JU (13):
1.1) für Kirrlach (6):
Rosa Ballreich geb. Müller, 33 Jahre, kaufmännische Angestellte (geb. 1941, gest. 2024, Gemeinderätin 1975-1999); Hans Haag, 37 Jahre, Maschinensetzer (geb. 1937, gest. 1982, Gemeinderat 1974-1982); Willi Heger, 51 Jahre, Posthauptverwalter (geb. 1924, gest. 2012, Gemeinderat 1962-1984); Robert Kremer, 35 Jahre, Schreinermeister (geb. 1939, Gemeinderat 1971-1999); Emil Müller, 44 Jahre, Elektromechaniker (geb. 1930, gest. 2017, Gemeinderat 1959-1994); Norbert Schuhmacher, 40 Jahre, Bundesbahnoberinspektor (geb. 1934, gest. 1991, Gemeinderat 1965-1989);
1.2) für Wiesental (6):
Paul Häußler, 55 Jahre, Versicherungskaufmann (geb. 1919, gest. 2005, Gemeinderat 1956-1984); Robert Hirschinger, 31 Jahre, Bilanzbuchhalter (geb. 1943, Gemeinderat 1975-2004); Maria Metzger geb. Sälzler, 48 Jahre, Kinderpflegerin (geb. 1926, gest. 2005, Gemeinderätin 1975-1984); Manfred Seider, 35 Jahre, Bankkaufmann (geb. 1939, Gemeinderat 1975-1980); Vinzenz Trunk, 44 Jahre, Industriekaufmann (geb. 1930, gest. 2021, Gemeinderat 1965-1999); Hans Weisbarth, 51 Jahre, Rektor (geb. 1923, gest. 1994, Gemeinderat 1971-1989);
1.3) für Waghäusel (1):
Dietmar Brennfleck, 40 Jahre, Oberlehrer (geb. 1934, gest. 2001, Gemeinderat 1975-1989);
2.) für die Freien Wähler (7):
2.1) für Kirrlach (3):
Joachim Golda, 43 Jahre, Apotheker (geb. 1931, gest. 1985, Gemeinderat 1975-1980 und 1984-1985); Raimund Martus, 51 Jahre, Bankvorstand (geb. 1923, gest. 1980, Gemeinderat 1951-1962 sowie 1968-1980, bis 1972 in der SPD); Horst Oechsler, 37 Jahre, technischer Kaufmann (geb. 1937, gest. 2018, Gemeinderat 1975-1999);
2.2) für Wiesental (3):
Rupert Baumann, 63 Jahre, Geschäftsführer (geb. 1911, gest. 1975, Gemeinderat 1953-1975); Lothar Herberger, 46 Jahre, Bankzweigstellenleiter (geb. 1929, gest. 1990, Gemeinderat 1975-1990); Emil Sälzler, 51 Jahre, technischer Angestellter (geb. 1923, gest. 1996, Gemeinderat 1962-1984);
2.3) für Waghäusel (1):
Klaus Schuppler, 39 Jahre, Heizungsbaumeister (geb. 1935, gest. 2016, Gemeinderat ab 1971-1980);
3.) für die SPD (6):
3.1) für Kirrlach (3):
Egon Baader, 39 Jahre, Verwaltungsangestellter (geb. 1935, gest. 2018, Gemeinderat 1968-1999); Julius Müller, 50 Jahre, kaufmännischer Angestellter (geb. 1925, gest. 2010, Gemeinderat 1963-1994); Konrad Schuhmacher, 53 Jahre, Bäckermeister (geb. 1921, gest. 2000, Gemeinderat 1962-1968 für FWV und 1971-1984 für SPD);
3.2) Wiesental (3):
Siegfried Sauer, 46 Jahre, Bauingenieur (geb. 1929, gest. 1989, Gemeinderat 1968-1980); Karl Steinhilper, 35 Jahre, Oberlehrer (geb. 1940, Gemeinderat 1971-1980); Heinrich Wagenhan, 31 Jahre, Diplom-Volkswirt (geb. 1943, gest. 2017, Gemeinderat 1975-1992).
Die Zusammensetzung des ersten Gemeinderats



Am 20. April 1975 wählten die Bürgerinnen und Bürger ihren ersten gemeinsamen Gemeinderat, dessen Mitglieder 16 Tage später ihr Amt antraten, als sie am 6. Mai 1975 in der Rheintalhalle verpflichtet wurden. Ihre Amtszeit sollte eigentlich 1979 enden, dauerte aber aufgrund der Verschiebung der Neuwahl durch die Landesregierung bis zum Mai 1980.
Am Wahltag lag das Durchschnittsalter der 26 Gemeinderatsmitglieder bei 43,38 Jahren. Den niedrigsten Altersdurchschnitt hatte die Fraktion der CDU (13 Sitze) mit 41,85 Jahren. Bei der SPD (6 Sitze) mit dem jüngsten Ratsmitglied in ihren Reihen waren es 42,33 Jahren. Die Freie Wählervereinigung (FWV) (7 Sitze) hatte den höchsten Durchschnitt mit 47,14 Jahren und stellte auch den ältesten Gemeinderat.
Die ältesten Gewählten waren Rupert Baumann (FWV, Wiesental) - mit 63 Jahren der einzige über 60 - sowie der 55-jährige Paul Häußler (CDU, Wiesental) und der 53-jährige Konrad Schuhmacher (SPD, Kirrlach). Die drei Jüngsten waren Heinrich Wagenhan (SPD, Wiesental) und Robert Hirschinger (CDU, Wiesental) - beide 31 Jahre alt - sowie Rosa Ballreich (CDU, Kirrlach) mit 33 Jahren.
Die Bruchsaler Rundschau schrieb am 12. Mai 1975: „Die Voraussetzung für eine gute kontinuierliche Weiterarbeit dürfte aufgrund der Zusammensetzung des neuen Parlaments gegeben sein. Denn in allen Fraktionen finden sich zum großen Teil die erfahrenen und für ihr Engagement bekannten Kommunalpolitiker wieder“.
17 der 26 Gewählten war bereits vor der Fusion Gemeinderat gewesen. Betrachtet man die Ortsteile, so wurde bei der Wahl 1975 in Kirrlach am stärksten auf Erfahrung gesetzt, 9 der 12 Kirrlacher Sitze gingen an schon Amtserprobte. Für Wiesental waren es 7 der 12 Sitze. Von den 2 Sitzen für den Ortsteil Waghäusel ging einer an einen Neuling. Klaus Schuppler zog als einziger aus dem letzten Waghäuseler Gemeinderat vor 1975, in dem alle 8 Vertreter zu Freien Wählervereinigungen gehört hatten, in den Fusionsgemeinderat ein.
Betrachtet man die Parteien, so hatte die Fraktion der SPD mit 5 von 6 Räten den höchsten Anteil an amtserfahrenen Mitgliedern. Bei der FWV waren es 4 von 7 und bei der CDU 8 von 13.
Die längsten Dienstzeiten als Gemeinderäte brachten unter den 1975 Gewählten mit: Rupert Baumann (FWV, Wiesental) mit 22 Jahren (seit 1953), Paul Häußler (CDU) mit 19 Jahren (seit 1956) sowie Raimund Martus (FWV, Kirrlach) mit 18 Jahren (1951-1962 und 1968-1975). Die meiste Erfahrung bei der SPD hatte Julius Müller mit 12 Jahren im Kirrlacher Gemeinderat ab 1963.
Von denen, die schon vor 1975 Gemeinderäte gewesen waren, kamen 4 auf eine Gesamtdauer ihrer Amtszeit von über 30 Jahren. Dies waren Emil Müller (CDU, Kirrlach) mit 35 Jahren, Vinzenz Trunk (CDU, Wiesental) mit 34 Jahren sowie Julius Müller und Egon Baader (beide SPD, Kirrlach), beide mit jeweils 31 Jahren.
Zwei der Erfahrenen waren für unterschiedliche Parteien oder Gruppierungen gewählt worden. Dies waren beides Kirrlacher. Raimund Martus hatte insgesamt 15 Jahre für die SPD ein Mandat (1951-1962 sowie 1968-1972). Nach seinem SPD-Austritt 1972 behielt er bis zur Fusion seinen Gemeinderatssitz. Er trat zur Wahl 1975 für die FWV an, für die er bis zu seinem Tod am 2. Mai 1980 Ratsmitglied war. Insgesamt kam er auf eine Gemeinderatszeit von 23 Jahren. Bei Konrad Schuhmacher verlief es umgekehrt: Von seinen insgesamt 19 Gemeinderatsjahren vertrat er zunächst von 1962 bis 1968 die FWV und dann von 1971 bis 1984 die SPD.
Außerdem brachte einer der Gewählten Erfahrung aus der Ratsarbeit in einer anderen Kommune mit: Hans Weisbarth (CDU, Wiesental) war von 1953 bis 1967 Gemeinderat in Ladenburg gewesen.
Die 9 Neueinsteiger von 1975 waren für die CDU Rosa Ballreich (Kirrlach), Robert Hirschinger, Maria Metzger und Manfred Seider (Wiesental) sowie Dietmar Brennfleck (Waghäusel), für die FWV Joachim Golda und Horst Oechsler (Kirrlach) sowie Lothar Herberger (Wiesental) und für die SPD Heinrich Wagenhan (Wiesental).
Von diesen Neulingen gehörte Robert Hirschinger (CDU, Wiesental) dann am längsten dem Gemeinderat an mit 6 Amtsperioden bzw. 29 Jahren von 1975 bis 2004.
Die meisten Wählerstimmen erhielten 1975 Emil Müller (CDU, Kirrlach) mit 4.763, Rupert Baumann (FWV, Wiesental) mit 4.671 und Norbert Schuhmacher (CDU, Kirrlach) 4.661 Stimmen. Das beste Ergebnis für die SPD erreichte der Kirrlacher Julius Müller mit 3.545 Stimmen.
Die ersten Gemeinderätinnen



Über die konstituierende Sitzung des ersten Gemeinderats am 6. Mai 1975 berichteten die BNN am 12. Mai: Amtsverweser Robert Straub „begrüßte die neuen Gemeinderäte, besonders die Frauen Maria Metzger und Rosa Ballreich, die als erste in das bisher ausschließlich von Männern besetzte Gremium einzogen“.
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte 1975 zum „Internationalen Jahr der Frau“ erklärt. Vom 19. Juni bis 2. Juli 1975 diskutierten Delegierte aus 133 Ländern bei der ersten UN-Weltfrauenkonferenz in Mexiko-Stadt unter dem Motto „Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“.
Von der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland 1919 bis zur Gemeindefusion hatte es überhaupt nur eine Gemeinderätin gegeben: Anna Skarke (SPD), geboren am 7. Juni 1897, die 1946 mit ihrem Mann und drei Kindern aus Odrau im Sudetenland nach Wiesental gekommen war. Als Nachrückerin wurde sie Wiesentals erste und einzige Frau im Gemeinderat, dem sie von Mai 1949 bis zum Ende der Amtsperiode im Februar 1951 angehörte. 1951 trat sie erfolglos erneut an. 1961 zog sie mit ihrem Mann nach Karlsruhe. Vor 1975 versuchten nur noch zwei weitere Frauen in Wiesental und eine in Kirrlach, Gemeinderätin zu werden. In Waghäusel kandidierte nie eine Frau.
Mit der Gemeindefusion änderte sich das: Seither traten zu jeder Wahl Kandidatinnen an und jedem Waghäuseler Gemeinderat gehörten Frauen an.
