Feier des Volkstrauertages

Rosalinde Reichert aus Wiesental wurde nur knapp elf Jahre alt. Sie starb am 21. Januar 1945 beim Fliegerangriff auf Wiesental. Oberbürgermeister Walter Heiler erinnerte bei den Gedenkfeiern zum Volkstrauertag auf den Friedhöfen in Wiesental und Kirrlach auch an die 37 Todesopfer des Bombenhagels auf den heutigen Waghäuseler Stadtteil.

Kranzniederlegung auf dem Kirrlacher Friedhof mit (v.l.) Manfred Klein, Ulrike Lechnauer-Müller, Oberbürgermeister Walter Heiler, Erwin Reiß und Werner Bentz (Bild: Kurt Klumpp)

 

„Die drei jüngsten Getöteten waren erst 1944 geboren worden und erlebten ihren ersten Geburtstag nicht“, sagte der Rathauschef mit belegter Stimme. Tag- und zeitgleich wird 75 Jahre nach dem Luftangriff am Dienstag, 21. Januar 2020, um 12 Uhr an der Heimatstube in Wiesental eine Gedenktafel enthüllt werden.
In seiner Rede gedachte Walter Heiler allen Opfern von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker, die verfolgt und getötet wurden. Auch heute noch. Und er sprach angesichts der Gräueltaten auf der Welt von einem unerfüllbaren Traum, dass alle Menschen in Frieden zusammenleben könnten. Krieg auf deutschem Boden und damit auch in Waghäusel gab es letztmals vor fast 75 Jahren. „Allein der zweite Weltkrieg beklagte 60 Millionen Tote sowie Grausamkeiten und Zerstörungen von einem nie dagewesenen Ausmaß“, betonte der Rathauschef.
Oberbürgermeister Walter Heiler zitierte auch Zeitzeugen jener Kriegstage, die den 21. Januar 1945 erlebt haben. Damals wurden innerhalb von nur zehn Minuten etwa tausend Stabbrandbomben und 50 Sprengbomben von amerikanischen Flugzeugen über den Waghäuseler Stadtteil abgeworfen. Zerstört wurden 31 Wohnhäuser, 98 Scheunen und 69 Ställe sowie eine Fabrik, während 338 weitere Häuser beschädigt wurden. Unter den 37 Todesopfern waren 14 Kinder, 17 Frauen und sechs Männer. „Umgekommen sind bei den alliierten Bombenangriffen auf Deutschland etwa 600.000 Zivilpersonen, darunter 80.000 Kinder“, zog Walter Heiler eine traurige Bilanz.
Mit einem Gebet bereicherte Pastoralreferent Michael Böser die beiden Gedenkfeiern. Ebenso Mitglieder des Gemeinderats sowie der beiden Ortsgruppen des Sozialverbandes VdK, die Kränze niederlegten. Einen schönen Brauch pflegen die Wiesentaler Vereine, die auf Initiative von Paul Marx am Volkstrauertag den Gottesdienst in der Katholischen Kirche sowie die Gedenkfeier mit ihren Fahnen und Standarden begleiten. Musikalisch umrahmt wurden beide Feierstunden durch das Akkordeon-Orchester 1936 Wiesental sowie durch den Männerchor und den Musikverein Kirrlach.Text: Kurt Klumpp

Auf vielfachen Wunsch veröffentlichen wir hier (52 KiB)die Rede von Oberbürgermeister Walter Heiler im Wortlaut.

(Erstellt am 22. November 2019)

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