Walter Heiler tritt bei den Oberbürgermeisterwahlen 2022 nicht mehr an

Nach 23 Jahren als Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister von Waghäusel wird Walter Heiler bei den Wahlen am 6. März 2022 nicht mehr antreten.

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leichtgemacht, da ich mit Herzblut Kommunalpolitiker bin und mir die Arbeit nach wie vor große Freude macht. Aber irgendwann gilt es, einen Schlussstrich zu ziehen, und ich bin überzeugt, dass für diese Entscheidung jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist“, so Walter Heiler.
 
Nach dann 42 aktiven Jahren in der Waghäuseler Kommunalpolitik ist für den gelernten Juristen Schluss. Seine Amtszeit endet am 31. Mai 2022, da er in diesem Monat seinen 68. Geburtstag feiern wird. Nach geltendem Recht könnte er nochmals kandidieren, verzichtet nun aber darauf.
 
„Es ist gut, dass demokratische Ämter nur auf Zeit vergeben werden und immer wieder neu bestätigt werden müssen. Das Vertrauen, das mir eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler in all den Jahren geschenkt hat, hat mich dankbar und auch stolz gemacht. Das war und ist mir Ansporn, mich zum Wohl der Stadt und der Menschen einzusetzen“, betont Heiler.
 
Die Zusammenarbeit im Gemeinderat bezeichnet er als durchweg konstruktiv. „Die Sozialdemokraten hatten ja nie eine Mehrheit im Rat, und so musste ich mir immer Mehrheiten suchen und dafür auch Kompromisse eingehen. In unserer Demokratie ist dies ein ganz normaler Vorgang. Demokratie, insbesondere in der Kommunalpolitik, lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen,“ ist sich Heiler sicher. Mitglied in der SPD ist er seit 42 Jahren und er ist stolz auf seine Partei, den Ortsverein und die Gemeinderatsfraktion.
 
Was ihm fehlen wird, ist die gute Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, in allen städtischen Einrichtungen und den Zweckverbänden, die mit Engagement und Pflichtgefühl in vielfältigen Bereichen ihren Beitrag für eine funktionierende und gut aufgestellte Stadt leisten. Sehr am Herzen liegt ihm die hervorragende Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr, der er als Ortsoberhaupt besonders verbunden ist.
 
Ebenso dankbar ist er für das großartige beispielhafte ehrenamtliche Engagement in Waghäusel, auf das er in seiner ganzen Amtszeit zählen konnte und das so vieles im karitativen, sportlichen und kulturellen Bereich möglich macht, was die Stadtverwaltung allein für die Menschen gar nicht anbieten und leisten könnte.
 
Seine Amtszeit war und ist angefüllt mit Herausforderungen, Veränderungen und jeder Menge Arbeit. Waghäusel konnte 2003 endlich die Einstufung als Unterzentrum erreichen und wurde 2013 zur damals 93. Großen Kreisstadt in Baden-Württemberg. Damit kamen neue Aufgaben hinzu, seither darf aber auch mehr vor Ort von der Stadtverwaltung selbst entschieden werden. Wobei Heiler darauf hinweist, dass es in der Kommune nie um das reine Umsetzen der Gesetze und Verordnungen geht, sondern stets die Menschen im Mittelpunkt stehen.
 
Während seiner Amtszeit stieg die Einwohnerzahl von 19.600 auf rund 21.800.
Die Stadt konnte neue Baugebiete mit über 800 Bauplätzen in Wiesental und Kirrlach ausweisen.
 
Ebenso wuchsen die Beschäftigungsmöglichkeiten dank eines starken örtlichen Gewerbes.
„Wir hatten vor rund 15 Jahren etwa 5.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze am Ort, heute sind es 7.500. Dies ist nicht zuletzt der erfolgreichen Ausweisung neuer und der Erweiterung bestehender Gewerbegebiete auf heute insgesamt acht Standorten sowie einer aktiven Ansiedelungspolitik zu verdanken“, stellt Heiler stolz fest.
So konnte etwa die Firma Elektror gehalten werden und den Standort ausbauen. Auch konnte nach der Auflösung des Bundeswehr-Munitionsdepot Kirrlach durchgesetzt werden, dass vorhandene Gebäude einer gewerblichen Weiternutzung zugeführt statt abgerissen wurden.
Als einen besonderen Erfolg bezeichnet er die Ansiedelung des dm-Verteilzentrums im Jahr 2004 mit heute fast 1.000 Arbeitsplätzen. Denn damals konnte Waghäusel in einem Bewerberfeld von exakt 100 Kommunen die besten Argumente vorbringen. Sogar der Firmengründer Götz W. Werner war seinerzeit zu einem Vier-Augen-Gespräch ins Rathaus gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen.
 