1975 kandidierten insgesamt 9 Frauen und 100 Männer. Sowohl CDU, SPD wie Freie Wählervereinigung (FWV) traten mit jeweils 3 Frauen auf ihren Listen an. Die Kandidatinnen waren alle verheiratet bzw. eine verwitwet und hatten Kinder. 6 der 9 waren von auswärts zugezogen. Der Altersdurchschnitt der Frauen lag am Wahltag bei 36,44 Jahren.
Es traten an (Angaben: Ortsteil, für den kandidiert wurde, Alter und Beruf zum Zeitpunkt der Wahl am 20. April 1975 sowie die erhaltenen Wählerstimmen) für die CDU: Rosa Ballreich (Kirrlach, 33 Jahre, kaufmännische Angestellte, 3.075 Stimmen), Christa Knebel (Wiesental, 29 Jahre, Buchhalterin, 1.878 Stimmen), Maria Metzger (Wiesental, 48 Jahre, Kinderpflegerin, 3.388 Stimmen), für die SPD: Renate Becker (Kirrlach, 35 Jahre, Angestellte, 844 Stimmen), Barbara Stärk (Kirrlach, 29 Jahre, Hausfrau, 1.526 Stimmen), Elfriede Weiss (Wiesental, 52 Jahre, Hausfrau, 915 Stimmen) sowie für die FWV: Ulla Hassler (Kirrlach, 34 Jahre, Kaufmann, 1.233 Stimmen), Siegrid Heß (Kirrlach, 29 Jahre, Hausfrau, 1.457 Stimmen) und Käthe Kattner (Kirrlach, 39 Jahre, Kontoristin, 1.695 Stimmen).
Maria Metzger zog mit dem insgesamt achtbesten und Rosa Ballreich mit dem 16.-besten Stimmenergebnis unter den 26 Gewählten in den Gemeinderat ein. Beide wurden 1980 wiedergewählt.
Maria Metzger (geb. 1926, gest. 2005) hatte bereits bei den Wiesentaler Gemeinderatswahlen 1965, 1968 und 1971 für die CDU kandidiert. Sie gehörte dem Gemeinderat von 1975 bis 1984 an. 2004 wurde sie für ihre Verdienste und ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement mit der Verdienstmedaille der Stadt Waghäusel in Gold ausgezeichnet.
Rosa Ballreich (geb. 1941, gest. 2024) gehörte dem Gemeinderat 24 Jahre von 1975 bis 1999 an. Sie erhielt die Verdienstmedaille der Stadt Waghäusel in Gold im Jahr 2000.
1989 schaffte Krimhilde Rolli (SPD, Wiesental) den Einzug in den Rat als dritte Frau nach der Fusion und verteidigte ihr Mandat bis 2024 für 35 Jahre. Dies ist die bisher längste Amtszeit einer Gemeinderätin. Von den 10 Gemeinderatsgremien zwischen 1975 und 2024 gehörte sie 7 an. Eigentlich hätte sie es sogar auf 40 Jahre und 8 Amtsperioden gebracht. Bereits 1984 war sie gewählt, durfte das Amt aber nicht antreten, weil die Gemeindeordnung damals verbot, dass Ehepaare gleichzeitig in den Rat einzogen.
1975 traten von den 9 Kandidatinnen 6 für Kirrlach und 3 für Wiesental an. Für Waghäusel kandidierten 1980 mit Irmgard Straube (CDU) und Martha Geiß (SPD) zum ersten Mal Frauen. Die erste gewählte Gemeinderätin für den Ortsteil war Irena Wirth (CDU) von 1994 bis 1999. Eigentlich wären 1994 sogar beide Ortsteil-Sitze an Frauen gegangen. Die zweite Gewählte war Gerlinde Lehn (SPD), die ihr Mandat wegen der gleichzeitigen Wahl ihres Ehemanns nicht antreten durfte. Als zweite Gemeinderätin überhaupt vertrat den Ortsteil Waghäusel dann von 2014 bis 2024 Gisela Kneisl (SPD).
„voller Trauer an der Bahre eines Mitglieds unseres Gemeinderats“






Von den am 20. April 1975 gewählten ersten 26 Ratsmitgliedern verstarben fünf als aktive Gemeinderäte sowie einer als städtischer Mitarbeiter. Vier von ihnen gehörten der Freien Wählervereinigung (FWV) an. Bürgermeister Robert Straub hatte stets die schmerzliche Aufgabe, am Grab den Dank für ihren Dienst für die Stadt auszusprechen.
Rupert Baumann (FWV, Wiesental, geb. 1911, gest. 1975, Gemeinderat 1953-1975, Geschäftsführer) starb schon am 30. September 1975 mit 64 Jahren. Er war zu diesem Zeitpunkt sowohl der an Lebensjahren wie mit insgesamt 22 Jahren an Dienstzeit älteste Gemeinderat. Der Bäckermeister hatte eine eigene Bäckerei und Konditorei gegründet und war später Geschäftsführer der Toto-Hauptstelle Bruchsal mit über 200 Annahmestellen. Er war Gründer, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft der Wiesentaler Vereine“ (AWV). 1970 hatte er für seine überaus vielfältigen Leistungen im kulturellen, sportlichen, berufsständischen und kommunalen Bereich das Bundesverdienstkreuz erhalten. Tragischer Weise starb auch sein Nachrücker im Rat Hubert Gehweiler (FWV, Wiesental, geb. 1928, gest. 1982, Gemeinderat 1968 - Mai 1975 und November 1975-1982, Posthauptverwalter) am 29. Januar 1982 mit 53 Jahren. Er war insgesamt 13 Jahre Gemeinderat.
Raimund Martus (FWV, Kirrlach, geb. 1923, gest. 1980, Gemeinderat 1951-1962 sowie 1968-1980, Bankvorstand) starb am 2. Mai 1980 einen Tag vor seinem 57. Geburtstag und kurz vor der nächsten Gemeinderatswahl am 22. Juni 1980. Er war insgesamt 23 Jahre Gemeinderat. Robert Straub würdigte im Nachruf „sein Pflichtbewußtsein, seinen Sachverstand und sein ausgeglichenes Wesen“.
Hans (eigentlich Johann Josef) Haag (CDU, Kirrlach, geb. 1937, gest. 1982, Gemeinderat 1974-1982, Maschinensetzer) starb am 27. Februar 1982 mit 44 Jahren. Er war der Gemeinderat mit der kürzesten Amtszeit vor der Fusion: Am 23. Dezember 1974, bei der letzten Sitzung des Kirrlacher Gemeinderats, war er noch als Nachrücker für Theo Heiler verpflichtet worden. Er war insgesamt 8 Jahre Gemeinderat. Über 25 Jahre war er als Schrift- und Maschinensetzer bei der Firma Krusedruck, Philippsburg, und dort auch Betriebsrat. „Seine Pflichten als Gemeinderat erfüllte er vorbildlich – auch in der langen Zeit seiner Krankheit war er präsent, wann immer es der Gesundheitszustand zuließ“, erinnerte Bürgermeister Straub bei der Trauerfeier.
Joachim Golda (FWV, Kirrlach, geb. 1931, gest. 1985, Gemeinderat 1975-1980 und 1984-1985, Apotheker) starb am 3. Mai 1985 mit 53 Jahren. Er war insgesamt 6 Jahre Gemeinderat. Er hatte mitgeholfen, einen gemeinsamen Ortsverband der FWV aus den drei Ortsteilen aufzustellen. 1980 hatte er aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidiert, 1984 war er in den Rat zurückgekehrt. Er war 1977 einer der Gründer der Vereinigung der Selbständigen Kirrlach (VdS) sowie deren erster Vorsitzender und ab 1980 Ehrenvorsitzender. „An der Gemeinderatssitzung am 1. April nahm er noch teil, und alle, die mit ihm am Ratstisch saßen, waren in der Tat ahnungslos“, berichtete Robert Straub. Joachim Golda habe die Schwere seiner Krankheit für sich behalten, um niemanden zu belasten und sei trotzdem täglich dem Beruf und seinen anderen Verpflichtungen nachgegangen.
Lothar Herberger (FWV, Wiesental, geb. 1929, gest. 1990, Gemeinderat 1975-1990, Bankzweigstellenleiter) starb am 14. Januar 1990 mit 60 Jahren. Er war insgesamt 15 Jahre Gemeinderat. Bis zu seinem krankheitsbedingten Ausscheiden Ende 1987 hatte er die Bankfiliale der damaligen „Spar- und Kreditbank“ geleitet. „Sein plötzlicher Tod trifft die FWV um so schmerzlicher und unmittelbarer, da er noch beim politischen Frühschoppen am Vormittag des 14. Januar, seinem Todestag, anwesend und voll Optimismus war“, schrieb seine Fraktion im Mitteilungsblatt.
Siegfried Sauer (SPD, Wiesental, geb. 1929, gest. 1989, Gemeinderat 1968-1980, Bauingenieur) starb am 11. August 1989 mit 60 Jahren. Er war insgesamt 12 Jahre Gemeinderat. Am 1. August 1980 gab er seinen Ratssitz ab, um Waghäuseler Stadtbaumeister zu werden. Bürgermeister Straub berichtete in seiner Trauerrede: „Betroffen und erschüttert mußten wir am Freitag den plötzlichen Tod unseres Mitarbeiters Siegfried Sauer miterleben. Erschüttert, weil wir dieses Herausgerissenwerden aus dem Leben so unmittelbar zu verspüren bekamen und weil wir uns nur hilflos ins offensichtlich Unvermeidliche fügen mußten“.
Der erste Bürgermeisterwahlkampf

Am 13. Januar 1975 war Robert Straub vom Übergangsgemeinderat zum Amtsverweser gewählt worden. Nach den gesetzlichen Vorgaben musste bis spätestens 30. Juni 1975 ein Bürgermeister gewählt werden. Der Gemeinderat legte als Termin für die Wahl den 1. Juni und für einen eventuellen zweiten Wahlgang den 15. Juni fest. Im ersten Wahlgang brauchte es die absolute Mehrheit der Stimmen, in der Stichwahl hätte die einfache Mehrheit genügt. Das Mindestalter für die Wählbarkeit zum Bürgermeister lag bei 25 Jahren. Eine Verpflichtung, als Bewerber in der Gemeinde zu wohnen, gab es nicht.
Am 15. Januar wurde die Stelle im Staatsanzeiger Baden-Württemberg ausgeschrieben. Bewerbungen konnten bis spätestens Montag, 12. Mai, 18 Uhr, beim Hauptsitz der Gemeindeverwaltung im Rathaus Kirrlach zu Händen des Ersten Amtsverweser-Stellvertreters Rupert Baumann eingereicht werden.
Am Ende der Frist gab es drei Bewerber: Am 16. Januar war die Bewerbung von Emil Groß (FWV), 52 Jahre, Wiesentaler Bürgermeister a.D., eingegangen, am 24. Februar die von Amtsverweser Robert Straub (CDU), 39 Jahre, Lehrer aus Kirrlach, und am 4. März schließlich die von Karl Flösser (parteilos), 51 Jahre, Offsetfachmann aus Karlsruhe.
Die SPD hatte „schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt ihren Verzicht auf einen eigenen Kandidaten durchblicken lassen“, schrieb die Bruchsaler Rundschau am 15. Mai und vermutete mit Blick auf die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen im April: „Sehr wahrscheinlich haben die Kommunalwahlen einen Teil der Spannung bereits absorbiert“.
