Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Leider ist es so gekommen wie befürchtet: Die auf Ende November befristeten Corona-Einschränkungen können nicht aufgehoben werden. Sie haben offensichtlich nicht so viel bewirkt wie erhofft.

Als am 19.November hier bei uns in Waghäusel 99 aktive Corona-Fälle amtlich gemeldet wurden, der höchste Wert überhaupt bisher, hat mich das erschüttert. Oft wurde ich nach den Ursachen gefragt, ob es denn Hotspots gäbe, bestimmte Bevölkerungsgruppen, bestimmte Altersgruppen, bestimmte Lebensgewohnheiten, nach einer Systematik. All das ließ und lässt sich nicht erkennen. Die Waghäusler Infizierten sind zwischen 1 und über 80 Jahre alt: 18 Prozent sind zwischen 1 und 20 Jahre alt, 34 Prozent zwischen 21 und 40 Jahre, 35 Prozent zwischen 41 und 60 Jahre und 13 Prozent über 60 Jahre.
 
Über 600 sogenannte Kontaktpersonen mussten von uns seit 1. Oktober angeschrieben werden, mit der Aufforderung, sich in Quarantäne zu begeben. Diese Kontaktpersonen können wir übrigens erst dann benachrichtigen, wenn wir vom Gesundheitsamt die notwendigen Daten erhalten, weshalb es in manchen Fällen zu zeitlichen Verzögerungen kommt. Aber auch diese „verspäteten“ Anordnungen müssen wir versenden, damit z.B. betroffene Eltern für die durch die Anordnung notwendige Kinderbetreuung den Verdienstausfall vom Arbeitgeber erhalten. Alles ist kompliziert im Moment und für die Betroffenen manchmal nicht nachvollziehbar.
 
Drei der Kindergärten und vier unserer Schulen hatten bisher Corona-Fälle zu vermelden – in allen drei Ortsteilen übrigens. Insgesamt musste unser Ordnungsamt bisher 21 Mal Geldbußen wegen Corona-Verstößen verhängen, unbestritten nicht schön, spricht aber meines Erachtens für die Vernunft der großen Mehrheit.
 
Am vergangenen Mittwoch haben Bund und Länder nun noch weitergehende, noch härtere Schritte im Kampf gegen die Corona-Pandemie vereinbart. Insbesondere die Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht wurden weiter verschärft. Diese Einschränkungen werden laufend überprüft und sind befristet, aber realistischer Weise werden sie uns vermutlich bis ins neue Jahr 2021 begleiten.
 
Das ist hart, das ist sehr hart. Die Maßnahmen gegen Corona sind einschneidend, Disziplin und Geduld fallen immer schwerer, je länger es dauert. Ich kenne niemanden, den die Beschränkungen kalt lassen. Immer größer werden Einsamkeit, Sorge um den Arbeitsplatz und Angst vor der Zukunft.
 
Bei manchen wird leider auch die blinde Wut und die Verbohrtheit immer größer. Auch unser Rathaus erreichen Schreiben von Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und selbst ernannten Experten.
Erschüttert haben mich die Szenen aus dem deutschen Bundestag vom 18.11.2020, als sogenannte „Gäste“ der AfD dort Abgeordnete und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedrängten, beleidigten, beschimpften und das Ganze mit ihren Handys filmten.
Wenn gerade solche Menschen sich bei ihren Demonstrationen und Beiträgen auf das Grundgesetz und seine Werte berufen, dann ist das offensichtlich dreist gelogen. Wer austeilt, sollte auch einstecken können, so heißt es. Ich habe mich in den letzten Jahrzehnten als Gemeinderat, Landtagsabgeordneter und Oberbürgermeister etlichen Sachdiskussionen gestellt, in denen auch mit harten Bandagen gekämpft wurde. Damit hat so ein Verhalten aber rein gar nichts zu tun. Wenn es nur noch um die Provokation geht, um das Einschüchtern, Vorführen und Lächerlich machen des Gegenübers, dann kann niemand mehr ohne Angst offen und frei sprechen und diskutieren. Wenn man dem Gegenüber Würde und Menschlichkeit abspricht, dann ist der Weg zur Gewalt nicht mehr weit. Ich halte das für sehr gefährlich und deshalb ist es Pflicht jedes Demokraten, diesen Auswüchsen entgegen zu treten.
Und deshalb müssen wir uns auch bewusst sein, dass wir nur gemeinsam diese schwere Zeit, in der wir uns befinden, bewältigen können, wenn wir uns mit Anstand und Respekt begegnen.
 
Deutschlandweit hat die Zahl der Corona-Toten mit über 400 an einem Tag in dieser Woche leider einen traurigen Höchststand erreicht.
Mit fast 3.000 Toten pro Tag ist COVID-19 nach Angaben der EU-Kommission Todesursache Nummer eins in der vergangenen Woche in der Europäischen Union gewesen. Was für schreckliche Zahlen, was für traurige Schicksale.
 
Weltweit werden große gemeinsame Anstrengungen unternommen, um die Forschung und die Entwicklung eines Impfstoffs voran zu treiben. Erste vielversprechende Ergebnisse wurden nun bekannt gemacht. Es gibt Anlass zum Optimismus, dass es bis Anfang 2021 eine Zulassung für einen Impfstoff in Europa geben wird. Die Bundesländer arbeiten gerade daran, Impfzentren bereits ab Mitte Dezember einsatzbereit zu halten. In Baden-Württemberg sollen dafür neun Zentrale Impfzentren aufgebaut werden, in denen pro Tag mindestens 1.500 Menschen geimpft werden können. Vorgesehen sind zwei Standorte in Stuttgart sowie je einer in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Offenburg, Ulm, Schwäbisch Hall und Tübingen/Reutlingen. Ab Mitte Januar sollen dann in jedem Landkreis ein oder zwei Impfzentren entstehen, außerdem sind mobile Teams vorgesehen, die mit dem Impfstoff zu Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen fahren. Im Frühjahr will sich das Land dann aus der Impfaktion zurückziehen und die Haus- und Fachärzte damit betrauen. Eine Impfpflicht soll es nicht geben. Ich rechne mit einer hohen Impfquote, denn für die meisten von uns ist ein Impfstoff das erhoffte Mittel zur Überwindung der Pandemie.
 
Die Corona-Maßnahmen werden uns noch eine Weile begleiten und es wird nicht leicht. Aber es gibt Hoffnung und viel Licht am Ende des Tunnels, da bin ich mir ganz sicher.
 
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Anfang November dazu aufgerufen: „Halten wir Abstand, aber halten wir zusammen!“
 
Lassen Sie uns in dieser trüben Zeit in diesem Sinne auf andere zugehen gegen Einsamkeit, Traurigkeit und Wut. Telefonieren Sie, schreiben Sie, schicken Sie Pakete und ganz viele freundliche Worte.
 
Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft in diesen besonderen Tagen. Passen Sie gut auf sich und Ihre Mitmenschen auf und bleiben Sie bitte alle gesund.
 
Ihr Oberbürgermeister Walter Heiler sowie das gesamte Team der Stadtverwaltung mit allen Außenstellen und Zweckverbänden

(Erstellt am 27. November 2020)

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