Zu den größten Projekten in Heilers Amtszeit gehört die Umwandlung des ehemaligen Zuckerfabrikgeländes. Hier entstand einerseits der Gewerbepark und andererseits wurde die denkmalgeschützte Schlossanlage der Eremitage saniert und damit aufgewertet. In und um die Eremitage kann seither geheiratet werden, das Gebäude wurde für Führungen zugänglich gemacht und seit 2020 gibt es im Obergeschoss ein Museum. In der Nachbarschaft zog 2005 die Musikschule Hambrücken-Waghäusel in ein ehemaliges Fabrikgebäude. Bei der Eremitage angesiedelt wurden auch eine Galerie und die Astronomiefreunde mit ihrer 2019 eingeweihten Sternwarte. Nach der Neugestaltung der Außenanlagen einschließlich der Verlegung und Renaturierung des Wagbachs konnte 2016 der Eremitagepark mit Gartenanlage, Waldpark und Festwiesen eingeweiht werden. Die Eremitage hat sich zum beliebten Ausflugs- und Veranstaltungsort entwickelt, auf den schon seit 2006 eine Hinweistafel an der Autobahn A5 hinweist.
 
Auch in Waghäusel entstehen inzwischen jedes Jahr neue Einrichtungen für Kinder. Nur einen einzigen von der Stadt betriebenen Kindergarten gab es zu Heilers Amtsantritt. Seither wurden mit „Storchennest“, „Nesthäkchen“ und „Wiesenwichtel“ drei neue Betreuungseinrichtung gebaut, die vierte ist im Entstehen. Selbst eine Mobile Einrichtung im Container gibt es derzeit. Insgesamt finanziert die Stadt in unterschiedlicher Weise aktuell 13 Kinderkrippen und Kindertagesstätten, zuletzt konnte der Waldkindergarten eingeweiht werden. Dieses gute Angebot bedeutete für die Stadt auch stetig steigende hohe Ausgaben. Hier appelliert Heiler zum wiederholten Mal an Bund und Land, die Kosten für von ihnen geschaffene Ansprüche zu übernehmen.
 
Ebenfalls große Veränderungen erlebte die Schullandschaft in Waghäusel mit der Einführung der Ganztagsbetreuung, der Schulsozialarbeit und der Gemeinschaftsschule. Für den AWO-Schülerhort konnte auf städtischem Gelände in Kirrlach ein neues Gebäude errichtet werden, das vor kurzem bezogen wurde.
2003 konnte das „Wawiki“ als Jugendzentrum für ganz Waghäusel eröffnet werden.
 
Als wertvolle Freizeiteinrichtung für alle konnte das Rheintalbad, eines der schönsten Schwimmbäder der Region, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, attraktiv erhalten werden. 2002 zwangen schwere Deckenschäden zur Schließung des Hallenbades, um die Sanierung wurde gestritten, 2007 konnte es endlich wiedereröffnet werden. Das Freibad wurde einer kompletten Sanierung unterzogen mit Edelstahlbecken und einem völlig neuen Kleinkinderbereich.
 
Für die wichtigen Bereiche Senioren, Integration und Inklusion schuf die Stadt erstmals eigene Stellen. Die Einrichtung eines Pflegestützpunkts in Waghäusel konnte erreicht werden. Zur Unterbringung der Flüchtlinge 2015 entstand in Waghäusel eine Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises und eine Anschlussunterbringung der Stadt, es gründete sich der Verein „Waghäusel hilft“, der großartige Arbeit leistet.
 