Es fanden Kandidatenvorstellungen in allen Ortsteilen jeweils um 20 Uhr statt: am 22. Mai in Waghäusel in der Sporthalle, am 26. Mai in Wiesental in der Turnhalle der „neuen Schule“ (= Bolandenschule II) und am 27. Mai in Kirrlach in der Rheintalhalle. Die Versammlungsleitung lag bei Gemeinderat Vinzenz Trunk (CDU, Wiesental), dem am 6. Mai neu gewählten Ersten Bürgermeister-Stellvertreter und Vorsitzenden des Gemeindewahlausschusses. Über die Reihenfolge der Redner entschied das Los. Jeder Bewerber bekam maximal 20 Minuten Redezeit, im Anschluss konnten Fragen gestellt werden.
Beim ersten Vorstellungstermin am 22. Mai in Waghäusel wurde als erster Redner der auswärtige Kandidat Karl Flösser ausgelost. Er sprach allerdings nur knapp zwei Minuten. Kurz vor der zweiten Vorstellung teilte er am 26. Mai mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen gezwungen sei, seine Bewerbung zurückzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl mit den Namen der drei Kandidaten allerdings bereits gedruckt.
Der Wahlkampf hatte sich auf Emil Groß und Robert Straub konzentriert.
Emil Groß wurde 1923 in Wiesental geboren. Er schloss die Höhere Handelsschule in Bruchsal mit der Mittleren Reife ab und absolvierte eine Ausbildung in der Finanzverwaltung. Von 1941 bis 1945 war er als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Danach arbeitete er in der öffentlichen Steuerverwaltung in den Finanzämtern Heidelberg und Mannheim.
Er verwies auf seine Kenntnisse in Steuer- und Verwaltungsrecht sowie seine lange kommunale Erfahrung als Gemeinderat ab 1956, als Bürgermeister ab 1962, als Kreisrat ab 1965 und als Mitglied mehrerer überregionaler Verbände wie dem Regionalverband Mittlerer Oberrhein, dem Gemeindetag Baden-Württemberg und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund. Er betonte seine politische Unabhängigkeit. Die Bruchsaler Rundschau zitiere ihn am 24 Mai, er sehe die Arbeit eines Bürgermeisters als „neutral zu verantwortende, harte Unternehmeraufgabe an, die keine parteipolitische Auseinandersetzung behindern sollte“.
Robert Straub wurde 1935 in Kirrlach geboren, besuchte das Gymnasium in Mannheim und studierte Altphilologie an der Universität Heidelberg. Als Lehrer unterrichtete er an Gymnasien in Heidelberg, Wertheim, Schwetzingen und Philippsburg. Er engagierte sich früh in der Jungen Union, deren Kreisvorsitzender er wurde. Von 1971 bis 1975 war Vorsitzender des CDU-Ortsverbands. Ab 1968 war er Gemeinderat, ab 1971 Erster Bürgermeisterstellvertreter und ab 1971 Kreisrat.
Er wies darauf hin, dass sich die Bevölkerung durch seine Arbeit als Amtsverweser seit Januar ein Bild habe machen können über seine Qualifikation, seinen Sachverstand und seine Führungsqualitäten und „daß Sie mir die Geschicke unserer Gemeinde und ihre persönlichen Probleme anvertrauen können“, so die Bruchsaler Rundschau ebenfalls am 24. Mai.
Im Wahlkampf hatten Emil Groß und Robert Straub in vielen damals drängenden Sachfragen übereingestimmt. „Als wichtigste Aufgabe des neuen Bürgermeisters in der Großgemeinde Waghäusel erkannten die beiden Bewerber… die drei Ortsteile zu einem echten Gemeinwesen zu vereinen“, berichtete die Bruchsaler Rundschau am 24. Mai 1975 über die erste Kandidatenvorstellung am 22. Mai in Waghäusel. Beide wollten insbesondere die Verwirklichung des geplanten Großen Bildungszentrums im Ortsteil Waghäusel und dass bei dem anstehenden Neubau von Verkehrsprojekten wie der Schnellbahnstrecke und der Verlegung der B 36 die Belange der Bevölkerung angemessen beachtet würden.
Unterschiedliche Sichtweisen gab es vor allem um den Verlauf der Gemeindefusion und die Höhe der entgangenen Fusionsprämien. Durch Regelungen zur Gemeindereform wären über mehrere Jahre gestaffelte Zahlungen des Landes, abhängig von der Gemeindegröße, möglich gewesen. Waghäusel hatte den freiwilligen Zusammenschluss zum letztmöglichen Zeitpunkt vollzogen und rund 800.000 DM erhalten, die nach der Fusionsvereinbarung komplett für den Bau des Bildungszentrums bzw. der Realschule verwendet wurden.
„Die Auseinandersetzung wurde schärfer“ berichtete die Bruchsaler Rundschau am 28. Mai über die zweite Kandidatenvorstellung am 26. Mai in Wiesental und stellte u.a. die Positionen zur Fusion gegenüber:
Zu seinem Anteil am späten Zustandekommen der Fusion führte Emil Groß aus, er habe den Mehrheitswillen von Bevölkerung und Gemeinderat respektiert. Bei der Bürgeranhörung am 20. Januar 1974 hatte es in Wiesental 89,16 Prozent Nein-Stimmen zur Fusion gegeben. Aus Sicht von Emil Groß hätten sich die Fusionsprämien auf maximal 6 Millionen DM netto auf 9 Jahre verteilt belaufen können und möglicherweise wären dann Zuschüsse für das Bildungszentrum niedriger ausgefallen.
Robert Straub erläuterte, für ihn sei es aufgrund der räumlichen Nähe und engen Verflechtung der drei Orte klar gewesen, dass die Fusion nicht zu umgehen sei. Nach seiner Überzeugung wären bei einem früheren Zusammenschluss bis zu 9 Millionen DM Fusionsprämien möglich gewesen. Er bedauerte, dass Waghäusel nun diese Millionen fehlten, „mit denen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft vorzüglich gewirtschaftet werden kann“. Er betonte: „Ich wollte die Fusion nicht des Geldes wegen – aber ich wollte die Fusion erst recht nicht ohne die Prämie“.
Zur letzten Kandidatenvorstellungen am 27. Mai in Kirrlach kamen nochmals rund 700 Interessierte, die eine „interessante und lebhaft verlaufene Diskussion“ erlebten, so die Bruchsaler Rundschau am 30. Mai.
Die erste Bürgermeisterwahl



Zur Bürgermeisterwahl am 1. Juni 1975 waren insgesamt 11.482 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Die meisten Wahlberechtigten lebten in Kirrlach mit 5.617, in Wiesental waren es 5.358 und in Waghäusel 507.
Es gaben insgesamt 9.087 Wahlberechtigte ihre Stimme ab (= 79,14 Prozent). Am höchsten war die Wahlbeteiligung in Kirrlach mit 83,17 Prozent (= 4.672 Stimmen), in Wiesental lag sie bei 75,51 Prozent (= 4.046 Stimmen) und in Waghäusel bei 72,78 Prozent (= 369 Stimmen).
139 Stimmzettel waren ungültig, davon kamen 70 aus Kirrlach, 59 aus Wiesental und 10 aus Waghäusel.
Die öffentliche Feststellung des Wahlergebnisses erfolgte in der Schillerschule in Kirrlach. Gegen 19 Uhr - eine Stunde nach Schließung der Wahllokale - konnte der Vorsitzende des Gemeinde-Wahlausschusses und Bürgermeister-Stellvertreter Vinzenz Trunk (CDU) das vorläufige Endergebnis bekanntgeben. Hier finden Sie die Bekanntmachung des Ergebnisses (PDF-Dokument, 671,64 KB, 16.05.2025).
Robert Straub gewann die Wahl mit insgesamt 5.041 Stimmen (= 56,33 % aller gültigen Stimmen), davon kamen aus Kirrlach 4.328 (= 94,04 % der Kirrlacher Stimmen), aus Wiesental 435 (= 10,91 % der Wiesentaler Stimmen) und aus Waghäusel 278 (= 77,43 % der Waghäuseler Stimmen).
Emil Groß erhielt insgesamt 3.880 Stimmen (= 43,36 % aller gültigen Stimmen), davon kamen aus Kirrlach 262 (= 5,69 % der Kirrlacher Stimmen), aus Wiesental 3.542 (= 88,83 % der Wiesentaler Stimmen) und aus Waghäusel 76 (= 21,17 % der Waghäuseler Stimmen).
Der ursprünglich dritte Kandidat Karl Flösser aus Karlsruhe erhielt trotz seines Rückzuges 26 Stimmen, davon kamen 12 aus Kirrlach, 9 aus Wiesental und 5 aus Waghäusel.
Eine einzige gültige Stimme aus Wiesental ging an Hugo Stork, Postobersekretär aus Wiesental, der nicht auf dem Wahlzettel stand, dessen Name aber korrekt handschriftlich hinzugefügt worden war.
Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kamen mehrere hundert Menschen zu Robert Straubs Haus. Feuerwerkskörper erhellten den Himmel. Die Feuerwehr stellte den Festbaum, Mitglieder des Reitervereins zu Pferde standen Spalier. Musikalisch gratulierten der Musikverein Kirrlach unter Valentin Heiler, die Gesangvereine Liederkranz mit Gerhard Wind und Frohsinn mit Simon Wirth sowie der Kirchenchor mit Alois Heß. Robert Straub bedankte sich in einer Ansprache bei Wählerinnen und Wählern ebenso wie bei den vielen Wahlhelferinnen und –helfern.
Am 6. Juni 1975 schrieb er im Waghäuseler Mitteilungsblatt: „Liebe Mitbürgerinnen! Liebe Mitbürger! Ich bedanke mich sehr herzlich für das Vertrauen, das Sie mir in so hohem Maße bei der Bürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag ausgesprochen haben. Vor meiner Wahl habe ich versprochen, ein unabhängiger Bürgermeister für alle Bürger und Ortsteile zu sein; ich werde mich bemühen, dieses Versprechen zu halten. Jetzt gilt es, aus 3 Ortsteilen eine Gemeinde zu machen. Ich bin zu fairer Zusammenarbeit mit allen politischen Kräften unserer Gemeinde bereit und bitte alle um Mitarbeit zum Wohle unserer Gemeinde. Robert Straub“.
Am 7. Juli 1975, fünf Wochen nach der Wahl, fand die Amtseinführung im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in der Rheintalhalle statt. Die Verpflichtung nahm Bürgermeister-Stellvertreter Vinzenz Trunk vor.
Die Verwaltungs- und Gebietsreform, aus der die neue Gemeinde Waghäusel hervorgegangen war, hatte auch viele der auswärtigen Gratulanten und Gäste betroffen.
Die Grüße der Bürgermeister des Landkreises überbrachte der damals 35-jährige Erich Hoffmann (CDU), Vorsitzender des baden-württembergischen Gemeindetages für den Kreis Karlsruhe und Bürgermeister der schon zum 1. September 1971 aus den fünf Orten Auerbach, Ittersbach, Langensteinbach, Mutschelbach und Spielberg neu entstandenen Gemeinde Karlsbad.
Zum 1. Januar 1973 war der Landkreis Karlsruhe in seiner heutigen Form gebildet worden. Zunächst zum Amtsverweser und dann zum ersten Landrat gewählt worden war Dr. Bernhard Ditteney (CDU, geb. 1933, gest. 2010, Landrat 1973-1997), der zum Zeitpunkt seiner Wahl 39 Jahre alt gewesen war - und damit im gleichen Alter wie der zwei Jahre jüngere Robert Straub bei dessen Amtsantritt.
Ditteney wies in seiner Gratulationsrede an Straub unter anderem darauf hin, dass nach Abschluss der Gemeindereform nun die Phase der Konsolidierung folge. Arbeit gebe es genug, deshalb auch sein Appell, dass das, was war, der Vergangenheit angehören müsse, und dass es nun gelte, die Aufgaben beherzt anzupacken und das Beste aus der Situation zu machen.
Auch der Landtagsabgeordnete und spätere Finanz-Staatssekretär Heinz Heckmann (CDU, geb. 1932, gest. 2012, MdL 1972-1992) ging auf die Gemeindereform ein und gab den Rat, gegensätzliche Meinungen und Standpunkte müssten diskutiert und keinesfalls unter den Tisch gekehrt werden, weil sie sonst immer wieder kämen. Man werde die Schwierigkeiten und Probleme nur dann lösen, wenn man sie bejahe und nicht übergehe.
Sowohl Ditteney wie Heckmann wiesen darauf hin, dass das Zusammenwachsen der neuen Gemeinde harte Arbeit sei und Vertrauen geschaffen werden müsse.
Für die Gemeinderatsfraktionen gratulierten Rupert Baumann (FWV), Julius Müller (SPD) sowie Norbert Schuhmacher (CDU) anstelle des erkrankten Fraktionsvorsitzenden Paul Häußler.
Oberstudiendirektor Kurt Brandes bedankte sich für das Gymnasium Philippsburg bei Robert Straub sowohl für seine dortige dreieinhalbjährige Lehrertätigkeit wie für die unbürokratisch gewährte Möglichkeit, in Waghäusel den Schulturnunterricht bis zur Fertigstellung der eigenen Turnhalle durchführen zu dürfen.
Robert Straub sagte in seinen kurzen Dankesworten, das Wohl der Gemeinde sei eine Aufgabe, für die es sich lohne, Tag für Tag sein Bestes zu geben. Die Probleme seien groß und verlangten viel Arbeit. Allerdings seien sie nicht so gewaltig, dass sie nicht gemeistert werden könnten.
Robert Straub wurde 1983 und 1991 wiedergewählt und war bis Juni 1999 für insgesamt 24 Jahre Bürgermeister. Seine großen Verdienste würdigte Waghäusel im Jahr 2000 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde, der höchsten Auszeichnung, die eine Kommune vergeben kann.
Der Wettbewerb für ein neues Wappen







Im April 1975 begann an den Waghäuseler Schulen ein Wettbewerb zur Gestaltung eines neuen Ortswappens. Bei einem Treffen am 25. April tauschten sich die Rektoren und Fachlehrer über die in den ersten 4 Wochen gemachten Erfahrungen aus: „Trotz der Schwierigkeit der Aufgabe sind die Schüler mit großem Eifer bei der Sache, weshalb man recht zuversichtlich ist, die Arbeiten noch vor Schuljahresschluß abschließen zu können“, so berichtete die Bruchsaler Rundschau am 2. Mai. Lehrer Rohr von der Realschule Wiesental erklärte, dass während die Schülerinnen und Schüler „in der Anfangsphase noch der Ansicht waren, die Lösung im Gegenständlichen finden zu können, neigen sie bei fortschreitender Arbeit mehr und mehr dazu, einem abstrakten Symbol den Vorzug zu geben“. Ziel des Wettbewerbs sei nicht, ein fertiges Ortswappen zu entwerfen, sondern „Anregungen hierzu zu geben, die Bürger zu aktivieren mit dem Ziel, sich mit diesem und anderen Gemeindeproblemen vertraut zu machen“. Ein Elternvertreter unterstrich, „daß die Schulen damit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Stärkung und das Zusammenwachsen der neuen Gemeinde leisten“.
Was machte die Schwierigkeit dieser Aufgabe aus?
Das Wappen ist das Symbol einer Gemeinde, das diese insbesondere bei der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben verwendet. Durch die Fusion hatten die Wappen und Fahnen der Ortsteile ihre Gültigkeit als Hoheitszeichen verloren.
Mit dem Abschluss der Gemeindereform zum 1. Januar 1975 gab es im Landkreis Karlsruhe insgesamt 32 Kommunen, die durch Eingemeindungen oder Zusammenschluss aus 98 vorher selbstständigen Gemeinden gebildet worden waren. Nur 8 Orte waren unverändert geblieben (Forst, Gondelsheim, Hambrücken, Kronau, Kürnbach, Sulzfeld, Weingarten und Zaisenhausen). Neue Gemeindewappen bekamen 17 dieser 32. Den Anfang machte 1972 Walzbachtal, die letzten Wappen erhielten 1980 Karlsdorf-Neuthard sowie 1982 Waldbronn und Oberderdingen.
Für Beurkundungen (z. B. Geburtsurkunden) und die Bestätigung der Echtheit von Dokumenten (z.B. Zeugnissen) brauchen Kommunen ein Siegel, das in der Regel das Gemeindewappen enthält. Die Gemeindeordnung von Baden-Württemberg schreibt für Orte ohne gültiges eigenes Wappen als Dienstsiegel die Nutzung des kleinen Landeswappens („Im goldenen Schild drei schreitende schwarze Löwen mit roten Zungen“, auf dem Schild eine Blattkrone) mit der Bezeichnung und dem Namen der Gemeinde als Umschrift vor. In Waghäusel wurde damit fast drei Jahre gesiegelt, bis das neue Gemeindewappen offiziell genehmigt war.
Für Hoheitszeichen sind besondere Vorschriften zu beachten. Wappen und Flagge müssen bei der Rechtsaufsichtsbehörde beantragt werden. Im Falle Waghäusels war damals das Landratsamt zuständig. Nur, wenn eine Gemeinde ein Wappen hat, kann ihr auch das Recht zur Führung einer Flagge verliehen werden. Diese Flagge darf bei baden-württembergischen Gemeinden nicht mehr als zwei Farben haben und die Flaggenfarben sollen den Wappenfarben entsprechen. Bei einem Antrag auf Verleihung eines Wappens ist eine Stellungnahme des zuständigen Landesarchivs vorgeschrieben, das in Wappen- und Flaggenfragen auch für die Beratung der Gemeinden und die Erstellung von Gutachten zuständig ist. Für Waghäusel war dies das Generallandesarchiv Karlsruhe.
Für Wappen gelten Regeln, die teilweise aus dem Mittelalter kommen. Diese sind für die praktische Nutzung bis heute sinnvoll, denn sie sollen die Wappen klar, einfach, knapp und einprägsam machen. Früher sollten Ritter in ihrer Rüstung anhand der Zeichen auf ihrem Schild auch von weitem von Freund wie Feind leicht identifiziert werden können oder etwa Besitzverhältnisse auf Grenzsteinen auch für Menschen, die nicht lesen konnten, eindeutig sein. Bis heute soll ein Wappen auch als Stempel auf einer Urkunde noch erkennbar und nicht überladen sein.
Die Heraldik, die Lehre von den Wappen und ihrer Nutzung, macht dazu auch farbliche Vorgaben: Es sollen nur vier Farben (Rot, Blau, Grün und Schwarz) und zwei Metalle (Gold und Silber = Gelb und Weiß) für ein Wappen verwendet werden. Die Farben sollen einheitlich kräftig sein, Abstufungen wie Hellblau oder Rosarot sind nicht vorgesehen. Für Motive und Hintergrund gilt, dass immer nur Farbe auf Metall oder Metall auf Farbe abgebildet werden soll und keine zwei Farben oder zwei Metalle auf- oder nebeneinander. Die Vorgaben der Heraldik machten eine Kombination der drei alten Ortsteilwappen äußerst schwierig.
Mitte Mai 1975 beschloss der Verwaltungsausschuss die Ausweitung des seit April laufenden Schülerwettbewerbs zur Gestaltung eines neuen Ortswappens auf die gesamte Waghäuseler Bürgerschaft. Es wurde festgelegt, dass ein Preisgericht die besten Beiträge auswählen und auszeichnen sollte.
Fachlich unterstützt wurden Wettbewerb und Findungsprozess von dem aus Wiesental stammenden Architekten Artur Hassler (1908-1976), der beim Staatlichen Hochbauamt bis zu seiner Pensionierung 1974 maßgeblich den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bruchsaler Schlosses betreut hatte.
Erläuterungen zu den Regeln der Heraldik erhielt Waghäusel von Dr. Hansmartin Schwarzmaier (1932–2021), damals Sachbearbeiter und später Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe, das für die fachliche Beurteilung des Wappenvorschlags zuständig war und die Gestaltung genehmigen musste.
Die Frist für die Abgabe von Wettbewerbsbeiträgen im Rathaus endete am 15. Juli. Die Beteiligung war überraschend groß.
380 Entwürfe wurden in allen drei Ortsteilen ausgestellt, am 23./24. August in Kirrlach in der Rheintalhalle, am 30./31. August in Wiesental in der Turnhalle der Bolandenschule I am Oberen Hagweg und am 6./7. September in Waghäusel in der Sporthalle, jeweils samstags von 14 bis 19 Uhr und sonntags von 9 bis 19 Uhr.
Die Entwürfe wurden hierfür nummeriert und zur besseren Übersichtlichkeit nach Motiven geordnet.
Besucherinnen und Besucher konnten auf einem Fragebogen ihr Lieblingsmotiv sowie die aus ihrer Sicht fünf besten Arbeiten angeben. Der Fragebogen lautete: „Die Ausstellung der Vorschläge zur Gestaltung des neuen Ortswappens fand ich: sehr gut / gut / weniger gut / befriedigend / weniger befriedigend / enttäuschend. Ich selbst würde dem folgenden von mir angekreuzten Motiv den Vorzug geben: Alte Ortszeichen: Beil, Herz, Zuckerhüte / Pflanzenmotive: Eichbaumblätter, Eicheln, Spargel, Kleeblatt / Tiermotive / abstrakte Zeichen als Motive / religiöse Motive: Krone, Kreuz / Kirche (sogenanntes redendes Wappen) / Sonstige. Mir persönlich haben die Entwürfe mit den Nummern (hier 5 Felder zum Eintragen) am besten gefallen.“
Was war bei den genannten Motiven noch zu sehen?
Unter „Pflanzenmotive“ gab es viele Entwürfe rund um die Eiche sowie deren Zweige, Blätter oder Früchte. Die Wahl der Eiche erklärte sich aus der historischen Bedeutung des Baums für den Lußhardtwald. Mit Bezug auf die hiesige Landwirtschaft wurde auch häufig ein einzelner oder ein ganzes Bündel Spargel als Wappenbild vorgeschlagen. Außerdem verwendet wurden die Rose, das Kleeblatt oder Korn.
Unter „Tiermotive“ waren Adler und Löwe die am häufigsten gewählten Wappentiere, nur vereinzelt kamen Fabelwesen wie Greif oder Drache vor.
Unter „Abstrakte Zeichen“ gab es u.a. geometrische Figuren, ausgestaltete Anfangsbuchstaben der drei Ortsteile, drei ineinander verschlungene Ringe oder zur Versöhnung einander entgegengestreckte Hände.