Der Seniorenbeirat wurde gegründet und das Angebot für Senioren stark erweitert durch den Bau eines Altenpflegeheims in Wiesental, den Aufbau von Betreutem Wohnen in Kirrlach und Wiesental sowie einer Steigerung des Angebots im Bereich der Tagespflege.
 
Ein beständiger Kampf bleibt es, Ärzte vor Ort zu haben. Aktuell konnte ein neues Ärztehaus in Kirrlach eröffnet werden, bei der Eremitage ist eines in Bau. Auch der Erhalt der Notfallpraxis in Kirrlach war ein wichtiger Beitrag.
 
Die Präsenz der Polizei vor Ort konnte im Gegensatz zu anderen Orten erhalten werden. 2006 wurde im alten Rathaus Waghäusel der Polizeiposten Bruhrain eingerichtet.
 
Große Veränderungen gab es auf den Friedhöfen mit der Einführung neuer, vielfältiger Begräbnisformen für Urnen sowie gärtnerbetreuter Grabfelder. Auf dem Friedhof Waghäusel entstand das erste muslimische Gräberfeld.
 
Für Umwelt und Klima werden auf den Friedhöfen wie im ganzen Stadtgebiet freiwerdende Flächen in Bienen- und Blühwiesen umgewandelt. Schon 2004 konnte die Renaturierung des Duttlacher Grabens in Kirrlach abgeschlossen werden. Seit 2013 kommt die Wärmeversorgung von Realschule, Rheintalbad und Rathaus von einem Biogas-Blockheizkraftwerk. Die neuen Dienstwagen der Stadtverwaltung sind E-Autos und Hybridfahrzeuge. Für die Stadt insgesamt laufen die Arbeiten an der kommunalen Wärmeplanung hin zu klimaneutraler Wärmeversorgung. Kontrovers wird aktuell über die Nutzung von Geothermie und Windkraft auf der Gemarkung diskutiert. „Wenn der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen kommen soll, muss die Energie irgendwo herkommen“, gibt Heiler zu bedenken.
 
Die Aufenthaltsqualität im Ort erhöhte sich durch die Schaffung und Neugestaltung von Freiräumen wie bei der Kapelle am Ortseingang Wiesental sowie dem Spraddl- und dem Raiffeisenplatz in Kirrlach. Die Sanierung der Ortsmitte Kirrlach wurde erfolgreich abgeschlossen, für Wiesental ist sie angelaufen.
 
Im Verkehrsbereich war stets der Neu- und Ausbau der Radwege wichtig. Waghäusel ist erfolgreicher Teilnehmer des Projekts „Stadtradeln“. Der öffentliche Nahverkehr wurde gestärkt durch die barrierefreie Umgestaltung der Bushaltestellen und der Bahnhöfe Waghäusel und Wiesental. Erfolgreich war der Einsatz für den Ausbau der Schallschutzmaßnahmen an der Bahnlinie und die Buslinie 193 nach Bad Schönborn.
 
Verkehrstechnische Verbesserungen brachten der Bau der Südwestspange um Kirrlach, der Umgehungsstraße K 3536 Richtung St. Leon, die Schaffung der kreuzungsfreien Anbindung alte B36/L638 zwischen Wiesental und Neudorf sowie die Umwandlung zahlreicher Kreuzungen in Kreisel. Innerorts wurde Tempo 30 für das gesamte Stadtgebiet eingeführt. Zahlreiche neue innerörtlicher Parkplätze in Wiesental und Kirrlach entstanden, aktuell ist ein Parkraumkonzept in Arbeit.
 
Viel Aufwand erfordern auch die Unterhaltung und Sanierung der städtischen Einrichtungen, Gebäude, Straßen, der Wasser- und Abwasserversorgung, Kanäle und Grünanlagen und der Ausbau der Digitalisierung und Breitbandversorgung sowie die zahlreichen Angebote an Freiwilligkeitsleistungen.
 