Unter „Kirche (sogenanntes redendes Wappen)“ versuchten die Entwürfe, den Namen Waghäusel symbolisch darzustellen. Ein „redendes Wappen“ erklärt den Namen des Wappenträgers mit einem Bild, wie etwa der Handschuh im Wappen derer von Handschuhsheim. Der Name Waghäusel kommt vom ersten Haus = Häusel am Wagbach und das war die Kapelle, aus der später die Wallfahrtskirche wurde. Die Darstellung einer Kapelle oder Kirche sollte sich also auf den Ortsnamen sowie die Entstehung und Geschichte des namensgebenden Ortsteils beziehen.
In vielen Entwürfen kam auch das „Speyrer Kreuz“ vor, ein durchgehendes geschliffenes silbernes Kreuz auf blau. Dies war das Wappen des Hochstifts Speyer, zu dem die Gegend jahrhundertelang gehört hatte.
An den drei Ausstellungsterminen kamen geschätzt weit über 1.000 Menschen. Die Auswertung der Umfrage wurde am 12. September im Mitteilungsblatt veröffentlicht. Von 517 abgegebenen Fragebogen kamen 271 aus Kirrlach, 198 aus Wiesental und 48 aus Waghäusel. Die Ausstellung bewerteten insgesamt 177 mit sehr gut und 194 mit gut. Das Motiv mit den meisten Stimmen waren die „Alten Ortszeichen“ mit 304 (davon 184 aus Kirrlach, 93 aus Wiesental und 27 aus Waghäusel), es folgten die „Abstrakten Zeichen“ mit 99, die „Sonstigen“ mit 83, die „Pflanzenmotive" mit 67, die „religiösen Motive: Krone, Kreuz“ mit 32, die „Kirche (sogenanntes redendes Wappen)“ mit 22 und die „Tiermotive“ mit 11 Stimmen.
Am 22. August 1975, vor Beginn der Wappenausstellung, zeichnete der Verwaltungsausschuss, beraten und unterstützt vom Architekten Artur Hassler, 22 der eingereichten Entwürfe aus. Bewertet wurden Originalität, Ideen und Symbolgehalt sowie die Umsetzung der heraldischen Regeln. Nach Ausstellungsende im September erfolgte die Auswertung der abgegebenen Besucher-Fragebogen, deren Bewertungen weitgehend mit der Beurteilung des Verwaltungsausschusses übereinstimmten. Aufgrund des Besuchervotums bekamen noch zwei zusätzliche Arbeiten einen Preis.
In der Gemeinderatssitzung am 9. Oktober betonte Bürgermeister Robert Straub, „dass es dem Verwaltungsausschuß nicht leicht gefallen sei, unter den über 300 Vorschlägen, mit einer Vielzahl überraschend guter Arbeiten, die für eine Auszeichnung in Frage kommenden Lösungen auszuwählen. Man habe deshalb auch auf die Vergabe eines 1., 2. und 3. Preises verzichtet und alle 24 vorgeschlagenen Arbeiten gleichermaßen mit einem Buchpreis ausgezeichnet“. Die eingeladenen Preisträgerinnen und Preisträger erhielten das mit einer persönlichen Widmung versehene „Nordbadenbuch“.
Von den 24 Ausgezeichneten waren 17 weiblich und 7 männlich. Es kamen 13 aus Wiesental, 10 aus Kirrlach und einer aus Waghäusel. 5 Preise gingen an Erwachsene, 19 an Schülerinnen und Schüler, davon waren 10 an der Realschule Wiesental, 5 an der Realschule Kirrlach, 2 an der Schillerschule und je eine an der Bolanden- und der Goetheschule.
Der Weg zum neuen Wappen






Am 20. Oktober 1975 diskutierte der Verwaltungsausschuss die preisgekrönten Entwürfe des Wappenwettbewerbs und entschied, welche dem Generallandesarchiv zur Begutachtung vorgelegt werden sollten. Doch die Hoffnung, schon bald ein neues Wappen zu haben, erfüllte sich nicht.
In den folgenden 1 ½ Jahren wurden Entwürfe entwickelt, beraten und verworfen, sowohl von Waghäuseler Seite wie vom Generallandesarchiv, doch eine Einigung konnte nicht erzielt werden.
Drei Motive rückten dabei in den Mittelpunkt:
1.) Die alten Ortszeichen Herz, Beil und Zuckerhut:
Julius Senger aus Kirrlach hatte für seine graphisch gestaltete Kombination der alten Ortszeichen die mit Abstand meisten Besucherstimmen erhalten. Das Generallandesarchiv lehnte das jedoch aus heraldischen Gründen ab. Im Auftrag des Gemeinderats fertigte er noch weitere Vorschläge an.
2.) Eichenblätter:
Drei silberne Eichenblätter auf blauem Grund waren lange Zeit unter den Favoriten. Die Blätter sollten für die drei Ortsteile stehen und die Eiche für den Lußhardtwald. Allerdings wurde die zu geringe Aussagekraft bemängelt und dass das Eichenblatt in Wappen zu häufig vorkomme.
3.) Die symbolische Darstellung des Namens Waghäusel:
Das Motiv des „redenden Wappens“ zum Häuschen am Wagbach, aus dem sich der Ortsname entwickelte hatte, war in der Besucherwertung nur Vorletzter geworden, die Idee wurde dann aber weiterentwickelt. Das allererste Bauwerk war allerdings kein Haus, sondern ein Bildstock für das Marienbild gewesen. Doch trotz vieler Versuche ließ sich ein Bildstock am Wagbach graphisch nicht angemessen abbilden, ohne zu sehr an einen Leuchtturm zu erinnern. Daher wandelten sich die Entwürfe hin zur Kapelle bzw. Kirche als Hinweis auf die Wallfahrtskirche.
Als Artur Hassler am 1. April 1976 in Bruchsal mit 67 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb, verlor die Gemeinde einen wichtigen Berater in Sachen Wappen. Seine Bemühungen setzte seine Tochter Uta Hassler fort und stellte am 30. August im Verwaltungsausschuss seine von ihr weiter ausgearbeiteten Entwürfe vor, darunter ein Häuschen auf 3 blauen Wellen, das sie favorisierte.
Außerdem wurde als ein Teil des neuen Wappens vielfach das „Speyrer Kreuz“ (silbernes Kreuz auf blau) vorgeschlagen. Dafür sprach, dass Wiesental und Waghäusel Gründungen der Bischöfe von Speyer waren. Dagegen sprach, dass es schon in einigen Wappen der Umgebung verwendet wurde, etwa in Bruchsal, Philippsburg und Hambrücken.
Im Frühjahr 1977 sollte die Suche dann ein Ende finden: Den Auftakt machte der Verwaltungsausschuss am 10. März: Nach ausführlicher Diskussion wählte er aus neuen Entwürfen drei aus, die dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollten.
Am 28. März stellte Bürgermeister Robert Straub dem Gemeinderat die vom Verwaltungsausschuss ausgewählten Wappenvorschläge vor: 1.) Drei silberne Eichenblätter in blauem Feld, 2.) Ein gespaltenes Wappen mit „Speyrer Kreuz“ und roter Kirche in goldenem Feld, als Alternative silberne Kirche im grünen Feld, 3.) „Haus am Wagbach“. In der anschließenden Diskussion wies ein Gemeinderat darauf hin, „daß er nach wie vor einem Entwurf mit den stilisierten ehemaligen Gemeinde-Wappen den Vorzug geben würde“. In der ersten Abstimmung über das Motiv gab es 23 Stimmen für die Nr. 2 sowie eine Gegenstimme. In der folgenden Abstimmung über die Farbe gab es 11 Stimmen für eine rote Kirche in goldenem Feld und 12 Stimmen für eine silberne Kirche in grünem Feld. Hier gab es eine Stimmenthaltung. Das so beschlossene Wappen aus weißem Kreuz auf Blau und weißer Kirche auf Grün hätte zumindest die Farben der Ortsteilwappen weitergeführt.
Am 10. Mai berichtete Bürgermeister Straub dem Gemeinderat, dass das Generallandesarchiv zwar Motiv und Farben akzeptieren würde, es aber einen Verbesserungsvorschlag gemacht hätte, um das Zusammentreffen Farbe auf Farbe (Blau und Grün) zu vermeiden: Es schlug eine Umkehr der Farben im Speyrer Kreuz vor, also ein blaues Kreuz in Silber. Die Gemeindeflagge, deren Farben aus dem Wappen abgeleitet werden, wäre dann entweder weiß-blau oder ausnahmsweise weiß-grün, denn eine blau-grüne Flagge sei nicht möglich.
Der Bürgermeister schlug vor, unter diesen Umständen die rote Kirche in goldenem Feld zu wählen, was auch das Generallandesarchiv für die bessere Lösung hielt. In diesem Falle seien die Gemeindeflagge rot-gelb. Da eine nochmalige Aussprache nicht gewünscht wurde, stimmte man über den Vorschlag ohne Diskussion ab. Es gab 24 Stimmen dafür und eine Gegenstimme.
Am 11. Mai wurden die Unterlagen an das Generallandesarchiv geschickt mit der Bitte um das notwendige Gutachten sowie um Ausfertigung dreier Entwürfe durch einen dortigen Graphiker auf Kosten der Gemeinde zur Vorlage beim Landratsamt. Das Generallandesarchiv gab am 8. September die notwendige positive Stellungnahme ab: „Begutachtung: Das in Zusammenarbeit mit dem Generallandesarchiv Karlsruhe geschaffene Wappen ist inhaltlich begründet und heraldisch einwandfrei.“ Am 12. September konnte der Antrag mit allen Unterlagen abgeschickt werden.
Am 7. November übergab Landrat Dr. Bernhard Ditteney die farbige Wappenzeichnung und die Verleihungsurkunde mit folgendem Wortlaut: „Das Landratsamt Karlsruhe verleiht der Gemeinde Waghäusel nach § 6 Abs. 1 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg das Recht, ein wie folgt beschriebenes Wappen: „In gespaltenem Schild vorn in Gold (Gelb) eine rote Kapelle, hinten in Blau ein durchgehendes geschliffenes silbernes (weißes) Kreuz“ und eine Flagge in den Farben „Rot – Gelb (Rot - Gold)“ zu führen. Karlsruhe, den 26. September 1977“.
„Es ist ein schönes Wappen“, so das Lob des Landrats in der öffentlichen Gemeinderatssitzung mit großem Publikum und Pressevertretern.
Bürgermeister Straub erinnerte nochmals ausführlich an die 2 ½ Jahre dauernde Entstehungsgeschichte von den ersten Entwürfen bis zur Verleihung. Er bedankte sich bei den Schulen und den Erwachsenen, die sich am Wettbewerb beteiligt hatten, ebenso wie bei den Mitgliedern des Gemeinderates. Dank und Anerkennung sprach er auch dem verstorbenen Architekten Artur Hassler und dessen Tochter Uta Hassler für die wertvolle Beratung und Mitarbeit aus. Der ausgewählte Entwurf stammte vom Kirrlacher Julius Senger, der sich mit seiner Kombination der alten Ortszeichen schon erfolgreich am Wappenwettbewerb beteiligt hatte.
„Es ist ein gutes Wappen geworden“, so Robert Straub, der feststellte, dass die Farbkombination als harmonisch und glücklich bezeichnet werden könne und die Verbindung von Kreuz und Kirche in einem Wappen sich in der näheren und weiteren Gegend sonst nicht finde.
„Die Johann-Peter-Hebel-Realschule ist das erste große Werk der Fusionsgemeinde“




In § 10 der Fusionsvereinbarung vom 24. Juni 1974 ist festgehalten: „Die den drei Gemeinden zustehenden Fusionsprämien werden ausschließlich für das „Große Bildungszentrum“ in Waghäusel verwendet.“ Dies waren 800.000 DM.
„Ein stolzer Tag in der Geschichte der jungen Gemeinde Waghäusel“ sei der 9. Dezember 1977, so Bürgermeister Robert Straub in seiner damaligen Ansprache. „Ein Meilenstein in der Entwicklung des Schulwesens“ und „das erste große Werk der Fusionsgemeinde“ sei die neue Johann-Peter-Hebel-Realschule, deren Einweihung nach knapp zweijähriger Bauzeit an diesem Tag gefeiert wurde. Die Realschule hatte am 8. August 1977 mit Beginn des Schuljahres 1977/78 den Unterricht mit 830 Schülerinnen und Schüler sowie 38 Lehrkräften begonnen. „Es sei geradezu ein Schock für die junge Gemeinde gewesen, als unmittelbar nach der Fusion dieses Werk für einige Monate in Frage gestellt gewesen sei“, führte Robert Straub weiter aus.
Die Vorarbeiten für die neue Schule hatte der am 12. Juli 1971 gegründete Zweckverband „Großes Bildungszentrum Lußhardt“ der Gemeinden Kirrlach, Waghäusel und Wiesental geleistet. Am 27. Januar 1975 beschloss dann der Übergangsgemeinderat in seiner dritten gemeinsamen Sitzung einstimmig, dass die Fusionsgemeinde als Rechtsnachfolgerin dieses Zweckverbandes die Trägerschaft für das Projekt übernehmen sollte. In der Sitzung wurde „die Frage aufgeworfen, ob bei Einführung der Oberstufenreform, Verkleinerung des Einzugsbereichs und Eintritt der geburtenschwachen Jahrgänge es noch ratsam sei, an der ursprünglichen Konzeption des „Großen Bildungszentrums“ festzuhalten". Der Gemeinderat bejahte die Frage, „zumal die Dringlichkeit des Baus der Realschule unbestritten“ sei. Auch der vom Zweckverband gewählte Standort im Ortsteil Waghäusel sollte beibehalten werden.
In Wiesental war 1960 und in Kirrlach 1962 jeweils ein zusätzliches zweites Schulgebäude eingeweiht worden (heute Bolandenschule II und Schillerschule). 1960 wurde in Wiesental zudem ein „Mittelschulzug“ eingeführt, aus dem 1966 die „Johann-Peter-Hebel-Realschule“ als erste selbstständige Realschule im Landkreis Bruchsal entstand. 1969 wurde die Kirrlacher Realschule gegründet. Bei wachsenden Schülerzahlen wurden bald zwei Alternativen diskutiert: die Errichtung zweier Schulzentren in Wiesental und Kirrlach oder eines großen Bildungszentrums mit allen weiterführenden Schularten. Die Wahl fiel auf letzteres und am 7. Dezember 1970 erteilte das Kultusministerium die Planungszustimmung.
Der Zweckverband schrieb im Sommer 1972 einen Architektenwettbewerb aus, bei dem die Architektengemeinschaft Bertold Schneider, Gerhard Felix und Horst Hennel aus Karlsruhe und Bad Bergzabern den 1. Preis unter 24 eingereichten Arbeiten gewann und am 4. Januar 1973 den Zuschlag erhielt. Die Planung umfasste fünf Phasen: 1. Bauabschnitt: Realschule mit 18 Normalklassen, 2. Bauabschnitt: Gymnasium mit 24 Normalklassen, 3. Bauabschnitt: Hauptschule mit 15 Normalklassen, 4. Bauabschnitt: Sporthalle (27m x 45m) und Turnhalle (18m x 36m), 5. Bauabschnitt: Mensa.
Am 30. Juli 1974 entschied der Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Waghäusel, dass die Straße zum Bildungszentrum „Gymnasiumstraße“ heißen sollte.
Der Erwerb des gewünschten Grundstücks im Staatsforst zog sich wegen des hartnäckigen Widerstands der Forstbehörde lange hin. Umfangreiche Ersatzpflanzungen mussten geleistet werden.
Am 27. Januar 1975 entschied dann der Fusionsgemeinderat über den 1. Bauabschnitt Realschule, der mit Kosten von rund 5,5 Millionen DM veranschlagt war.
Doch im Frühjahr 1975 wurde das Projekt vom Kultusministerium in Frage gestellt, da – so ist es im Mitteilungsblatt Waghäusel vom 18. April 1975 zu lesen - „Argumente wie Pillenknick, Änderung des Einzugsgebietes, Bau einer Realschule an einem anderen Ort (gemeint war Philippsburg) und fehlende Mittel gegen das seit 1970 (!) genehmigte Objekt in Waghäusel vorgebracht wurden“. Es folgten intensive Bemühungen und Eingaben von Amtsverweser, Gemeinderat, Gemeindeverwaltung, der Rektoren und Elternvertreter aller Waghäuseler Schulen sowie der beiden Landtagsabgeordneten Heinz Heckmann (CDU) und Dr. Friedrich Müller (SPD).
Am 15. April 1975 schließlich stimmte die Landesregierung dem Bau einer dreizügigen Realschule zu.
Mit dem Bau konnte im Oktober 1975 begonnen werden. Bei der Einweihung bezifferte Robert Straub die Gesamtkosten dann auf 9 Millionen DM und bedankte sich für die großzügige Bezuschussung durch das Land Baden-Württemberg und den Landkreis Karlsruhe.
Der Bau der Wagbachhalle




In § 10 der Fusionsvereinbarung vom 24. Juni 1974 steht: „2. Vorhaben der vereinigten Gemeinden, mit deren Ausführung bei Inkrafttreten dieser Vereinbarung bereits begonnen worden ist, müssen planmäßig ausgeführt werden. 3. Für künftige Vorhaben bildet der nachstehende Aufgabenkatalog die Grundlage, soweit die finanziellen Verhältnisse dies zulassen.“ Zur Finanzierung dieses Aufgabenkatalogs heißt es: „Erlöse aus baureifen Grundstücken sollen den einzelnen Ortsteilen erhalten bleiben. Dies soll auch mit Rücklagen … und Erlösen aus Vermögenswerten geschehen.“
Der Aufgabenkatalog sah für Kirrlach den Ausbau des Sportzentrums und für Waghäusel die Weiterführung der Bebauung im Bebauungsplans „Ost und Bildungszentrum“ sowie den weiteren Ausbau der Sportanlagen vor, wobei ausdrücklich festgehalten wurde: diese „sollen uneingeschränkt und in erster Linie dem SSV Waghäusel zur Verfügung stehen.“
Dagegen steht im Aufgabenkatalog für Wiesental der Bau einer Mehrzweckhalle. Die anderen beiden Ortsteile hatten noch vor der Fusion Hallen gebaut, die Rheintalhalle in Kirrlach war am 5. Oktober 1973 und die Sporthalle in Waghäusel am 12. Oktober 1973 eingeweiht worden.
In Wiesental hatte man sich ab 1970 mit Wünschen, die insbesondere von den Vereinen kamen, für den Bau einer Mehrzweckhalle beschäftigt. Noch in seiner letzten Sitzung am 16. Dezember 1974 stimmte der Wiesentaler Gemeinderat für eine Vergabe des Auftrags zum Bau der „Kultur- und Sporthalle“ an die Firma Wolff & Müller in Karlsruhe.
Doch zur Vertragsunterzeichnung kam es erst 11 Monate später, nachdem die Finanzierung durch Waldverkauf an die Deutsche Bundesbahn und Aufnahme in das Konjunkturprogramm 1975 zur Hälfte abgesichert war. Durch letzteres gab es einen Zuschuss von 1,15 Millionen DM sowie ein zinsverbilligtes Darlehen von 460.000 DM der Kreditanstalt für Wiederaufbau.
Der Gemeinderat stimmte am 4. November 1975 dem Vertrag über die schlüsselfertige Erstellung einer Mehrzweckhalle einstimmig zu. Mit dem Baubeginn am 17. November 1975 begann auch die Debatte um die Namensgebung.
Am 30. September 1975 war überraschend Rupert Baumann im Alter von 64 Jahren gestorben. 1970 war ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen worden für seine überaus vielfältigen Leistungen im kulturellen, sportlichen, berufsständischen und kommunalen Bereich, von denen hier nur einige wenige genannt werden können: Er war Gründer, langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft der Wiesentaler Vereine“ (AWV) sowie lange Jahre Gemeinderat, Bürgermeister-Stellvertreter und Kreisrat, über 30 Jahre Vorsitzender des Fußballkreises sowie stellvertretender Vorsitzender des Bruchsaler Sportkreises und Sportausschussvorsitzender des Kreistages, außerdem Vorstand des Gesangvereins „Sängerbund“, des Musikvereins „Harmonie“ und in verschiedenen Funktionen beim FV 1912 engagiert, Hauptverantwortlicher der Sommertagszüge, Organisator zahlreicher Feste und Kämpfer für die Errichtung zeitgemäßer Sportanlagen.
Sowohl die AWV wie die Freie Wählervereinigung forderten, der Halle seinen Namen zu geben wegen seiner großen Verdienste um das Vereinswesen und seines Einsatzes insbesondere für die Erstellung der Halle. CDU- und SPD-Fraktion (damals zusammen 19 von 26 Sitzen im Gemeinderat) wollten dagegen an der bisherigen Praxis aller Ortsteile festhalten, keine öffentlichen Gebäude, Straßen oder Plätze nach örtlichen Persönlichkeiten zu benennen.
Am 6. Oktober 1976 stimmte der Gemeinderat ab: Für den Vorschlag „Rupert-Baumann-Halle“ der Freien Wählervereinigung (7 Sitze) gab es 8 Ja- und 18 Nein-Stimmen. Für den Vorschlag „Wagbachhalle“ der CDU gab es 19 Ja-Stimmen und 7 Nein-Stimmen.
Nach zwölfmonatiger Bauzeit wurde die Wagbachhalle Ende 1976 fertiggestellt. Die Baukosten insgesamt einschließlich der Außenanlagen und Parkplätze beliefen sich auf 4,5 Millionen DM. Die erste Veranstaltung dort war die Weihnachtsfeier des Männergesangvereins Wiesental. Es folgten der Aufstiegskampf des KSV in die Bundesliga und die deutschen Ringermeisterschaften.
Am 14. Mai 1977 wurden die Einweihung und ein Tag der offenen Tür gefeiert. Für die symbolische Schlüsselübergabe stiftete die Firma Wolff & Müller einen überdimensionalen Schlüssel mit den eigenen Initialen W und M im Griff, den Bauingenieur Werner Seitz Bürgermeister Robert Straub überreichte.
Dieser für die Wagbachhalle geschaffene Schlüssel kam in den folgenden 20 Jahren bei Schlüsselübergaben für alle größeren Vorhaben der Fusionsgemeinde zum Einsatz, etwa bei der Einweihung der Realschule im Dezember 1977 oder des gemeinsamen Rathauses 1983 sowie zuletzt bei der Übernahme des Zuckerfabrikgeländes 1997.
Die Gründung der Feuerwehrabteilung Waghäusel


Nur ein paar Monate jünger als die Fusionsgemeinde ist die Feuerwehrabteilung Waghäusel, die am 20. März 1975 gegründet wurde.