Zu den großen Veränderungen innerhalb des Rathauses gehörte unter anderem die Eröffnung des Bürgerbüros 2001, einem erklärten Ziel Heilers im ersten Bürgermeisterwahlkampf, gegen das es damals große Widerstände gab. Mit der Ernennung zur Großen Kreisstadt 2013 erhielt Waghäusel Aufgaben einer unteren Verwaltungsbehörde in den Bereichen Ausländerwesen, Bußgeld, Baurecht, Gaststätten, Reisegewerbekarte, Spielhallen, Messen, Märkte, Ausstellungen, Versammlungs- und Waffenrecht, Wohngeld und örtliche Straßenverkehrsbehörde. Das damals 30 Jahre alte Rathaus war längst überbelegt und erhielt einen großen, modernen Anbau.
 
Wichtige Impulse gab es für das Miteinander in der Kommune: 2002 rief die Stadt die Gemarkungsputzaktion ins Leben, bei der sich jedes Jahr zahlreiche Freiwillige beteiligen. 2002 war Waghäusel Festivalstadt der „Aktion Mensch“ mit damaligem bundesweitem Rekordergebnis von 250.000 Euro an Spenden. Dies war der Ausgangspunkt für die Tradition der Großen Stadtfeste auf dem Festgelände bei der Eremitage in den Jahren 2002, 2005, 2008, 2013 und 2018. Ebenfalls großartig war die 775-Jahr-Feier des Ortsteils Kirrlach 2009. Für 2022 steht die 725-Jahr-Feier Wiesentals an.
Darauf freut sich Heiler ebenso wie auf das Freiheitsfest an der Eremitage, wo auch zu feiern sein wird, dass Waghäusel seit diesem Jahr zu den bundesweiten „Orten der Demokratiegeschichte“ gehört. Er bedauert sehr, dass die Corona-Pandemie nun im zweiten Jahr so viele Kontakte und Veranstaltungen erschwert und verhindert.
 
Walter Heiler trat 1979 in die SPD ein und war von 1980 bis 1999 Vorsitzender des Ortsvereins. 1980 wurde er erstmals Gemeinderat und bei den folgenden Wahlen jeweils mit dem besten Ergebnis aller Kandidatinnen und Kandidaten aller Parteien wiedergewählt. Seit 1984 ist er ununterbrochen im Kreistag, auch hier erzielte er bei allen Wiederwahlen das beste Ergebnis in Waghäusel.
 
1992 wurde er erstmals in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, als mit Abstand jüngster Abgeordneter der SPD-Fraktion. 2001 schied er auf eigenen Wunsch aus, ehe er sich, nicht zuletzt auf Bitten seiner Partei, 2006 erneut erfolgreich zur Wahl und dann auch zur Wiederwahl stellte. Er war unter anderem 7 Jahre lang Vorsitzender des Innenausschusses, zu dessen Kernaufgaben auch die Kommunalpolitik gehört. Die Arbeit im Landtag und der Einsatz für seinen Wahlkreis Bruchsal waren Heiler wichtig. Dennoch entschied er sich, als durch Parlamentsreform festgelegt wurde, dass ab der Landtagswahl 2016 das Amt eines Oberbürgermeisters mit dem Mandat als Landtagsabgeordneter nicht mehr vereinbar sei, für seine Heimatstadt und gegen eine erneute Landtagskandidatur.
 
In Waghäusel war Walter Heiler bereits 1991 bei der Bürgermeisterwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Robert Straub angetreten und erhielt beachtliche 42 Prozent der Stimmen. Als Straub sich 1999 nicht mehr zur Wahl stellte, kandidierte Heiler erneut und siegte im ersten Wahlgang mit über 62 Prozent. Auch bei seinen Wiederwahlen 2007 und 2015 war jeweils nur ein einziger Wahlgang nötig, Heiler kam dabei auf über 70 bzw. rund 62 Prozent der Stimmen. Bei allen Wahlen musste sich Heiler gegen eine Kandidatin bzw. Kandidaten durchsetzen, die von der CDU unterstützt wurden.
 
Walter Heiler will sich ab Sommer 2022 mehr seiner Familie und insbesondere seinen Enkeln widmen. Und er hat sich fest vorgenommen, wieder verstärkt aktiv Musik zu machen und das ein oder andere Bundesligaspiel „seines“ HSV zu besuchen. Hoffentlich, wie er schmunzelnd bemerkt, dann in der ersten Liga.

(Erstellt am 15. November 2021)

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