In § 9 Absatz 3 der Fusionsvereinbarung vom 24. Juni 1974 stand noch: „Der Feuerschutz im Ortsteil Waghäusel wird durch die Feuerwehrabteilungen der Ortsteile Kirrlach und Wiesental wahrgenommen.“ Wie kam es dazu, wo doch belegt ist, dass schon seit 1849 eine Feuerwehr Waghäusel existierte?
Politisch gehörte der heutige Ortsteil Waghäusel bis 1930 zu Oberhausen, dessen Feuerwehr 1878 gegründet wurde. 1837 hatte sich auf dem Gelände der Eremitage die Zuckerfabrik angesiedelt, die als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor bald große Bedeutung erlangte. Von 1849 an gewährleistete die Werksfeuerwehr für über 120 Jahre sowohl den Brandschutz der Zuckerfabrik wie auch der Waghäuseler Einwohner. Doch im Januar 1973 teilte die Fabrikleitung der Gemeindeverwaltung und dem Landratsamt Karlsruhe mit, dass die Werksfeuerwehr nicht mehr existiere, die Löschgeräte aber noch vorhanden seien.
Das Landratsamt forderte daraufhin von der Gemeinde, bis spätestens 1. Oktober 1973 entsprechend dem Feuerwehrgesetz eine leistungsfähige Feuerwehr mit einer Stärke von 20 bis 25 Mann aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten. Vorhanden war bereits ein LF 8 (= Löschgruppenfahrzeug) bei der Fabrikfeuerwehr, das die Gemeinde bezahlt hatte und das weiter verwendet werden sollte. Bis zur Einsatzfähigkeit der Gemeindefeuerwehr sollte Waghäusel Vereinbarungen mit Oberhausen und Kirrlach treffen, damit deren Feuerwehren gegen Kostenübernahme solange den Brandschutz übernahmen, was auch geschah.
Der Gemeinderat beschloss im Juli 1973: „Es ist bekannt, daß die Gemeindereform kurz vor dem Abschluss steht. Es wird deshalb für sinnlos gehalten zum jetzigen Zeitpunkt noch Geld in die Aufstellung einer eigenen Feuerwehr zu investieren.“ Die Südzucker sollte zusätzlich einen privaten Lösch- und Rettungsdienst für die Zuckerfabrik beauftragen, was jedoch nicht erfolgte.
Mit der Gemeindefusion trat die Brandschutzvereinbarung mit Oberhausen außer Kraft. Doch am 14. März 1975 schloss Waghäusel eine neue Vereinbarung über den Brandschutz für Zuckerfabrik und Kloster durch die Feuerwehren von Oberhausen-Rheinhausen. Diese war bis zum 31. Dezember 1976 befristet und sollte sich ohne Kündigung jeweils um ein Jahr verlängern.
Wenige Tage später gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Abteilung Waghäusel. Sieben Monate zuvor – und damit noch vor der Fusion - am 23. August 1974 war es zu einem Brand in einem Haus in der damaligen Waghäuseler Lußhardtstraße (heute Styrumstraße) gekommen, der weitgehend durch Selbsthilfe der Nachbarschaft gelöscht werden musste und der Mängel im Alarmsystem offenlegte. Wenige Tage später sammelten die Waghäuseler Unterschriften für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr und übergaben diese zusammen mit kritischen Fragen Anfang September 1974 ihrem Gemeinderat.
Die Fusionsgemeinde übernahm die Problematik und lud am 14. März 1975 über das Mitteilungsblatt ein: „Aufstellung eines Löschzugs im Ortsteil Waghäusel… In einem Gespräch zwischen Amtsverweser Robert Straub, Kreisbrandmeister Wolf und den Feuerwehrkommandanten der Ortsteile Kirrlach und Wiesental, Würges und Baumann, wurde die Notwendigkeit herausgestellt, im Ortsteil Waghäusel einen Löschzug aufzustellen. Diesem Löschzug kann nach abgeschlossener Ausbildung das neue Löschfahrzeug zur Verfügung gestellt werden. Alle interessierten jungen Männer im Ortsteil Waghäusel sind auf Donnerstag, 20.3.1975, 19 Uhr zu einem Gespräch mit Amtsverweser Straub und den Kommandanten Baumann und Würges in den Bürgersaal des Rathauses im Ortsteil Waghäusel eingeladen.“ Bei dieser Sitzung wurde die Feuerwehrabteilung Waghäusel aus der Taufe gehoben.
Bis zur Wahl des ersten Abteilungskommandanten Otmar Klevenz fungierte Franz de Ponte als Obmann. Aus gesundheitlichen Gründen musste Otmar Klevenz im Dezember 1976 sein Amt an Josef Blattner abgeben.
Im September 1975 entschied der Gemeinderat, für den nun 15 Mann starken Löschzug Ausstattung anzuschaffen. Im November 1975 beantragte die Feuerwehrabteilung die Kosten für eine Fahrzeugunterstellhalle in den Gemeindehaushalt aufzunehmen. Doch zunächst war kein Geld da und das Löschfahrzeug musste weiter in der Zuckerfabrik stehen. Im Juni 1980 konnte nach 15-monatiger Bauzeit mit 2.100 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden der Feuerwehrleute das neue Gerätehaus mit einem mehrtägigen Fest und einer Großübung eingeweiht werden. 1982 folgte die Gründung der Jugendfeuerwehr.
Der Weg zur Gesamtfeuerwehr

Als letzte Gemeinde im Landkreis Karlsruhe vollzog Waghäusel die im Feuerwehrgesetz geforderte Zusammenführung der Ortsteil-Wehren. Eine Satzung hatte die Wehren gemeinsam erarbeitet und am 7. Februar 1977 dem Gemeinderat vorgelegt.
Am 24. März 1979 gründeten die Mitglieder der drei Ortsteil-Wehren dann auf einer Versammlung im Sängerheim des Liederkranz Kirrlach die Gesamtfeuerwehr Waghäusel. Zum ersten Kommandaten wurde Ewald Baumann (1927-2014) gewählt, seit 1952 aktives Mitglied der Feuerwehr Wiesental. Er hatte das Amt bis zu seinem Rücktritt 1987 inne und wurde erster Ehrenkommandant der Stadt Waghäusel.
Die Gründung der Musikschule



Eine der ersten Vereinsgründungen für die gesamte neue Gemeinde Waghäusel war die Musikschule, die 2025 ebenfalls 50 Jahre alt wird. Sie feiert dieses Jubiläum das ganze Jahr über mit zahlreichen Veranstaltungen und einem Festakt im Oktober. In fünf Jahrzehnten hat sie bei vielen Kindern die Begeisterung für die Musik entfacht, zahlreiche Preisträger ausgebildet und etliche auch beruflich zur Musik gebracht.
Am 18. Juni 1975 trat die „Satzung der Musik- und Singschule Waghäusel e.V.“ in Kraft. Der Gemeinderat hatte der Gründung auf seiner Sitzung am 11. Juni einstimmig zugestimmt. Am 19. Juni schloss der neue Verein mit der Gemeinde einen Vertrag, nach dem die Gemeinde sich an der Finanzierung der Musikschule beteiligt und Unterrichts- und Geschäftsräume zur Verfügung stellt. Von Anfang an gehörte laut Satzung der Waghäuseler Bürgermeister (später der Oberbürgermeister) dem Vorstand der Musikschule als stimmberechtigtes Mitglied an. Seit dem Beitritt von Hambrücken zur Musikschule gilt dies ebenfalls für den dortigen Bürgermeister.
Bereits 1973 hatte Wiesental Verhandlungen über die Einrichtung einer Außenstelle der 1969 gegründeten Jugendmusikschule Bruchsal geführt, die sich allerdings durch den Weggang der vorgesehenen Lehrkraft zerschlugen.
Im März 1975 trafen sich auf Einladung von Amtsverweser Robert Straub die Schulleiter und Elternbeiratsvorsitzenden aller Waghäuseler Schulen im Bürgersaal des Wiesentaler Rathauses. Ein Tagesordnungspunkt war die mögliche Gründung einer Musikschule mit Arbeitsbeginn zum kommenden Schuljahr. Philipp Heiler, Elternbeiratsvorsitzender der Goetheschule Kirrlach, und Hans Weisbarth, Rektor der Bolandenschule Wiesental, führten Vorgespräche mit dem Präsidenten des Landesverbandes Deutscher Musikschulen, dem Staatssekretär und Landtagsabgeordneten Heinz Heckmann. Der Gemeinderat begrüßte die Initiative von Rektoren und Eltern. Im Mai folgten in allen drei Ortsteilen Informationsabende für interessierte Eltern über Zweck und Ziele einer Musikschule mit lebhaften Diskussionen und der Werbung von Mitgliedern für den künftigen Verein.
Bei der Gründungsversammlung im Juni wurde der erste Vorstand gebildet. Diesem gehörten an: Philipp Heiler als Vorsitzender, Rektor Hans Weisbarth als dessen Stellvertreter, Ratschreiber Robert Arbogast als Geschäftsführer sowie Rektor Heinz Schebek und Architekt Nikolaus Haag als gewählte Mitglieder, außerdem Bürgermeister Robert Straub und als musikalischer Leiter Manfred Keller, der die Musikschule zunächst neben- und ehrenamtlich leitete.
Weitere Gründungsmitglieder waren: Bürgermeisterstellvertreter Vinzenz Trunk, die Rektoren Willibald Brechter, Dietmar Brennfleck, Günter Jakob und Ludwig Müller sowie Thomas Groß, Wilhelm Ruhland, Horst Senger, Helmut Schönecker, Konrad Stegmüller und Armin Wittemann.
In einer ersten Befragung hatten über 400 Kinder ihr Interesse bekundet. Auf das größte Interesse stießen tänzerische Gymnastik und Ballett, gefolgt von Klavier, Gitarre und Flöte sowie Chorgesang.
Die Nachfrage und das Interesse am Unterricht waren so überraschend groß, dass verstärkt nach Lehrkräften gesucht werden musste.
Als am 1. Oktober 1975 die Musikschule den Unterricht aufnahm, lag die Schülerzahl bei über 500, darunter auch zahleiche Auswärtige. Unterrichtet wurde in den Räumen der Schulen in allen drei Ortsteilen und dann auch in der Hambrücker Schule.
Die Musikschule konnte von Anfang an auf die Unterstützung der Schulen, Vereine sowie der „außerordentlich musikalischen und sangesfreudigen Bevölkerung“ (so Bürgermeister Robert Straub 1976) bauen. Eine Spendenaktion zum Kauf eines Konzertflügels brachte 1976 innerhalb von sechs Wochen über 10.000 Mark zusammen. 1986 schlossen Musikvereine und Musikschule auf Initiative von Stadtrat Artur J. Hofmann eine dauerhafte Kooperationsvereinbarung ab.
Nach sechs Monaten Unterricht gab es den ersten großen Auftritt in der Öffentlichkeit: Am Sonntag, den 21. März 1976, veranstaltete die Musikschule ihre offizielle Gründungsfeier mit über 2.000 Besucherinnen und Besuchern in der vollbesetzten Rheintalhalle.
Zum 1. Januar 1977 erhielt die Musikschule dann mit Generalmusikdirektor Albert Grünes den ersten hauptamtlichen musikalischen Leiter.
Nach dem Bau des neuen Rathauses und der dortigen Zusammenführung der Gemeindeverwaltung 1983 wurden die früheren Rathäuser in den Ortsteilen frei. Als erste Entscheidung zu diesem Thema fasste der Gemeinderat im Juli 1983 einstimmig den Beschluss, das alte Rathaus Waghäusel künftig ganz der Musikschule zur Verfügung zu stellen. Diese hatte bis dahin bereits ihren Verwaltungssitz dort gehabt und den Bürgersaal für kleinere Konzerte genutzt. Nach über 20 Jahren dort zog die Musikschule dann 2005 ins heutige Gebäude im Gewerbepark Eremitage.
Seit 2002 wird die Musikschule von ihrem Förderverein unterstützt, der sich auch für den Unterricht für besonders Begabte ebenso wie sozial Schwache engagiert.
Die neuen Straßennamen zum 1. Januar 1975


Mit der Fusion wurden insgesamt 53 vorhandene Straßen unbenannt, hauptsächlich, weil es die Straßennamen doppelt oder gar dreifach (Lußhardt-, Friedens-, Goethe- und Schillerstraßen in allen Ortsteilen) gab. In Kirrlach und Waghäusel erhielten 17 Straßen neue Namen, in Wiesental sogar 19. In Teilen von Wiesental wurden 1983 außerdem die Hausnummern geändert.
Im Rahmen der Vorbereitung der Fusion verhandelten die Vertreter der drei Gemeinden im Herbst 1974 auch darüber, welcher Ortsteil welche Straßennamen ändern oder behalten sollte. Über die neuen Straßennamen entschieden die Gemeinderäte von Kirrlach, Waghäusel und Wiesental noch getrennt und eigenständig.
Den Anfang machte der Kirrlacher Gemeinderat in seiner Sitzung am 29. Oktober 1974. Im Protokoll wurde festgehalten: „Bei den Beratungen über die neue Namensfindung wählte der Gemeinderat als Ersatz für das bisher nach Komponisten benannte Wohngebiet zwischen Richard-Wagner-Straße und Haydnstraße die Namen badischer Städte. Die Partnerschaft mit unserer Patengemeinde Flattach fand in der Namensgebung für Frieden- und Lußhardtstraße ihren Niederschlag. Im Anschluß an das Neubaugebiet „Unteres Hühnerlöchle“ liegende Straßen erhielten wie diese Bezeichnungen von Gebirgszügen.“
Neue Straßennamen in Kirrlach seit dem 1. Januar 1975:
Ahornstraße (vorher Schützenstraße), Brettener Straße (vorher Richard-Wagner-Straße), Bruchsaler Straße (vorher Karlsruher Straße), Bühler Straße (vorher Parkstraße), Eifelstraße (vorher Hebelstraße), Ettlinger Straße (vorher Schumannstraße), Flattacher Straße (vorher Friedenstraße), Freiburger Straße (vorher Wiesenstraße), Gutenbergstraße (vorher Schulstraße), Hockenheimer Straße (vorher Silcherstraße), Hunsrückstraße (vorher Schubertstraße), Kärntener Straße (vorher Lußhardtstraße), Konstanzer Straße (vorher Brucknerstraße), Offenburger Straße (vorher Beethovenstraße), Rastatter Straße (vorher Haydnstraße), Rundweg (vorher Ringstraße), Schwetzinger Straße (vorher Mannheimer Straße).
Knapp zwei Wochen später entschied der Wiesentaler Gemeinderat in der Sitzung am 11. November 1974 über die dortige Umbenennung. Die Vorschläge waren von der Schule ausgearbeitet worden. Nach kurzer Diskussion legte man die neuen Namen fest. Die Abstimmung darüber ergab 14 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 1 Enthaltung.
Neue Straßennamen in Wiesental seit dem 1. Januar 1975:
Adlerstraße (vorher Benzstraße), Albert-Schweitzer-Straße (vorher Schillerstraße), Am Bellenplatz (vorher Am Bellenloch), Bannwaldstraße (vorher Waldstraße), Behringstraße (vorher Goethestraße), Bussardstraße (vorher Dieselstraße), Caldicotstraße (vorher Blumenstraße), Dresdener Straße (vorher Lilienstraße), Erfurter Weg (vorher Tulpenstraße), Falkenstraße (vorher Daimlerstraße), Habichtstraße (vorher Draisstraße), Jenaer Weg (vorher Nelkenstraße), Kettelerstraße (vorher Kolpingstraße), Kirchstraße (vorher Oberdorfstraße), Leipziger Straße (vorher Asternstraße), Magdeburger Straße (vorher Rosenstraße), Robert-Koch-Straße (vorher Gartenstraße), Sperberstraße (vorher Zeppelinstraße), Wagbachstraße (vorher Unterdorfstraße).
Wiederum fast zwei Wochen später wurden die Straßenumbenennungen vom Waghäuseler Gemeinderat in der Sitzung vom 27. November 1974 festgelegt. Im Protokoll steht: „Herr Hubert schlägt vor, die Straßen im alten Ortsteil nach historischen Personen, die zum Ort oder dem Kloster Verbindung hatten, zu benennen und legte hierzu eine Liste vor. Bei der folgenden Diskussion wurde dem Vorschlag zugestimmt. Die Straßen des Neubaugebietes sollen nach einzelnen Bergen der Umgebung benannt werden, da Gebirgs-, Flüsse und Städtenamen bereits von Kirrlach und Wiesental verwendet werden.“
Neue Straßennamen in Waghäusel seit dem 1. Januar 1975:
Am Kloster (vorher Mannheimer Straße), Belchenstraße (vorher Kinzigstraße*), Bonhoefferstraße (vorher Lessing*-/Schulstraße), Feldbergstraße (vorher Parkstraße*), Hardtweg (vorher Hardtstraße*), Haslacher Straße (vorher Bahnhofstraße*), Kalmitstraße (vorher Saalbachstraße*), Kniebisstraße (vorher Kraichgaustraße*), Marienstraße (vorher Waldstraße), Markgrafenstraße (vorher Hans-Thoma-Straße*), Prinz-Eugen-Straße (vorher Goethestraße), Schönbornstraße (vorher Friedenstraße), Steinsbergstraße (vorher Pfinzweg*), Styrumstraße (vorher Lußhardtstraße), Trifelsstraße (vorher Rheinstraße*), Wiesentaler Straße (vorher Schillerstraße).
In Waghäusel hatte der Gemeinderat noch kurz vor der Fusion in der Sitzung am 30. Juli 1974 für insgesamt 12 Straßen im damalige Neubaugebiet Namen vergeben, von denen 10 dann schon zum 1. Januar 1975 wieder umbenannt werden mussten. Nur die Schwimmbad- und die Gymnasiumstraße konnten ihre Bezeichnungen behalten. Die Straßennamen, die in Waghäusel nur von Juli bis Dezember 1974 existierten, sind in der obigen Aufzählung mit einem Sternchen versehen.
Der erste gemeinsame Ehrenbürger



In § 2 der vom Gemeinderat beschlossenen Ehrenordnung der Stadt Waghäusel steht: „Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat. Die Verleihung soll grundsätzlich eine Seltenheit darstellen. Sie soll ferner nur dann in Frage kommen, wenn im Gemeinderat hierüber Übereinstimmung besteht.“ Nach § 6 der Ehrenordnung haben Gemeinderat und Bürgermeister das Vorschlagsrecht, die Entscheidung über eine Verleihung liegt beim Gemeinderat.
Fünf Jahre nach der Fusion entschied sich die neue Gemeinde zum ersten Mal, diese höchste Auszeichnung zu vergeben.
Am 21. April 1980 wurde im Verwaltungsausschuss die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den langjährigen katholischen Pfarrer von Wiesental und Geistlichen Rat Valentin Brenzinger vorgeschlagen. Am 30. Juni folgte der einstimmige Beschluss des Gemeinderats, ihn so anlässlich seines 70. Geburtstags im August für seine Verdienste um Wiesental auszuzeichnen.
Im August 1980 fand die Geburtstagsfeier mit zahlreichen Ehrengästen und Gratulanten in der voll besetzten Wagbachhalle statt, die der Wiesentaler Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Schulrektor Hans Weisbarth moderierte. Bürgermeister Robert Straub hielt die Laudatio und überreichte die Ehrenbürgerurkunde mit Datum vom 11. August.
Valentin Brenzinger wurde am 11. August 1910 in Balzfeld, das politisch zu Horrenberg gehörte (beides heute Ortsteile von Dielheim), geboren.
Valentin Brenzinger besuchte das Paulusheim in Bruchsal, studierte nach dem Abitur Theologie in Freiburg und wurde dort im März 1937 zum Priester geweiht. Anschließend war er als Kaplan in Dossenheim und Ottersweier und als Pfarrvikar ab Januar 1939 in Mannheim an der Pfarrei der Jesuitenkirche, wo er die Bombadierung im Zweiten Weltkrieg erlebte.
Nach einer kurzen Zeit in Ziegelhausen kam Valentin Brenzinger im Oktober 1947 zunächst als Pfarrverweser, dann als Pfarrer nach Wiesental, wo er 34 Jahre Seelsorger war.
In seiner Amtszeit setzte er sich für den Wiederaufbau der durch den Bombenangriff vom 21. Januar 1945 bis auf die Außenmauern zerstörten St. Jodokus-Kirche ein, die im Herbst 1949 wieder eingeweiht werden konnte.
Weitere Baumaßnahmen waren der Neubau zweier Kindergärten - und zwar 1970 „Don Bosco“ mit damals 120 Plätzen und 1975 „St. Franziskus“ mit damals 180 Plätzen - sowie die Renovierung des Pfarrsaals 1976 und zwei Kirchenrenovierungen.
Er bemühte sich auch um die damalige Kinderkrippe in der Schanzenstraße, die zu dieser Zeit die einzige im ehemaligen Landkreis Bruchsal war.
Er war Mitbegründer der Modellsozialstation "Untere Hardt e.V.", die im September 1975 in von der katholischen Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellten Räumen in Wiesental ihre Arbeit aufnahm.
Zum 1. Mai 1981 ging er im Alter von 71 Jahre in den Ruhestand. Zu seiner Verabschiedung am 17. Mai, an der alle kulturellen Vereine Wiesentals mitwirkten, kamen an die 1.000 Menschen in die Wagbachhalle. Zahlreiche Redner hoben insbesondere das soziale Engagement Pfarrer Brenzingers hervor, der an diesem Tag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Sie lebten in dieser Gemeinde, um zu dienen, nicht um sich bedienen zu lassen“, so Bürgermeister Robert Straub.
Valentin Brenzinger zog dann nach St. Leon-Rot, wo er 5 Jahre später kurz vor seinem 76. Geburtstag überraschend und unerwartet starb. Er wurde auf dem Friedhof St. Leon im Priestergrab beigesetzt. Seine Beerdigung am 30. Juli 1986 fand unter großer Anteilnahme statt. Zusammen mit der Familie und vielen Geistlichen nahmen zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner von Balzfeld, Wiesental und St. Leon von ihm Abschied. Am Requiem in der Pfarrkirche St. Leon nahmen die Kirchenchöre Wiesental und St. Leon, Fahnenträger der Vereine beider Orte sowie ein gemeinsamer Chor der beiden Wiesentaler Männergesangvereine teil. An das Requiem schlossen sich in der Kirche Ansprachen zu seinen Ehren an, zu den Rednern gehörten auch die Bürgermeister von Waghäusel und St. Leon-Rot. In einer großen Prozession wurde der Sarg dann zum Friedhof überführt.
Auf dem Wiesentaler Friedhof erinnert seit 1994 ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel an den ersten Ehrenbürger.







